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Konventionelle und reflexive Steuerung der eigenen Lebensgeschichte

  • Hans-Joachim Giegel
Chapter
Part of the Biographie und Gesellschaft book series (BUG, volume 4)

Zusammenfassung

Für den Aufbau einer Lebensgeschichte sind Bildungsprozesse konstitutiv. Sie sind in der Regel nicht intentional gesteuert: Entwicklungsprozesse wie der Aufbau kognitiver Strukturen, die Differenzierung von Bedürfnissen, der Zuwachs an praktischen Kompetenzen oder die Formierung von biographischen Orientierungen vollziehen sich meist, ohne daß sie als solche zu Bewußtsein kommen würden. Unter bestimmten Bedingungen nimmt der Bildungsprozeß aber eine reflexive Form an. Das Individuum erfährt sich als unfertig, mangelhaft oder problematisch und weiß, daß es zur Korrektur seiner Mängel Bildungsprozesse durchlaufen muß. Das ist bei allen institutionalisierten Bildungsprozessen der Fall: Hier gibt es eine allgemein geltende Vorstellung vom unfertigen Zustand des Individuums, der durch Bildungsprozesse überwunden werden muß. Zu reflexiven Bildungsprozessen kann es aber auch kommen, wenn ein Individuum seine biographische Entwicklung als schwierig oder sogar ausweglos erfährt und es dies auf Defizite seiner Person zurückführt. Hier ist eine Veränderung der eigenen Person gefordert, das Individuum muß praktische Schritte unternehmen, um diese Veränderung herbeizuführen. Durch Reflexion auf die eigene Bildungsgeschichte wird diese durch das Subjekt selber bewußt gesteuert. Um solche Prozesse der Selbststeuerung geht es im folgenden.

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Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1988

Authors and Affiliations

  • Hans-Joachim Giegel

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