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Die friedliche und die stille Revolution

Die Entwicklung gesellschaftspolitischer Wertorientierungen in Deutschland seit dem Beitritt der fünf neuen Länder
Chapter
Part of the Beiträge zu den Berichten der Kommission für die Erforschung des sozialen und politischen Wandels in den neuen Bundesländern e.V. (KSPW) book series (BBSPW, volume 3.3)

Zusammenfassung

Folgt — so könnte man fragen — in den neuen Bundesländern gegenwärtig auf die friedliche Revolution vom Herbst 1989 die stille Revolution des Wertewandels? So pointiert diese Vermutung auch formuliert sein mag, so unbewiesen ist die Prämisse, von der sie ausgeht: Daß nämlich in der ehemaligen DDR kein Wandel gesellschaftlicher Wertorientierungen stattgefunden habe und von daher nach der Vereinigung ein Prozeß der nachholenden Modernisierung althergebrachter Wertvorstellungen zu erwarten sei. Was aber, wenn es bereits unter dem SED-Regime Wertverschiebungen gab? Dann wäre zu fragen, ob der Wertewandel in der ehemaligen DDR die gleiche Richtung genommen hat wie in Westdeutschland oder ob er — etwa wegen der ideologischen Indoktrination der Bürger — einem anderen, genuin sozialistischen Wandlungspfad gefolgt ist (vgl. Klages/Gensicke 1992).

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Literatur

  1. 1.
    In unserer eigenen Analyse werden entsprechend der Themenstellung ausschließlich Wertorientierungen, die die Gesellschaft zum Objekt haben, berücksichtigt.Google Scholar
  2. 2.
    Zunächst liegt es nahe, dabei an den Inglehart-Index zu denken, der im Rahmen der Eurobarometer-Umfragen seit 1990 halbjährlich in der ehemaligen DDR erhoben wird. Doch obgleich Bauer-Kaase zeigen konnte, daß der Inglehart-Index auch im ostdeutschen Kontext substantielle Ergebnisse liefert (Bauer-Kaase 1994a: 276ff), haben wir diese Option aufgrund der umfangreichen theoretischen und methodologischen Kritik, die am Inglehart-Index geübt werden kann, nicht gewählt (Bürklin/ Klein/Ruß 1994; Klein 1995).Google Scholar
  3. 3.
    Weitere Mängel des IPOS-Datensatzes, die wir in Ermangelung eines geeigneteren Instruments in Kauf nehmen müssen, sind die folgenden: Zumindest bei zwei der neun Items erscheint es uns fraglich, ob sie wirklich gesellschaftliche Werte messen: Item 9 legt mit dem kausalen Nebensatz („...weil er [der technische Fortschritt] große Gefahren für die Zukunft in sich birgt/... weil er die Zukunft sichert“) den Befragten eine Bewertung des technischen Fortschritts nahe, obwohl die Frage auf ein gesellschaftliches Konzept (technisierte vs. technikfeindliche Gesellschaft abzielt). Die Beantwortung von Item 4 hingegen („eine Gesellschaft, die Wirtschaftswachstum fördert/begrenzt“) dürfte stark von der besonderen wirtschaftlichen Situation nach der Vereinigung beeinflußt und deshalb als Indikator für eine langfristige und situa-tionsübergreifende Orientierung nur bedingt geeignet sein.Google Scholar
  4. 4.
    Selbstverständlich sind wir uns darüber im klaren, daß es nicht möglich ist, von einer auf der Aggregatebene beobachteten Stabilität auf eine Konstanz der Werthaltungen auch auf der individuellen Ebene zu schließen. Umgekehrt hätten allerdings größere Schwankungen der gemessenen Werte die Validität des verwendeten Instruments in Frage gestellt.Google Scholar
  5. 5.
    Die drei Items wurden zuvor auf ihre Eindimensionalität hin geprüft, indem für jeden der zehn Teildatensätze eine Hauptkomponentenanalyse über die drei Items gerechnet wurde. Dabei ergab sich in allen Fällen jeweils nur ein Faktor mit einem Eigenwert >1. Durch diesen werden zwischen 47,5% (1990 Ost) und 58,3% (1990 West) der Gesamtvarianz erklärt (für den gesamten kumulierten Datensatz: 54,9%). Die Items 1 und 3 wurden bei der anschließenden Skalenbildung umgepolt, damit hohe Skalenwerte auch eine hohe Akzeptanz marktwirtschaftlicher Prinzipien anzeigen.Google Scholar
  6. 6.
    Definiert als Dummy-Variable: West (0) vs. Ost (1).Google Scholar
  7. 7.
    Definiert als Dummy-Variable: Mann (0) vs. Frau (1).Google Scholar
  8. 8.
    Definiert als Dummy-Variable: nicht erwerbstätig (0) vs. erwerbstätig (1).Google Scholar
  9. 9.
    Wegen diverser Unzulänglichkeiten bei der Codierung der Datensätze ist es leider nicht möglich, zwischen diesen Gruppen zu differenzieren.Google Scholar
  10. 10.
    Definiert als Dummy-Variable: niedrige und mittlere Bildungsabschlüsse (0) vs. Abitur und höhere Bildungsabschlüsse (1).Google Scholar
  11. 11.
    Da es sich bei diesen Variablen um kategoriale handelt, wurden diese jeweils als Dummy-Variablen definiert.Google Scholar
  12. 12.
    Mit der Spezifikation dieser Interaktionen sollte der Tatsache Rechnung getragen werden, daß Angehörige der gleichen Geburtskohorten je nachdem, ob sie im Osten oder im Westen sozialisiert wurden, unterschiedlichen politischen Generationen zuzurechnen sein könnten.Google Scholar
  13. 13.
    Vgl. in diesem Zusammenhang die Untersuchungen von Falter/Klein 1994 zum Zusammenhang zwischen hoher formaler Bildung und der Wahl der PDS.Google Scholar
  14. 14.
    Für die anderen Werte (gemessen durch die Items 4 bis 9) läßt sich im übrigen keinerlei Interaktion zwischen Regionszugehörigkeit und formaler Bildung nachweisen. Die Hypothese einer spezifisch ostdeutschen Sozialisierung durch die Institutionen der höheren Bildung wird also zumindest von den IPOS-Daten nicht gestützt. Dieser Befund verdient eine weitergehende Untersuchung (etwa durch Berücksichtigung weiterer Einstellungsdimensionen und eine Replikation auf der Grundlage weiterer Datensätze), die jedoch an dieser Stelle nicht geleistet werden kann.Google Scholar
  15. 15.
    Naheliegend wäre es, diesen Befund darauf zurückzuführen, daß der reale Sozialismus im Kern eine materialistische, innerweltliche Erlösungslehre war, für die die Entwicklung der materiellen Produktivkräfte, d.h. insbesondere der industriellen Produktion, von zentraler Bedeutung war.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1997

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