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Der Nationalsozialismus im familialen Dialog. Qualitative Inhaltsanalyse von Drei-Generationen-Interviews mit MAXqda

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Zusammenfassung

Qualitative Studien haben den Nachteil, aufgrund der recht arbeits- und zeitintensiven hermeneutischen Analyse von verbalen Daten meist nur relativ kleine Fallzahlen auswerten zu können. Soll aber eine größere Zahl von Interviews vergleichend ausgewertet werden, ist es notwendig, hermeneutische Verfahren mit etwas ökonomischeren Methoden zu kombinieren. Hier wird eine Verfahrensweise vorgestellt, die die Vorteile einer hermeneutischen Feinanalyse mit den Vorzügen der computergestützten Qualitativen Inhaltsanalyse verbindet. Basierend auf induktiv generierten Kategorien wurde eine qualitative Studie, bestehend aus 182 Interviews mit den Angehörigen von 40 ost- und westdeutschen Familien zu ihrem kommunikativen Umgang mit der Zeit des Nationalsozialismus, nach eindeutig definierten Kriterien mit Hilfe von MAXqda inhaltsanalytisch ausgewertet.

Das Ergebnis der qualitativen und quantitativen Auswertungsschritte sind fünf Strukturmerkmale des intergenerationellen Sprechens über die NS-Vergangenheit — Opferschaft, Rechtfertigung, Distanzierung, Faszination und Heldentum, die das Sprechen der interviewten Familienangehörigen kennzeichnen und die hier in Auszügen vorgestellt werden.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Das von der VolkswagenStiftung geförderte Projekt wurde geleitet von Prof. Dr. Harald Welzer, MitarbeiterInnen waren Sabine Moller, Karoline Tschuggnall, Olaf Jensen, Torsten Koch und Erika Rothärmel.Google Scholar
  2. 2.
    „Normal“ heißt hier, dass es explizit darum ging, keine Familien von „Tätern des Nationalsozialismus“ im juristischen Sinne zu interviewen. Es muss aber festgestellt werden, dass die männlichen Zeitzeugen in zwei Familien durchaus unter diese Kategorie fallen.Google Scholar
  3. 3.
    34 Fälle sind dokumentiert, in denen die Interviews wegen der fehlenden Bereitschaft eines Generationsangehörigen und trotz anfänglicher Zusage nicht zustande kamen.Google Scholar
  4. 4.
    Der zu Beginn des Familiengesprächs per Videorekorder eingespielte Film von ca. 10 Minuten besteht aus 13 Sequenzen ohne Ton. Die meisten Sequenzen sind Amateuraufnahmen z. B. über einen BDMRapport, die Hochzeit eines SS-Mannes in Uniform oder spielende Kindern in Soldatenuniform (vgl. Welzer et al. 2002: 211 ff., Jensen 2004a). Ziel war dabei, die Beteiligten mit möglichst nicht determiniertem visuellen Material über den Nationalsozialismus zu einer Diskussion anzuregen.Google Scholar
  5. 5.
    Diese Überprüfung bzw. Präzisierung der Pilotstudie durch die Hauptstudie hatte zur Folge, dass der Tradierungstyp „Heldentum“ notwendig, ein anderes Strukturmerkmal („Überwältigung“) aufgrund mangelnder Präsenz hingegen fallen gelassen wurde (vgl. Jensen 2004a).Google Scholar
  6. 6.
    Das Rechenprogramm „Intercod“ von Müller-Benedict berücksichtigt bei der Berechnung von xScott neben möglichen zufälGgen Übereinstimmungen (Müller-Benedict 1998; vgl. Merten 1983: 304 f.) auch, dass bei der Codierung von großen Textmengen mit vielen Kategorien von verschiedenen Codierern alle Kategorien prinzipiell zur Verfügung stehen und auch die Nichtauswahl einer Kategorie eine bewusste Entscheidung der Codierer ist (Müller-Benedict 1998). Bei der Berechnung von &#x03F0Cohen und entsprechenden Operationen in SPSS bleiben diese Fälle ausgespart, was zu unpräziseren höheren Kappa-Werten führt.Google Scholar
  7. 7.
    Mein besonderer Dank gilt hier Torsten Koch (vgl. auch seinen Beitrag in diesem Band).Google Scholar
  8. 8.
    Eine solche Darstellung und Analyse der Ergebnisse des Codierens in MAXqda liegt für alle hier untersuchten Tradierungstypen vor. Diese wird durch eine umfangreiche Präsentation von Interviewsequenzen ergänzt, die die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der drei Generationen im Sprechen über die NSVergangenheit deutlich machen gensen 2004a).Google Scholar
  9. 9.
    Alle Namen sind pseudonymisiert.Google Scholar
  10. 10.
    Die Quellenangabe zu den Interviews enthält hier F27 für Familie Nr. 27 und die Abkürzung Z für Zeitzeugengeneration (bzw. G für Gruppen- bzw. Familiengespräch, K für Kindergeneration und E für Enkelgeneration). Danach folgt die Zeilenangabe im InterviewGoogle Scholar
  11. 11.
    Eine entsprechende Aufschlüsselung wurde auch für die Familiengespräche erstellt, um den Anteil, den die einzelnen Generationen jeweils haben, sichtbar zu machen.Google Scholar

Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2004

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