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Ein halbes Jahrzehnt „Pädagogische Jugendforschung“ — Überlegungen am Ende eines Forschungsprogramms

  • Walter Hornstein
Part of the Studien zur Jugendforschung book series (SZJUG, volume 4)

Zusammenfassung

Dieser Beitrag unterscheidet sich von den anderen Aufsätzen dieses Bandes dadurch, daß er nicht Ergebnisse aus der Arbeit am Schwerpunktprogramm „Pädagogische Jugendforschung“ berichtet, bzw. theoretische oder empirische Erträge aus anderen Projekten und Arbeitszusammenhängen beisteuert; er versucht vielmehr, Erträge des genannten Forschungsprogramms unter bestimmten Gesichtspunkten zu sichten und kritisch zu betrachten.* Dabei geht es mir weniger darum, die Projekte primär am eigenen Anspruch oder an der Programmatik des Ausschreibungstextes zu messen’; im Vordergrund steht vielmehr das Interesse, Erträge der abgelaufenen Projekte unter dem Gesichtspunkt zu diskutieren, ob und in welcher Weise sich aus ihnen Ansatzpunkte für weitere Forschungen ergeben.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Diese Perspektive, nämlich die Projekte daran zu messen, in welcher Weise sie mit den Vorgaben der Programmausschreibung umgegangen sind, war bestimmend in dem Aufsatz von Christian Luders 1984; vgl. dazu die Erwiderung zu diesem Aufsatz von H. Becker u.a. 1984.Google Scholar
  2. 2.
    Ausführlich habe ich mich zu dieser Problematik geäußert in dem Aufsatz: Sozialwissenschaftliche Jugendforschung und gesellschaftliche Praxis. In: Beck 1982, 59–91. Neuerdings ist das Thema der mangelnden inneren Konsistenz des Forschungsgebiets Jugend, das Auseinanderfallen in unterschiedliche „Stränge“ vor allem herausgearbeitet worden von Baethge u.a. 1983.Google Scholar
  3. 3.
    Zur Diskussion dieser Frage in der Erziehungswissenschaft vgl. Oelkers 1979 und Müller/Tenorth 1979; ferner den Beitrag von Treiber/Weinert 1982; dort insbesondere den Aufsatz der beiden Herausgeber: Gibt es theoretische Fortschritte in der Lehr-Lernforschung? (Ebd. 242–290). Der Band darf in unserem Zusammenhang auch deshalb besondere Beachtung beanspruchen, weil er die Resultate eines ebenfalls von der DFG geförderten Schwerpunktprogramms (zum Thema Lehr-Lernforschung) enthält, das zeitlich etwas früher als das Programm „Pädagogische Jugendforschung“ lief.An dieser Stelle ist es notwendig, eine Bemerkung zur Materiallage zu machen, auf die sich der nachfolgende Beitrag stützt: auch in der jetzigen Phase, also nach Abschluß der offiziellen Laufzeit des Schwerpunktprogramms kann es sich in gewisser Hinsicht, und zwar gerade in zentralen Aspekten, wiederum nur um eine „Zwischenbilanz” handeln; denn eine Reihe der Projekte, die in dem Schwerpunktprogramm gefördert wurden, haben weitere, abschließende, insbesondere theoretische Papiere und Veröffentlichungen angekündigt; das gilt für das Projekt von Becker und Mitarbeiter und für das Essener Projekt von W. Breyvogel und Mitarbeitern; insofern kann sich die nachfolgende Darstellung auch nur zum jetzigen Stand verhalten.Anders als die Stellungnahme von Christian Luders soll sich die nachfolgende Würdigung allerdings nicht auf vier Projekte beschränken; es sollen vielmehr einbezogen werden die Untersuchungen von Fend zum Thema „Problematische Jugendliche im Kontext altershomogener Schulklassen, anonymisierender Organisationsbedingungen und pädagogischer Reaktionsformen“ (s. dazu den Beitrag in diesem Band), von Brusten/Holtappels zu „Schülerprobleme und abweichendes Verhalten aus der Sicht der Schüler” (s. dazu den Beitrag von Holtappels in diesem Band) und schließlich die Untersuchung von Mollenhauer u.a. zum Thema „Deutungsmuster und Definitionen problematischer Lebenssituationen von Jugendlichen“ (vgl. dazu den Aufsatz von M. Kieper 1984).Nicht einbezogen in die Analyse wurden Projekte, die schon vor Beginn des Schwerpunktprogramms gestartet waren und dann dem SP zugeschlagen wurden, ferner solche, die erst gegen Ende des Schwerpunktprogramms begannen und deshalb noch keine verwertbaren Ergebnisse vorgelegt haben; um das thematische Spektrum anzudeuten, das sich im Programm am Schluß fand, seien zumindest die Themen dieser