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Familienformen im Wandel. Von der Zwei- zur Drei-Generationen-Familie

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Part of the Forschung Erziehungswissenschaft book series (FO ERZWISS, volume 103)

Zusammenfassung

In den bisherigen Überlegungen zur politischen Sozialisation in der Familie und den Fragen nach der Identitätsentwicklung im Rahmen der Familie standen die individuellen Prozesse im Mittelpunkt der Überlegungen. In diesem Abschnitt nun soll die Familie selbst ins Zentrum rücken. Denn fragt man nach der Familie als Sozialisationsinstanz, so rückt sie als soziales Konstrukt des alltäglichen Miteinanders verschiedener Generationen in den Mittelpunkt der weiteren Überlegungen. Und an dieser Stelle kommen zunächst Fragen auf: Wer gehört zu einer Familie und wie kann man die Mitgliedschaft erwerben? Was ist eigentlich Familie und wie läßt sie sich beschreiben? Welchen Stellenwert hat Familie im alltäglichen Zusammenleben? Welche Beziehungen bestehen zwischen den Mitgliedern einer Familie? Wie lange gibt es eigentlich schon die Familie als Lebensform? Hat sie sich historisch verändert? Diese Fragen sollen im Vordergrund dieses Kapitels stehen.

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Literatur

  1. 42.
    Mitterauer (1984) verdeutlicht den ursachlichen Zusammenhang zwischen Haus und Familie an der Entstehung der Eigennamen. Im bäuerlichen Bereich wurden die Angehörigen des Hauses nach dem Hof benannt, beim Adel waren es die Bezeichnungen des Sitzes (Burgen und Höfe). 43 Heinrich Riehl, Wegbereiter der deutschen Familiensoziologie, bezeichnete diese Hausgemeinschaft als „ganzes Haus“, die Otto Brunner (1950) in Anlehnung an Riehl einführte (vgl. Mitterauer 1984).Google Scholar
  2. 44.
    Bertram (1997) nennt in diesem Zusammenhang die Einführung der Familiennamen in Österreich. Um alle Bewohner eines Hauses besteuern zu können, die in einem Hause lebten, führte die Kaiserin Maria Theresia die Familiennamen ein, damit eindeutige Zugehörigkeiten die Besteuerung erleichterten (vgl. Bertram 1997).Google Scholar
  3. 45.
    Beispiele für die nach dem Erbe strukturierten Bauernhöfe nennt Mitterauer (1984). Er unterscheidet die Stammfamilie und die Ausgedingefamilie als Untertypen der Mehrgenerationenfamilie. Wahrend in der Stammfamilie die Autoritätsposition bei der ältesten Generation liegt, der die jüngeren hierarchisch untergeordnet sind, liegt in der Ausgedingefamilie die familiale Autorität bei der mittleren Generation (vgl. Mitterauer 1984).Google Scholar
  4. 46.
    Das Bild der traditionellen Großfamilie entstand bereits in der Romantik und in der Biedermeierzeit und hielt sich über die Jahrhunderte als eine breitenwirksame Idealvorstellung historischer Familienformen (vgl. Mitterauer 1984).Google Scholar
  5. 47.
    Aber auch schon weit vor dem industriellen Zeitalter wurde die Familie sukzessive von Funktionen entlastet, die ihr einst oblagen. In diesem Zusammenhang lassen sich sieben Funktionen aufzeigen, die in das staatliche Gemeinwesen übergingen und zum strukturellen Wandel der Familie beigetragen haben (vgl. hierzu ausf Mitterauer 1984, 95–109): Die Kultfunktion in Form der Ahnenverehrung, die Gerichtsfunktion in Form von Rachejustiz, die Schutzfunktion als Versorgungs- und Vorsorgepflichten, die wirtschaftliche Funktion in Form der familialen Arbeitsorganisation, die Sozialisationsfunktionen innerhalb der Familie, die Fortpflanzungsfunktion als „harten Kern familialer Funktionen“ (Mitterauer) und die kulturellen Funktionen die sich innerhalb der Familie entwickeln.Google Scholar
  6. 48.
