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Zeigerstellungen

  • A. S. Eddington
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Zusammenfassung

Wir haben in der Einleitung gesagt, daß die wissenschaftliche Welt ihr Rohmaterial nicht aus der uns vertrauten Welt der täglichen Erfahrung entlehnt. Aber erst in letzter Zeit hat sich der Physiker mit Bedacht von den vertrauten Vorstellungsbildern losgesagt. Ursprünglich war er nicht ausgezogen, eine neue Welt zu entdecken, sondern an der alten herumzuflicken. Wie jeder Mensch ging er von der Anschauung aus, daß die Dinge mehr oder weniger das sind, was sie scheinen, und daß der lebhafte Eindruck, den wir von unserer Umwelt empfangen, eine sichere Basis für seine Forschungen abgeben würde. Nach und nach stellte es sich heraus, daß von diesem Eindruck einige charakteristische Züge, die gerade ganz besonders einleuchtend waren, ausgeschieden werden mußten. Wir haben gelernt, daß wir nicht auf der festen wohlgegründeten Erde stehen, stolz unser Haupt zum Himmel erhebend, sondern mit unseren Füßen an einer Kugel hängen, die mit einer Geschwindigkeit von vielen Kilometern pro Sekunde den Weltraum durcheilt. Für diese neue Erkenntnis genügte freilich noch eine bloße Umordnung der Vorstellungen.

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Notes

Literatur

  1. Ein gutes Beispiel für eine derartige Vertauschung liefern astronomische Beobachtungen, die an gewissen Doppelsternen mit zwei Komponenten gleicher Helligkeit vorgenommen sind. Nach einer Unterbrechung der Beobachtung waren die beiden Komponenten versehentlich miteinander verwechselt worden und diese Vertauschung wurde erst entdeckt, als die wachsende Diskrepanz zwischen beobachteter und theoretisch berechneter Bahn genauer untersucht wurde.Google Scholar
  2. Die meisten unter uns würden z. B. hypothetisch annehmen, daß die dynamische Eigenschaft der Welt, die ich im 5. Kapitel behandelt habe, charakteristisch für den ganzen Weltengrund ist. Es ist aber offen-sichtlich, daß diese Eigenschaft nicht in den Zeigerablesungen aufgezeigt werden kann, und unsere einzige Einsicht in diese Dynamik ist die Empfindung von „Werden“ in unserem Bewußtsein. „Werden — ebenso wie „Denken“ ist uns nur durch sein Vorkommen in unserem eigenen Geiste bekannt. Aber während es sinnlos wäre anzunehmen, daß sich letzteres auch auf unorganische Atomhaufen erstrecke, kann der Begriff des „Werdens“ sehr wohl auf die nichtorganische Welt ausgedehnt werden (und wird es im allgemeinen auch), so daß es keineswegs ohne Belang ist, ob der Fortschritt des Geschehens in der unorganischen Welt von Vergangenheit gegen Zukunft oder von Zukunft gegen Vergangenheit betrachtet wird.Google Scholar
  3. Im Original ist der englische Kindervers: „The house, that Jack built“ benutzt.Google Scholar
  4. Dies gilt offensichtlich für die Experimentalphysik und muß somit auch für die theoretische Physik zutreffen, wenn sie wirklich vom Experiment als Grundlage ausgeht, wie sie es behauptet.Google Scholar
  5. Mit „Tatsächlichkeit“- ist hier das englische Wort „actuality“ über-setzt, durch das der Autor zunächst im Anschluß an die übliche Aus-drucks- und Vorstellungsweise den Begriff der Wirklichkeit in die Betrachtung einführt. Er versteht unter actuality die Wirklichkeit im Gegensatz zur bloßen Möglichkeit. Später tritt an die Stelle dessen der tiefergehende und auf S. 277 u, f. schärfer gefaßte Begriff „reality“, der in der Übersetzung durch „Realität“ wiedergegeben ist. Wo das Sprachgefühl es wünschenswert erscheinen ließ, sind beide Worte durch „Wirklichkeit“ ersetzt. (D. Übers.)Google Scholar
  6. Die einzige Ausnahme ist, wie ich glaube, Diracs Verallgemeinerung, die (q-Zahlen einführt (S. 209). Doch ist bis jetzt noch kein Versuch gemacht worden, ein allgemeines System von Schlußfolgerungen auf nicht-numerischer Basis durchzuführen.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 1931

Authors and Affiliations

  • A. S. Eddington

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