Projekte genannt: es handelt sich um ein Projekt zum Thema „Politische Sozialisation von Jugendlichen aus Arbeiterfamilien im Zusammenhang mit der Bedrohung durch Arbeitslosigkeit und neofaschistische Orientierungsmuster” (Heitmayer, Bielefeld) und „zur Bedeutung von kriegs-und gewaltthematisierenden Telespielen im Alltagsleben von Kindern und Jugendlichen“ (Liebe]/Siebel, TU Berlin). Schließlich wurde ein Projekt, das „Selbstzeugnisse Jugendlicher als Quelle empirischer Jugendforschung” untersucht (Zinnecker, Marburg) hier nicht in die nähere Betrachtung einbezogen, weil es sich hier um ein Vorhaben aus einem Projektzusammenhang handelt, der in den Kontext der Jugenduntersuchungen des Jugendwerks der Deutschen Shell gehört. Nicht einbezogen wurde auch ein Projekt, das in Form einer Sekundäranalyse versucht, den Wandel in den Einstellungen der Jugendlichen gegenüber der Institution Berufsberatung nachzuzeichnen (Heinz, Bremen).Schließlich und vor allem: für eine wirklich fundierte Gesamtevaluation des Schwerpunktprogramms wären selbstverständlich ganz andere Vorarbeiten notwendig, als sie hier geleistet werden konnten; weder war eine ins Einzelne gehende Bewertung einzelner Projekte möglich, — dies verbot sich schon aus Gründen des Umfangs — noch auch die Analyse der vielfältigen Aktivitäten und Außenaktivitäten, die von einzelnen Projekten geleistet wurden. Was hier vorgelegt wurde, ist eher die Formulierung von Eindrücken, die sich auf der Basis einer einigermaßen informierten Einschätzung des Forschungsfeldes und dessen, was sich dort in den letzten Jahren getan hat, aufdrängen.Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. dazu den Hinweis von H. Becker in diesem Band (S. 259), demzufolge die Vorgaben der Programmausschreibung „unklar und widersprüchlich“ gewesen seien; unabhängig davon, ob dies „objektiv” zutrifft, muß konzidiert und berücksichtigt werden, daß dies offensichtlich so wahrgenommen wurde; es wäre auch aus diesem Grund fragwürdig, den Ausschreibungstext zum ausschließlichen Bezugspunkt einer bilanzierenden Kritik zu machen.Google Scholar
  5. 5.
    Eine Anmerkung an dieser Stelle in gleichsam persönlicher Sache: Ich betrachte die nachfolgende Darstellung in vielerlei Hinsichtals eine Fort-und Weiterführung von Analysen und Veröffentlichungen zur Pro-blematik der gesellschaftlichen Funktion der Jugendforschung, wie ich sie in mehreren Veröffentlichungen vor allem 1982b, 1982c vorgelegt habe. Im Rückblick wird mir selbst immer deutlicher, in welch starkem Maße die damaligen Analysen, vor allem zum Verhältnis von Jugendforschung und Jugendpolitik an die Situation am Ende einer gesellschaftlichen Reformepoche gebunden waren. Insofern halte ich das Ergebnis auch nach wie vor für zutreffend; aber zugleich wird immer deutlicher, wie eine stark veränderte politische Situation auch zu einer gänzlich veränderten Problemkonstellation in dem genannten Verhältnis geführt hat; diese Veränderung möchte ich zumindest in den Schlußbemerkungen dieses Beitrags skizzieren.Google Scholar
  6. 6.
    Zum äußeren Ablauf und einigen Problemen aus der Sicht eines Projekts vgl. den Beitrag von H. Becker in diesem Band.Google Scholar
  7. 7.
    Ergebnisse dieses Forschungsprogramms sind veröffentlicht in Z. f. Päd., Heft 3/82 und Heft 4/82.Google Scholar
  8. 8.
    In diesem Zusammenhang muß allerdings darauf hingewiesen werden, daß die einzelnen Projekte in dieser Frage unterschiedliche Positionen einnehmen: In dem Abschlußbericht des Projekts „Sozialisation und Umwelt“ (Hübner u.a. 1983, 48) wird lapidar festgestellt, daß das Interesse des Forschers am Jugendlichen ein wissenschaftliches sei — und sonst keines; die im Text angesprochenen Probleme betreffen vor allem die Projekte in Essen und Hamburg.Google Scholar
  9. 9.