    Harney et al. (1997, 162) stützen sich dabei auf historische Familienstudien aus England. Hier werden im Übergang von der mittelalterlichen zur Gesellschaft im Absolutismus vier Kategorien häuslicher Gemeinschaften unterschieden: (1) die häusliche Gemeinschaft ohne familialen Unterbau, (2) die einfache häusliche Gemeinschaft, die der Zweigenerationenfamilie entspricht, (3) die erweiterte Hausgemeinschaft mit Verwandten in auf- und absteigender Linie und Seitenverwandten und (4) die multiple Hausgemeinschaft, in der mehrere Kemfamilien zusammenleben.Google Scholar
  7. 49.
    Mit dem Begriff der „industriellen Revolution“ verknüpfen sich in der Geschichtsforschung verschiedene theoretische Modelle. Die einen legen den Schwerpunkt auf technische Aspekte (neue Energiequellen wie Kohle und Dampf) und sehen die technischen Entwicklungen als radikalen Bruch, der sich bis in die Gegenwart zieht und eine zweite Revolution, die der Informatik, zur Folge hatte. Andere dagegen betonen starker den Aspekt der Besitzvererbung und der Kapital-Freisetzung und sehen durch die Investitionen erst die Möglichkeit des Kapitalismus (vgl. Segalen 1998). Die geistige und soziale Revolution von Arbeitern und Bürgern im 19. Jh. stellt für dritte den zu betonenden Aspekt dieser „Revolution“ dar (vgl. Weber-Kellermann 1990). In jedem Fall gehen die Historiker aber davon aus, daß es sich um einen vielschichtigen Prozeß handelt, der sich über einen längeren Zeitraum erstreckt. Deshalb bleibt auch der Begriff der Revolution leicht irreführend, weil er sowohl einen Bruch als auch einen langen Prozeß beschreibt.Google Scholar
  8. 50.
    Diesen gesellschaftlichen Umschichtungsprozeß haben Karl Marx (1818–1883) und Lorenz von Stein (1815–1890) beschrieben. Die diagnostischen Grundzüge wurden später von Weber bestätigt (vgl. Geißler 1996b).Google Scholar
  9. 51.
    Nach Elias, vgl. ebd.Google Scholar
  10. 52.
    Sehr gut läßt sich das an der Entstehung des bürgerlichen Trauerspiels verdeutlichen, das sich von der klassizistischen Tragödie abwandte, in der noch der öffentlich-politische Charakter des Hofes im Mittelpunkt stand. Im bürgerlichen Trauerspiel wurden häuslichprivate Probleme und Ständekonflikte thematisiert. Das Publikum sollte angeregt werden, mit zu leiden und mit zu weinen. 1755 begründete Lessing mit „Miss Sara Sampson“ in Deutschland das bürgerliche Trauerspiel, dessen Handlung um Tugend und Laster, Reue und Charaktervervollkommnung kreiste. Goethes Leiden, die er in nur vier Wochen dem jungen W. (1774) zuschrieb, sind getragen von dieser subjektiven Empfindsamkeit; Schillers Kabale und Liebe (1784) ist charakteristisch für den Ständekonflikt.Google Scholar
  11. 53.
    Die Entdeckung von Kindheit wird historisch in die Zeit des Biedermeiers gelagert, also der in Deutschland und Österreich verbreiteten Stilepoche in der Zeit zwischen Romantik und Realismus (etwa zwischen 1815 und 1860). Die Biedermeierzeit fand ihre Ausprägungen in Malerei und angewandter Kunst, aber auch in Literatur und Musik. Biedermeier ist ein ursprünglich abwertend-ironischer Begriff und geht auf die fiktive Figur des Gottlieb Biedermaier zurück.Google Scholar
  12. 54.
    Eine dritte Position, die quer zu den Beschreibungen von Ariès und de Mause liegt, ist die von Neil Postman. Er geht davon aus, daß die Entdeckung der Kindheit mit der Erfindung des Buchdrucks (1456) einhergeht (vgl. Postman 1983).Google Scholar
  13. 55.
    Negt/Kluge (1972) beleuchten diese Mutter-Kind-Beziehung vor dem Hintergrund vorindustrieller Strukturen und identifizieren diese Verbindung als Rest einst materialistischer Produktionsweise. Vgl. genauer zu dieser Position und der Kritik an Produktionsweise. Vgl. genauer zu dieser Position und der Kritik an dieser Auffassung Helsper 1989, insb. 154 f.)Google Scholar
  14. 56.
