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Die Agenda wohlfahrtspolitischen Umbaus

  • Ulrich Otto
Part of the Perspektiven der Sozialpolitik book series (PSOZPOL)

Zusammenfassung

Der normative Begriff des “Enabling state” steht für einen mehr oder weniger umfassenden ideologischen Bezugsrahmen, der sich von liberalistischen Positionen eines Nachtwächterstaates ebenso unterscheidet wie von Konzepten der “Verstaatlichung” weitreichender Risikovorsorge und Versorgung, politisch möglicherweise aber umso besser legitimieren läßt: Die Parole lautet “enabling not providing” (vgl. Ridley 1988), staatliche Politik soll sich im wesentlichen nicht selbst um die Erstellung des konkreten Bedarfsausgleichs — etwa im Feld Pflege — kümmern, sondern vielmehr Rahmenbedingungen, Anreize und Wettbewerb schaffen, die die Pflegeversorgung durch den Markt, individuelle Vorsorge und die Gemeinschaft fördern.

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Literatur

  1. 76.
    Inhaltliche Akzentsetzungen werden teilweise noch deutlicher in vorhergehenden Berichten. Vgl. dazu genauer Walker (1989); Wistow u.a. (1992); Olk (1991).Google Scholar
  2. 77.
    Das hier aufscheinende Postulat wird als wichtiger Aspekt eines Normalisierungskonzepts später nochmals zu vertiefen sein.Google Scholar
  3. 78.
    Daß die lokale Umsetzung der entscheidende Faktor in vieler Hinsicht — vom Tempo Über Ausmaß und Tiefe bis zur Betroffenenbeteiligung — ist und über Qualitäten letztlich hier entschieden wird, zeigen Wistow u.a. (1992) am Beispiel von 24 untersuchten “local authority social service departments”.Google Scholar
  4. 79.
    Da im folgenden im wesentlichen weiterhin die Dienstleistungen im Zentrum stehen, sei hier auf eine Kritik entsprechender Bestrebungen im Bereich der monetären Sicherungssysteme nur verwiesen. Vgl. z.B. Dieck/Naegele (1990).Google Scholar
  5. 80.
    Le Grand (1993: 225) weist indes mit Literaturangaben darauf hin, daß dieses erneute Interesse an Märkten weder Überraschend noch allzu neu ist. Insbesondere bezüglich der Gesundheitsversorgung reicht die Debatte über den “Public Private Mix” weiter zurück.Google Scholar
  6. 81.
    Eine die wichtigsten Argumente zusammenfassende Darstellung zugunsten eines “mix of private and public sector involvement in the provision and delivery of social services” bietet Culpitt (1992: 136ff.).Google Scholar
  7. 82.
    Däubler unterscheidet fünf weitere auch auf soziale Dienstleistungen anwendbare Privatisierungsarten, die zwar rechtsförmig von der (Gewinn-) Privatisierung streng zu unterscheiden sind, unter dem Gesichtspunkt des Effekts und der Flnalität aber als “ein Mittel der ‘Ökonomisierung der Staatstätigkeit’H (Däubler 1980: 34f.) gewertet werden: die formelle Privatisierung, die vorliegt, wenn die öffentliche Hand Aufgaben z.B. auf eine Eigengesellschaft überträgt, die unter ihrem maßgeblichen Einfluß steht; die Übernahme marktwirtschaftlicher Prinzipien in den Staatsapparat, die gegeben ist, wenn innerhalb des öffentlichen Dienstes eine Rationalisierung der Arbeitsbedingungen nach privatunternehmerischen Grundsätzen stattfindet; die Ersetzung staatlicher Instanzen durch private Einrichtungen (z.B. die ‘autonome’ Entwicklung von Schiedsgerichten); die gesetzliche Inpflichtnahme des Bürgers, wenn diesem z.B. auf gesetzlichem Wege auferlegt wird, für saubere und schneefreie Gehwege zu sorgen; die Partizipation betroffener Bürger an Verwaltungsentscheidungen (vgl. Däubler 1980: 27ff.).Google Scholar
  8. 83.
    Natürlich hängt die tatsächliche Einlösung des Gleichheitspostulats von einer Reihe wichtiger anderer Faktoren wie etwa regionalen Versorgungsdisparitäten ab, darauf ist hier aber nicht näher einzugehen.Google Scholar
  9. 84.
