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Stille Post — Eine computergestützte qualitative Inhaltsanalyse „Serieller Reproduktionen“

Ein Werkstattbericht
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Zusammenfassung

Im Rahmen eines Forschungslernseminars am Institut für Soziologie und Sozialpsychologie der Universität Hannover wurde in Anlehnung an das von Bartlett entwickelte Verfahren der seriellen Reproduktion der Frage nachgegangen, wie die vorwiegend studentischen Versuchspersonen eine Zeitzeugenerzählung zum Thema Kriegsende des II. Weltkriegs nacherzählen, welche Erinnerungseinheiten sie aufgreifen oder weglassen, welche Passagen verändert werden. Theoretischer Hintergrund ist Frederic C. Bartletts Konzept der kulturellen Schemata und des rekonstruktiven Gedächtnisses. Die mittels computergestützter qualitativer Inhaltsanalyse gewonnenen Ergebnisse zeigen, welche Ungenauigkeit bei der seriellen Reproduktion von sinnvollem Material auftreten können. Die Studie belegt, dass konfliktbeladene Passagen motiviert ausgelassen, de- und rekontextualisert und zu völlig neuen Erzählungen angeordnet werden. Stereotype überlagern die Erinnerung und beeinflussen die Genauigkeit der Rekonstruktion.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Für ihre engagierte Mitarbeit bedanke ich mich bei den TutorInnen Jelena Jaunzeme, Michaela Nack, Kevy-Ellen Meuser, Christian Schankat, Arne Steveling, Andreas Glöde und bei allen Studierenden, die im Rahmen ihrer Forschungslernprojekte an der Erhebung und Auswertung beteiligt waren.Google Scholar
  2. 2.
    Das praktische Vorgehen qualitativer Sozialforschung ist zu großen Teilen ein prozedurales Wissen (vgl. Flick & Bauer 2003: 600 ff.), das den Studierenden anhand praktischer Übungen — wie dem hier dargestellten Vorgehen — vermittelt werden kann.Google Scholar
  3. 3.
    Die Analyse wurde von mehreren Personen unter tutorieller Anleitung durchgeführt. Die Aufgabe des Tutors bestand unter anderem darin, die Ergebnisse der Codierer zu überprüfen. Forschungspraktisch bedeutet das, dass vor der Datenübertragung in MAXQDA Checks durchgeführt wurden. Bei Unstimmigkeiten entscheiden dann Experten (Arbeitsgruppe aus Tutoren und Dozent), wie weiter zu verfahren ist. Gegebenenfalls wurden so die Codierregeln erweitert oder ergänzt, neue Kategorien gebildet oder eine Kategoriendifferenzierung vorgenommen.Google Scholar
  4. 4.
    Die Kürzel bezeichnen die jeweilige Gruppe, die Erhebungsreihenfolge und die vorliegende Form der Nacher-zählung (schriftlich oder mündlich).Google Scholar
  5. 5.
    Derzeit arbeitet eine Projektgruppe daran, ausschließlich in Deutschland studierende Kommilitoninnen aus osteuropäischen Ländern zu erheben, um die Daten einem interkulturellen Vergleich zu unterziehen. 6 Taylor & Crocker (1981) unterscheiden drei Arten von Schemata, die bei der sozialen Wahrnehmung relevant sind: Person-Schemata (z.B. prototypische Konzeptionen Eindrücke von Personen, Selbstschemata), Rollen-Schemata (z.B. Gruppenstereotype) und Ereignisschemata (z.B. sog. Skripte).Google Scholar

Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2004

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