    Versteht man die Familie als gesellschaftliche Institution, so bedarf sie einer Legitimierung, genauer: einem Legitimationsprozeß als einer ‚sekundären Objektivation von Sinn‘, wie es Berger/Luckmann (1996) ausgeführt haben (vgl. Tyrell 1990).Google Scholar
  15. 57.
    Der Diskurs um die biologische vs. soziale Elternschaft (Beck 1992, Bertram 1991, Bien 1994, Böhnisch/Lenz 1997) ist eng mit der Diskussion um Partnerschaftsbeziehungen als familiale Lebensformen verknüpft.Google Scholar
  16. 58.
    Nave-Herz nennt für das sich starker ausdifferenzierende System der Alleinerziehenden den Wandel im sozial-politischen bzw. wohlfahrtsstaatlichen System, im Rechtssystem und im Bildungs- und Erwerbssystem (vgl. Nave-Herz 1995, 66).Google Scholar
  17. 59.
    Dabei wurden „vollständige“ (Mutter-Vater-Kinder) von „unvollständigen“ Familien (ein Elternteil mit Kindern) unterschieden. Diese Begrifflichkeiten werden seit den 90er Jahren jedoch nur noch vereinzelt benutzt (vgl. zur historischen Kritik an den Begrifflichkeiten Mitterauer 1984, zur soziologischen Kritik Tyrell 1990, Kaufmann 1990).Google Scholar
  18. 60.
    Damit trifft der Familienbegriff auch den alltäglichen Sprachgebrauch in den westeuropäischen Gesellschaften. Deutlich wird das z.B. an der Frage „Haben Sie Familie?“, die auf die Existenz von Mann oder Frau und Kind(em) abzielt.Google Scholar
  19. 61.
    Diese soziale Partnerschaftsbeziehung gilt natürlich auch für homosexuelle Beziehungen zwischen Männern und Frauen. Ich lasse die homosexuellen Partnerschaftsbeziehungen an dieser Stelle außer Acht, weil sie (noch) keine biologische Familiengrundlage darstellen, sondem ausschließlich die soziale Elternschaft konstituieren. Zudem habe ich in meinem empirischen Material nur weibliche oder männliche Generationenlinien, die biologisch und sozial verwandt sind. Das war eines der Auswahlkriterien für das Fallmaterial (vgl. Teil B: methodischer Zugang).Google Scholar
  20. 62.
    Die Adoption ist ein dritter Weg, der aber gesondert betrachtet werden muß (vgl. Hoffmann-Riem 1990).Google Scholar
  21. 63.
    Die eheliche Verbindung wiederum galt rechtlich als Vormundschaft des Mannes über seine Frau und die Kinder.Google Scholar
  22. 64.
    Mit diesen anderen Formen von Familie, jenseits der auf Lebensdauer konstanten MutterVater-Kind(er)-Konstellation, setzt sich die Familienforschung seit längerer Zeit auseinander. Dabei können die verschiedenen Varianten von Familienkonstellationen — etwa nach der Ehescheidung und anschließender Wiederverheiratung eines oder beider Elternteile — wiederum unterschiedliche Formen annehmen (vgl. z.B. Kaufmann 1990).Google Scholar
  23. 65.
    In den westlichen Bundesländer existieren 1993 7,3 Mio. Eltern-Kind-Gemeinschaften mit Kindern unter 18 Jahren. Hier leben 85,5 % der Kinder in ehelichen Gemeinschaften, 2,8% in nichtehelichen Gemeinschaften. 4,8% der Kinder leben mit einem Elternteil ohne Partner zusammen (vgl. Wingen 1997).Google Scholar
  24. 66.
    Auch rechtlich vollzieht sich gegenwärtig ein Wandel, etwa in der Gleichstellung von ehelichen und nichtehelichen Kindern, der Gleichstellung nichtehelicher und ehelicher Lebensgemeinschaften als auch die zunehmende Akzeptanz homosexueller Beziehungen oder der Wegfall der Vormundschaft bei alleinerziehenden Frauen.Google Scholar
  25. 67.
    Im Alters-Survey (Repräsentativbefragung) wurden 4838 Personen aus 290 Gemeinden befragt, wobei 1719 zwischen 40 und 54 Jahre, 1779 Personen 55–69 Jahre und 1340 Befragte zwischen 70 und 85 Jahre alt waren (Kohli et al. 1997, 164).Google Scholar
  26. 68.