    Es existieren eine Reihe von Befunden, die bezüglich der Konsumentinnen von Gesundheitsleistungen auch den umgekehrten Befund stützen: vielfach werden Leistungen nicht oder — im Sinne der Unterstellung des nutzenmaximierenden homo oeconomicus — nur suboptimal ausgenutzt, vgl. Mayer u.a. (1992: 735).Google Scholar
  10. 85.
    Le Grand (1993) untersucht die entsprechenden Reformen im Bereich des National Health Service und weist nach, zu welch geringem Grade die fundamentalen Bedingungen ftir eine Quasi-Markt-Effizienz erfüllt sind.Google Scholar
  11. 86.
    Die Möglichkeiten, innerhalb der Wohlfahrtsverhände durch Sozialmanagement und Vernetzung Effizienzsteigerungen zu erreichen, scheinen allerdings begrenzt. Vgl. zu dieser “Ökonomie der Ineffräenz” Seibel (1992: 15ff).Google Scholar
  12. 87.
    Die Regelungen seien am GRG verdeutlicht, die Pflegeversicherung verfolgt im wesentlichen eine ähnliche Logik. Seit Anfang 1989 können Leistungen bei Urlaub oder Verhinderung der Pflegeperson fiir längstens vier Wochen pro Kalenderjahr und maximal in Höhe von DM 1800.- gewährt werden, sofern die Pflege mindestens zwölf Monate geleistet worden ist. Seit 1991 wird eine häusliche Pflegehilfe (Grundpflege und Haushaltshilfe) von maximal 25 Einsätzen pro Monat zu je einer Stunde und bei Aufwendungen der Krankenkassen von maximal DM 750.- pro Monat gewährt. Alternativ werden Geldleistungen von maximal DM 400.- gezahlt, sofern Sehwerpflegebedtirftige die Pflege durch eine Pflegeperson in geeigneter Weise und im benötigten Umfange selbst sicherstellen können. Zu den Regelungen und ihrer Kritik vgl. detailliert Kettler (1992).Google Scholar
  13. 88.
    Dies wird inzwischen auch von anderen Initiativen im Wohlfahrtssektor und im Bereich freiwilligen sozialen Engagements versucht, vgl. als Beispiel die “fundraisingH-Aktivitäten des Treffpunkt Hilfsbereitschaft (vgl. Müller-Kohlenberg/Kardorff/Kraimer 1993: 170f.).Google Scholar
  14. 89.
    Die diesbezügliche sozialwissenschaftliche Diskussion wird insbesondere unter dem Stichwort des “third sector” (vgl. Anheier/Seibel 1992; van Til 1988) bzw. des “intermediären Bereichs” (Evers 1990) geführt. Gefahren und Chancen fiir den freige-meinnützigen Sektor werden diskutiert bei Culpitt (1992: 115ff.). Die systematische Rezeption dieser Ansätze in Deutschland hinkt der internationalen Diskussion wiederum um einige Zeit hinterher, was auch durch die Sonderstellung der verbandlichen Wohlfahrtspflege und die diesbezüglich unbefriedigende Forschungslage erklärlich ist — mithin aber eben auch die historische Partialeinlösung dieses Postulats widerspiegelt. Zur Zuständigkeitsabgrenzung zwischen öffentlichen und freien Trägern nach dem Prinzip der “institutionalisierten Subsidiarität” vgl. Heinze/Olk (1981); Schulte (1990).Google Scholar
  15. 90.
    Vgl. die instruktive defmitorische Abgrenzung zwischen “Personal Services”, “Caregiving-work”, “Caring based on balanced reciprocity” und “Spontaneous care” — nicht nur bezogen auf ältere Menschen — entlang der Kriterien von Status, Abhängigkeit und Reziprozität bei Waerness (1984: 69ff.).Google Scholar
  16. 91.
