Advertisement

Wenn Übersetzen statt hat

Die Philosophie in ihrer Nationalsprache
  • Jacques Derrida

Zusammenfassung

Das ist, Sie wissen es, der vorletzte Absatz des Discours de la Méthode. Er ist französisch geschrieben; das versteht sich von selbst, ist aber nicht unproblematisch. Denn sein Präsens („ich schreibe französisch“) ist gleichzeitig feststellend (Sie sehen, was ich tue, ich beschreibe es) und performativ (ich tue, was ich sage, die feststellende Beschreibung ist selbst französisch geschrieben, ich habe mich darauf eingelassen, ich verspreche es gerade jetzt und gleichzeitig halte ich mein Versprechen). Diese Gleichzeitigkeit, diese Dichte der Gegenwarten kündigt Probleme der Übersetzung an, denen wir unzweifelhaft bald begegnen werden. Eigentlich stellen sie sich mir schon in dem Moment, in dem ich dieses Seminar in meiner Sprache, dem Französischen, vorbereite, während ich weiß, daß ich es nach der Übersetzung auf Englisch werde halten müssen. Aber diesen Problemen begegnet man nicht wie Zufällen oder äußeren Beschränkungen; sie enthüllen die Struktur und die Implikationen eines Ereignisses wie desjenigen, das uns gegenwärtig beschäftigt. Was geht vor, wenn Descartes schreibt, um sich zu rechtfertigen, um bei bestimmten Adressaten, die zugleich Richter sind, für seine Sache zu plädieren: „Wenn ich ferner französisch schreibe, die Sprache meines Landes, und nicht lateinisch, die Sprache meiner Lehrer, so deshalb...usw.“?

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Anmerkungen

  1. 2.
    René Descartes, Discours de la Méthode. Von der Methode des richtigen Vernunftgebrauchs und der wissenschaftlichen Forschung, übers. u. hrsg. v. Luder Gäbe, Hamburg (Meiner) 1960, S. 127.Google Scholar
  2. 3.
    Ferdinand de Saussure, Cours de linguistique générale. Hgg. Ch. Bailly u. A. Sèchehaye, Paris 1916, Kap. Ill.Google Scholar
  3. 4.
    Vgl. John Austin, How to Do Things with Words, Cambridge/Mass. 1962; dt. als: John Langshaw Austin, Zur Theorie der Sprechakte. (How to do things with Words). Deutsche Bearbeitung von Eike von Savigny, Stuttgart 21979.Google Scholar
  4. 5.
    Ferdinand Brunot, L’histoire de la langue française, des origines à 1900,Paris 1905.Google Scholar
  5. 6.
    Moral Samuel R. Cohen, Histoire d’une langue, le Français, des lointaines origines à nos jours, Paris 1947.Google Scholar
  6. 7.
    Renée Balibar/Dominique Laporte, Le français national. Politique et pratiques de la langue nationale sous la Révolution française. (Collection Analyse: Série Langue et littérature), Paris 1974.Google Scholar
  7. 8.
    Renée Balibar, Les Français fictifs. Le rapport des styles littéraires au français national. (Collection Analyse: Série Langue et littérature ), Paris 1974.Google Scholar
  8. 9.
    Langue, Discours, Société. Pour Emile Benveniste. Sous la direction de Julia Kristeva, Jean Claude Milner et Nicolas Ruwet, Paris 1975.Google Scholar
  9. 10.
    Vgl. Jacques Derrida, La langue et le discours de la méthode, in: Recherches sur la philosophie et le langage. Conférences de Daniel Bougnouse, Jacques Derrida etc. (Cahier du Groupe de recherches sur la philosophie et le langage, 3), Grenoble/Paris 1983, S. 35–51.Google Scholar
  10. 11.
    Vgl. ders., Grammatologie, übers. v. Hans-Jörg Rheinberger u. Hanns Zischler, Frankfurt/M. 1983 und ders., Die Schrift und die Differenz, übers. v. Rodolphe Gasché, Frankfurt/M. 1976.Google Scholar
  11. 12.
    Vgl. ders., Tympan, in: Marges de la philosophie, Paris (Minuit) 1972.Google Scholar
  12. 13.
    Michel de Montaigne, Essais. Ausw. u. Übers. v. Herbert Lüthy, Zürich (Manesse) 61985, Erstes Buch, Kap. LVI (“Über das Beten”), S. 306/307.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1990

Authors and Affiliations

  • Jacques Derrida

There are no affiliations available

Personalised recommendations