    Hier lassen sich nach Kohli et al. (1997) drei Lebensformen von Eltern mit ihren erwachsenen Kindern unterscheiden: Die erste Gruppe umfaßt diejenigen ‚Kinder‘, die noch nicht aus dem Elternhaus ausgezogen sind (z.B. Auszubildende, Studierende). Der zweiten Gruppe sind die Bumerang-Kids zuzuordnen, also diejenigen, die (zeitweilig) wieder bei den Eltern leben (z.B. wegen Scheidung oder Trennung, Alleinerziehende). Die dritte Gruppe setzt sich aus denjenigen zusammen, die wieder mit den Eltern zusammen leben (wegen Pflegebedürftigkeit, Vergrößerung des Haushaltseinkommens, Kinderbetreuung etc.).Google Scholar
  27. 69.
    Ausnahmen sind die Studien von Bertaux/Bertaux-Wiame 1991, Rosenthal 1997 und Kreher/Vierzigmann 1997 (vgl. Kapitel 111.2.4).Google Scholar
  28. 70.
    Die Datenbasis für diese Untersuchung stellt das sozioökonomische Paneel von 1991, wobei zwar zu diesem Zeitpunkt Ost- und Westdeutsche befragt wurden, aber nur Westdeutsche in Szydliks Auswertung eingehen konnten, da die Fragen zur sozialen Herkunft nur bei den westdeutschen Befragten erhoben worden sind. Die Antwortkategorien für die Frage nach der Enge von Beziehungen waren sehr eng, eng, mittel, nur flüchtig, überhaupt keine Beziehung (vgl. Szydlik 1997).Google Scholar
  29. 71.
    Hier wird davon ausgegangen, daß die Frauen doppelt sozialisiert sind. Mädchen, Frauen und Mütter haben in ihrem Lebenslauf zwei ‚Sozialisationen‘ zu bewältigen. Die Eingliederung in die Gesellschaft erfolgt für die Frau einerseits über die Arbeit in der Familie, andererseits über Erwerbsarbeit. Diese zwei Seiten eines Lebenslaufs haben Mädchen und Frauen — früher oder später — zu bewältigen. Die dabei auftretenden Schwierigkeiten der Lebensplanung liegen in erster Linie in der Entscheidung, welcher Seite im Leben mehr Zeit entgegengebracht werden soll: der beruflichen oder der familiären. Beruf und Familie gleichermaßen zu bewältigen, ist gegenwärtig kaum möglich (Krüger/Born 1990). Die Ursachen dafür liegen u.a. in fehlenden Krippen- und Kindergartenplätzen, aber auch in der mangelnden Anerkennung der Leistung, Kinder zu erziehen (Krüger/Born 1990; Born 1993).Google Scholar
  30. 72.
    Diese 280 Personen waren in den 80er Jahren (von insgesamt 500 Befragten) noch in der Langzeitstudie von Berkeley verblieben. Ursprünglich untersuchte das Institute of Human Developement der University of California, Berkeley, zwei Kohorten der Anfang bzw. Ende der 1920 Geborenen (vgl. Clausen 1993, 112)Google Scholar
  31. 73.
    Die Focusgeneration (G2) bei diesen Umfragen sind die der 1920–22 und 1928–29 Geborenen. Die Elterngeneration (G1) wurde zwischen 1870 und 1910 geboren, die Personen der Kindergeneration 1940 und 1970. Die Folgeumfrage, die Clausen 1991 durchführte, umfaßte dieselben Fragen wie die von 1970 und 1983.Google Scholar
  32. 74.
    Dieser Tatbestand ist um so erstaunlicher, weil sowohl in der erziehungs- als auch in der sozialwissenschaftlichen Forschung die Familie als zentrale Instanz von Sozialisationsprozessen im frühen Kindes- bis zum Jugendalter betrachtet wird (vgl. Oswald 1992).Google Scholar
  33. 75.
    Dabei unterscheiden sie die äußeren Prozesse, z.B. Arbeitsmarkt, soziale Rahmenbedingungen, kollektive historische Ereignisse etc. von den inneren Prozessen. Innere Prozesse seien weitgehend von der Herkunftsfamilie bestimmt (z.B. die Berufswahl und damit den ersten Arbeitsplatz), der Karriereverlauf sei dagegen eher von den äußeren Prozessen abhängig (vgl. Bertaux/Bertaux-Wiame 1991). Methodisch gehen sie dabei so vor, daß eine Person die Familiengeschichte über mehrere Generationen (von der älteren über sich bis zur jüngsten) aus der eigenen Sicht erzählt.Google Scholar
  34. 76.