    Der Anteil der häuslich Versorgten an der Gesamtzahl der Pflegebedürftigen wurde insbesondere durch die Socialdata-Studie von 1978 (Brög u.a. 1980) ins öffentliche Bewußtsein gehoben. Aus der neueren Infratest-Studie, die als Nachfolgeuntersuchung, allerdings mit anderem Forschungsdesign, verstanden werden kann, und in mehrstufigem Verfahren seit 1992 veröffentlicht wird (vgl. Infratest 1992), läßt sich dieses Datum auf der Grundlage des bisher vorgelegten Materials lediglich bei Kenntnis der Zahlen stationär versorgter Personen aus den auf die Gesamtbevölkerung bezogenen Zahlen der Pflegebedürftigen ermitteln (vgl. Infratest 1992: 7ff.). In der häuslichen Versorgung stellt “die Pflege durch die Familie (...) nach wie vor das Rückgrat der Versorgung von Personen mit regelmäßigem Pflegebedarf (...) dar” (Infratest 1992: 43). Von diesen Personen verfügen 11% über eine Hauptpflegeperson, die in fast allen Fällen eine eng verwandte Person ist.Google Scholar
  17. Um den Blick nicht nur auf die Versorgung pflegebedürftiger alter Menschen zu verengen, ist etwa die große Studie von Grunow und Mitarbeiterinnen anzuführen, in der herausgearbeitet wird, daß der überwiegende Anteil anfallender gesundheitsbezogener Hilfeaktivitäten ohne professionelle Unterstützung im Alltag — also in der Regel im Familienalltag — realisiert wird. Gemäß dieser Untersuchung werden professionelle Hilfesysteme nur in 13% der krankheitsbezogenen Routineanlässe und 3% der im Untersuchungszeitraum aufgetretenen Akuterkrankungen und Befindlichkeitsstörungen zur Bewältigung herangezogen. Vgl. Grunow u.a. (1983) sowie Eng-fer/Grunow (1987). Zur Lastenübernahme durch Angehörige bei chronischer Krankheit vgl. die Beiträge in Badura (1981).Google Scholar
  18. 92.
    In Deutschland wurden auf breiter Basis empirische Daten wiederum erstmalig zugänglich in Gestalt der Socialdata-Studie (Brög u.a. 1980). Weitere Datenquellen sind der Wohlfahrtssurvey, das sozioökonomische Panel (vgl. Olk/HeinzeAVohlfahrt 1991), eine Reihe deutscher regionaler und ausländischer Studien (vgl. die Übersicht im Altenbericht 1991: 61ff.) sowie die differenzierte Auswertung von österreichischen Mikrozensus-Daten von 1987, die auf dem Konzept der “activities of daily living” beruhen, bei Kytir/Münz (1992; 1992b).Google Scholar
  19. 93.
    Die Infratest-Untersuchung weist aus, daß in den Fällen von Pflegebedürftigkeit mit Hauptpflegepersonen es zu 83% die Frauen in der Familie sind, die die pflegerischen Tätigkeiten ausführen (vgl. Infratest 1992: 43f.). An einer Regionalstudie macht Wenger (1990) allerdings erste Änderungen fest. Zur Pflegebereitschaft von Männern vgl. für die Bundesrepublik Lambrecht/Bracker (1992). Der fünfte Familienbericht geht von einer ungebrochenen Dominanz geschlechtsspezifischer Zuschreibungsprozesse aus (vgl. BMFuS 1994: 192f.). Die Infrateststudie liefert außer der Feststellung, daß “bei den Männern (...), wenn überhaupt, nur der Ehemann als Hauptpflegeperson von Bedeutung” (Infratest 1992:43) ist, leider noch keine genaueren Auswertungen. Unterschiede bestehen nicht nur in der Faktizität, sondern insbesondere auch in der Qualität, wenn Männer Pflegeauf gaben übernehmen. Sie reichen von der aufgewandten Zeit über Inhaltsschwerpunkte (z.B. eher Aufgaben der Entscheidungsfindung, des finanziellen Managements und der Herstellung von Verbindungen zu externen Ressourcen und Hilfen) bis zur Bereitschaft, individuelle Anpassungen im Erwerbsverhalten vorzunehmen. Vgl. Neal u.a. (1993).Google Scholar
  20. 94.