    An dieser Stelle sollte vermerkt werden, daß sich das Bild, das der Kritik des Schwerpunktprogramms durch Lüders zugrunde liegt, sicherlich modifizieren würde, wenn erstens einige der dort ausgeklammerten Projekte einbezogen und zweitens neuere Ergebnisberichte und weitergeführte Reflexionen der Projekte mit ins Kalkül gezogen würden.So zeigen die Projekte von Mollenhauer (s. Kieper/ Lübbers 1982) und von Brusten (s. Holstappels 1986) wiederum andere Formen des Umgangs mit den Vorgaben des Ausschreibungstextes — vor allem auch hinsichtlich der methodisch-verfahrensmäßigen Seiten.Daß die nach Abschluß der konkreten Projektarbeit entstandenen Publikationen einen wesentlichen Schritt in der Weiterverarbeitung und Weiterführung der im Projekt aufgetretenen Probleme und eine wesentliche Klärung der Grundfragen bringen können, zeigt sich beispielsweise an dem Beitrag von Wegner in diesem Band: hier handelt es sich um eine entscheidende Weiterführung der Projektergebnisse, die weit über den Stand des Projektberichts (1983) hinausführt: Im Mittelpunkt steht (s. S. 95) die Frage nach dem „Wissenstypus“ und den „praktisch-pädagogischen Folgerungen”, die sich aus der Projektarbeit ergeben haben. In diesem Zusammenhang scheinen mir von besonderer Wichtigkeit die Überlegungen und Erörterungen zur Frage des pädagogischen Feldforschers, darüber hinaus die Frage nach der Art des Wissens, das in einem solchen Kontext erzeugt werden kann mit der provozierenden These, daß es weniger darum geht, fixierte Ergebnisse zu erhalten, sondern daß Ergebnisse eher aus dem Prozeß zu destillieren seien, der zu diesen Ergebnissen geführt hat; schließlich wird in diesem Beitrag die wichtige Frage nach einer — nach Auffassung des Autors bisher nicht vorhandenen — praktisch-pädagogischen Jugend Theorie und die Frage nach den Möglichkeiten der Einordnung der Projekt-Ergebnisse in eine solche aufgeworfen.Google Scholar
  10. 10.
    Damit betone ich den jugendtheoretischen Aspekt; ich klammere aus eine an sich durchaus denkbare Orientierung an einer allgemeinen Typologie der Jugendforschung, die auch auf die verwendeten Ansätze und Verfahren abhebt; hier wäre dann z.B. von Umfrageforschung, Längsschnittuntersuchungen, Jugendkulturforschung, Wiederholungsuntersuchungen, usw. zu sprechen; dies alles sind in gewisser Weise „Alternativen“ zu der hier besprochenen „pädagogischen Jugendforschung”, wie sie sich auf der Grundlage der DFGAusschreibung entwickelt hat — was natürlich noch nichts darüber aussagt, ob und in welcher Form in diesen anderen Forschungstypen pädagogisch relevante Aspekte und Ergebnisse enthalten sein können.Google Scholar
  11. 11.
    Vgl. dazu auch die in Heft 2/1984 der „Zeitschrift für Sozialisationsforschung und Erziehungssoziologie“ publizierten Berichte über eine Reihe von Längsschnittuntersuchungen in der Sozialisationsforschung.Google Scholar
  12. 12.
    Wichtig und aufschlußreich in diesem Zusammenhang die Analysen von M. Kohli 1985 zur „Institutionalisierung des Lebenslaufs“.Google Scholar
  13. 13.
    Auch diese Aussage beruht auf Eindrücken, die aus der Kenntnis der Projektveröffentlichungen und der Projektabschlußberichte gewonnen wurden; auch hier wären natürlich genauere Analysen wünschenswert, die im einzelnen den Beitrag der verschiedenen Projekte zu solchen Diskussionen untersuchen müßten. Außerdem gilt das im Text Gesagte für einzelne Projekte in unterschiedlichem Ausmaß; es gibt Projekte, die hinsichtlich dieses Punktes eine große Aktivität entfalteten; bei anderen sind entsprechende Aktivitäten weniger bekannt geworden. In dieser Tatsache drückt sich sicher auch das jeweilige Verständnis dessen aus, was die einzelnen Projekte unter „Öffentlichkeitsarbeit“ verstehen.Google Scholar
  14. 14.
    Vgl. dazu die entsprechende Feststellung in: Senatskommission 1982.Google Scholar
  15. 15.
    Informativ dazu der in Buchform vorliegende Bericht über die deutsch-englische Konferenz zu Jugendfragen, die von der Evangelischen Akademie Nordelbien, Bad Segeberg, im November 1984, veranstaltet wurde; vgl. Lindner/Wiebe 1986.Google Scholar
  16. 16.
    Vgl. dazu als Beispiel und stellvertretend für andere Veröffentlichungen die große öffentliche Resonanz, die die Ergebnisse der Wiederholungsuntersuchung von Allerbeck/Hoag 1985 vor allem in der konservativen Presse gefunden haben.Google Scholar

Copyright information

© Leske Verlag + Budrich GmbH, Opladen 1989

Authors and Affiliations

  • Walter Hornstein

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