    Der Bezug zu Bourdieus Theorie der Kapitalarten wird hier offensichtlich (obwohl die Autorinnen sich darüber ausschweigen): Bourdieu hat gezeigt, wie die verschiedenen Kapitalarten institutionalisiert, objektiviert, transferiert, inkorporiert und akkumuliert werden können als auch wie sich die Übertragung von kulturellem, ökonomischem und kulturellem Kapital vollzieht und verschleiern laßt (vgl. Bourdieu 1983).Google Scholar
  35. 77.
    Das Forscherinnenteam setzt sich aus Soziologinnen, Psychologinnen und Politologinnen zusammen, die aus Israel, der Bundesrepublik und der DDR stammen und verstehen sich als ‚jüdische Israelis und nichtjüdische Deutsche“ (Rosenthal 1997, 7).Google Scholar
  36. 78.
    Rosenthal hat in ihren vorhergehenden Studien über die Nazi-Vergangenheit darauf aufmerksam gemacht, daß in biographischen Erzählungen verschiedene Strategien von den Interviewten angewendet werden, um die traumatischen Erlebnisse auszublenden oder in andere Themen einzubetten, die weniger leidvoll und schmerzhaft sind (vgl. Rosenthal 1987, 1988).Google Scholar
  37. 79.
    Vertreter der Familientherapie sind Helm Stierlin (1978, 1994), Ivan Boszormenyi Nagy und Gerlinde Spark (1981). Die VerterInnen dieser Forschungsrichtung gehen davon aus, daß es verschiedene Mechanismen (Sündenbockfunktion, Blutsbande, Ausschlußmechanismus etc.) in Familien gibt, Loyalitätsbindungen und Geheimnisse zu wahren oder Familienmythen aufrecht zu erhalten. Diese Forschungsrichtung geht auf die theoretischen Überlegungen von Gregory Bateson (1942) zurück, der sich mit dem Mechanismus des Double Bind (Nähe-Distanz-Problem), dem Social Planning und dem Deutero-Learning beschäftigt hat (Ein Schüler von Bateson ist Paul Watzlawick, der sich mit den Formen, Paradoxien und Störungen menschlicher Kommunikation auseinandersetzt. Vgl. hierzu Watzlawick et al. 1969/1990).Google Scholar
  38. 80.
    Die Lebensgeschichten der dargestellten Familie wurden innerhalb von 5 Jahren erhoben: 1990 wurde die mittlere Generation interviewt, 1995 die Großmutter und danach die Enkelin (vgl. Kreher/Vierzigmann 1997). Die befragte Familie stammt aus Ostdeutschland. Problematisch an dieser Studie ist aus meiner Sicht, daß die drei Interviews in einem (zu) großen Zeitabstand durchgeführt wurden. In den Kurzportraits werden lediglich die Lebensverläufe mit Jahresangaben und kurzen Hinweisen auf die Ereignisse markiert. Die biographischen Ereignisse und Narrationen der Interviewpartnerinnen werden den LeserInnen vorenthalten. Allerdings liegt die Familie genau in unserem Generationenschnitt und stammt aus Ostdeutschland. Hier liegt der Grund, warum ich mich mit dieser Studie auseinandersetze — zumal die Thesen und theoretischen Ausführungen der Autorinnen sehr aufschlußreich sind.Google Scholar
  39. 81.
    Der Terminus des Verlaufskurvenpotentials wird von den Autorinnen ganz im Sinne von Fritz Schütze gebraucht, der über mehrere Jahre systematisch biographische Verläufe bearbeitet hat und dabei Prozeßstrukturen in autobiographischen Stegreiferzählungen offenlegen konnte, die als Krisenpotential bezeichnet werden können. Die (negative) Verlaufskurve setzt ein, wenn Individuen nur noch reagieren, aber nicht mehr agieren können, sie werden sich selbst immer fremder. Die Höhepunktskrise mündet im völligen Zusammenbruch der Handlungsorientierung (vgl. Schütze 1981); Schütze hat das an mehreren Fallbeispielen gezeigt (z.B. Schütze 1995).Google Scholar

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© Leske + Budrich, Opladen 2000

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