    Bezogen auf die Gesamtzahl der Personen mit regelmäßigem Pflegebedarf nehmen rund 33% soziale Dienste in Anspruch, bei ständigem Bedarf sind es 43%, bei täglichem Bedarf 27% und bei mehrfach wöchentlichem Bedarf 36%, was bei Infratest so kommentiert wird: “Bedenkt man, welche Belastungen mit der Pflege verbunden sind, so ist die Inanspruchnahme sicherlich nicht als optimal zu bewerten” (Infratest 1992: 49). Die Bevölkerungsstudie in Mannheim von Cooper und Sosna (1983) weist aus, daß 4,1% der — nicht nur pflegebedürftigen — über 65jährigen regelmäßig, 9,6% mindestens einmal im Laufe eines Jahres von Mitarbeiter-Innen einer Sozialstation aufgesucht wurden. Demgegenüber befinden sich die auf die ältere Bevölkerung bezogenen Konsultationsraten von Ärzten auf hohem Niveau. Vgl. die bei Hafner (1992: 171) angegebene Literatur sowie MAGFS (1983: 41); MAGFS (1986: 48).Google Scholar
  21. 95.
    Gemäß dem Sozioökonomischen Panel gibt rund ein Drittel der hier relevanten Untersuchungsgruppe an, in ihrem Haushalt wären zusätzliche Hilfen wünschenswert (24%) oder sogar unabdingbar (11%). Vgl. Thiede (1989).Google Scholar
  22. 96.
    Einen aktuellen Literaturüberblick zu Untersuchungen über erwerbstätige Pflegepersonen geben Neal u.a. (1993; bezüglich älterer Pflegebedürftiger vgl. S. 115ff.) Die Infratest-Untersuchung befragte — bezüglich des vorliegenden Textes in umgekehrter Logik — die Hauptpflegepersonen nach den Konsequenzen für eigene Erwerbstätigkeit. Die Ergebnisse geben als Querschnittsdaten indes nur eine eingeschränkte Antwort. Konzentrieren wir uns nur auf die Falle regelmäßigen Pflegebedarfes, so waren 46% der Pflegepersonen schon zu Beginn nicht erwerbstätig, 13% gaben die Erwerbstätigkeit auf, 10% schränkten sie ein und 19% behielten sie unverändert bei. Bezogen auf die gravierendste Pflegeklasse ständigen Pflegebedarfes lauten die Anteile 41%/27%/13%/7%. Der in beiden Zahlenreihen relativ gering erscheinende Aufgeberinnen- und Reduziererinnen-Anteil käme bezogen auf die Basis der Erwerbstätigen schon sehr viel klarer zum Ausdruck (Daten nach Infratest 1992: 46). Der Bericht faßt zusammen, “daß Hauptpflegepersonen, die zu Beginn ihrer Pflegetätigkeit erwerbstätig waren, allenfalls bei Pflege von Personen mit ‘leichterem’ Pflegebedarf weiterhin ihrer Erwerbstätigkeit nachgehen können. Die Gruppe derje­nigen, die trotz Pflege weiterhin erwerbstätig sind, erscheint vor dem Hintergrund des Umfangs der zu leistenden Pflegetätigkeit als besondere Problemgruppe, vor allem, wenn eine Aufgabe der beruflichen Tätigkeit aus Gründen der Existenzsicherung nicht möglich ist” (Infratest 1992:47). Mit Bezug auf die Frage nach dem Einfluß der steigenden Frauenerwerbstätigkeit ist noch aufschlußreich, daß von denjenigen Pflegepersonen, die eine Person mit regelmäßigem Pflegebedarf im Haushalt betreuen, 46% bereits zu Beginn der Pflege nicht erwerbstätig waren, im Vergleich zu 38% derjenigen, die nur einen unregelmäßigen Pflegebedarf zu befriedigen haben. Zum insgesamt vergleichbaren Erwerbsverhalten pflegender und nichtpflegender Frauen vgl. für die USA Brody u.a. (1984).Google Scholar
  23. 97.
    Diese Pflichtenübernahme kann in späteren Lebensabschnitten in Situationen kumulieren, in denen gleichzeitig multiple Pflegerollen gegenüber verschiedenen Angehörigen unterschiedlicher Generationen — und dies teilweise noch “neben” Erwerbstätigkeit — ausgefüllt werden. Vgl. Neal u.a. (1993: 140ff.)Google Scholar
  24. 98.
