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Überlegungen zur Prävention und Intervention bei kompensatorischem Konsum und Kaufsucht von Jugendlichen im Rahmen der Jugendhilfe

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Zusammenfassung

Wieso stellen kompensatorischer Konsum und Kaufsucht ein soziales Problem dar, auf das die Jugendhilfepolitik, speziell im Rahmen der Offenen und Verbandlichen Kinder- und Jugendarbeit, aber auch in der Heimerziehung reagieren soll oder muß? Ein soziales Problem entsteht immer dann, wenn bestimmte Personen, i.d.R. professionelle Akteure staatlicher oder halbstaatlicher Institutionen der Meinung sind, daß beobachtbare Ist-Zustände — hier der beobachtbare Umfang von ca. 6% kaufsüchtigen und weiteren ca. 15% kompensatorisch kaufenden Jugendlichen — nicht mehr mit wünschenswerten Soll-Zuständen oder Wertorientierungen übereinstimmen. Soziale Probleme sind also definierte Probleme, die bestimmte Soll-Vorstellungen voraussetzen. Wenn aber sozialpädagogische Interventions- und Präventionsmaßnahmen darauf gerichtet sind, bestimmte Sollvorstellungen (wieder-)herzustellen, dann bleibt zunächst einmal die Frage, wie diese denn aussehen. In unserem konkreten Fall ist zu fragen, warum denn die Überwindung von individueller Selbstwertschwäche, der Aufbau von Selbständigkeit, Individualität und Identität der Jugendlichen, der Aufbau von Handlungskompetenzen wie Entscheidungsfreudigkeit, Kommunikations- und Kontaktfreudigkeit, Konfliktfähigkeit, aber auch die Fähigkeit zu Genuß und intensivem Erleben ohne Suchtmittel (vgl. Becker 1995, 42) wünschenswert sind? Die Antwort auf diese Frage kann nur heißen: Hier und heute, d.h. unter den Bedingungen einer Demokratie, einer sozialen Marktwirtschaft, einer bürgerlichen Gesellschaft mit einer pluralistischen Kultur am Ausgang des 20.Jahrhunderts werden diese Eigenschaften, diese Fähigkeiten und Fertigkeiten von den Jugendlichen verlangt, um als Erwachsene ihre Rollen im Bereich der Politik, der Wirtschaft, der gesellschaftlichen Gemeinschaft und der Kultur erfüllen zu können. Denn nur unter diesen Bedingungen werden diese Eigenschaften verlangt. Unter den Bedingungen einer Diktatur oder einer zentral verwalteten Wirtschaft werden dagegen z.B. ganz andere Eigenschaften verlangt, wie Anpassung und Unterordnung, Unterdrückung der eigenen Gefühle und Interessen.

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© Leske + Budrich, Opladen 1997

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