    Während diese Argumentation sozialstrukturelle — und damit viele Ressourcen betreffende — Veränderungsprozesse in den Vordergrund rückt, überrascht der sozialen Netzwerken gewidmete Beitrag innerhalb des 1. Altenberichts der deutschen Bundesregierung mit der vorwiegenden Stützung auf Aliensbacher Meinungsumfrageergebnisse, die dort im Sinne der Wertwandelhypothese und mithin einem Brü-chigwerden der Pflegebereitschaft interpretiert werden. “Der Wertewandel, wie er sich zwischen 1967 und 1972 in der Bundesrepublik abgezeichnet hat, hat nicht nur die Generationskluft sehr vergrößert. Er hat außerdem bestimmte Einstellungen, die notwendig sind, um das Verhältnis zwischen den alten Menschen und ihren Familien positiv zu gestalten, beeinträchtigt. Das gilt besonders in der Verstärkung hedonistischer Werte, während altruistische Werte ‘ganz für andere da zu sein, anderen zu helfen’ am Ende der Rangskala des Lebenssinns stehen” (Altenbericht 1991: 130). Die Aussagekraft dieser Ergebnisse ist angesichts der komplizierten Prozesse, die real im Prozeß der Übernahme häuslicher Pflegeaufgaben ablaufen, mit gewichtigen Einschränkungen zu relativieren. Schließlich ist unverständlich, wie auf eine geschlechtsbezogene Differenzierung verzichtet werden kann.Google Scholar
  25. 99.
    Es wird in diesem Zusammenhang häufig so getan, als ob dies eine Entweder-Oder-Entscheidung darstellen würde. Wiederum läßt sich dies am Beispiel erwerbstätiger Pflegepersonen verdeutlichen. Im Vergleich zu Nichterwerbstätigen wird zwangsläufig die für Pflege aufgewandte Zeit signifikant geringer, was bei bestimmten Pflegebedarfen zwar unversöhnlich kollidieren kann, ansonsten aber weder allgemeine Rückschlüsse über die Qualität der geleisteten Pflege, noch über die Dauerhaftigkeit und das Streßpotential der Pflegebeziehung zuläßt. Vgl. dazu Neal u.a. (1993: 30ff.; 114ff.).Google Scholar
  26. 100.
    Rosenmayr geht nicht einlinig von einem Nachlassen individueller Solidaritäten oder nur von soziodemographischen Verschiebungen aus, sondern differenziert, daß Ndie Gesamtsolidarität der Familien sich auflöst und Teilbeziehungen von einzelnen Familienmitgliedern an deren Stelle treten. Somit wird die Familie sich als ein weniger tragföhiges und belastbares Gerüst der gesellschaftlichen Infrastruktur darstellen” (Rosenmayr 1990: 179).Google Scholar
  27. 101.
    Zum Leitbild punktueller Ergänzung zur familialen Hilfe vgl. Dieck (1987), zur übergreifenden Kritik des entsprechenden Sozialstaatsverständnisses vgl. stellvertretend fiir eine breite Diskussion Ostner (1990).Google Scholar
  28. 102.
    Daß die Annahme einer Substitutionsbeziehung nicht nur politisch hochproblematisch ist, sondern auch einer systematischen Analyse nicht standhält, ist hier nur im Verweis auf Vertreter einer diesbezüglich inzwischen breiter ausgearbeiteten Debatte zu thematisieren: vgl. z.B. Olk (1985); DeFriese/Woomert (1992).Google Scholar
  29. 103.
    Wieder am Beispiel der Sonderregelung im Rahmen der Gesundheitsreformgesetzgebung: “Bereits zum Zeitpunkt des Gesetzeserlasses war klar, daß die festgelegten Kosten pro Leistung diese maximal zur Hälfte abdecken würden (...). Tritt eine umfassende familiale/informelle Pflege an die Stelle professioneller Pflege, so erhält der Pflegebedürftige DM 400.- pro Monat — ein Finanzanreiz auf unterstem Wert-Niveau flir die Familie” (Dieck 1992a: 59).Google Scholar
  30. 104.
    Hervorzuheben ist, daß die nur unbefriedigend ins Deutsche übersetzbare Frage “who cares the carers” z.B. in diesem britischen Beitrag bereits vor Jahren expüzit auch auf freiwillige Helferinnen und sonstige Nicht-Verwandte im Feld pflegenaher Hilfen bezogen wurde.Google Scholar
  31. 105.
    Hintergrund sind eindeutig falsch gesetzte Steuerungsimpulse, da entsprechende Kosten von den Kommunen Übernommen werden müßten, während für stationäre Unterbringung der Überörtliche Sozialhilfeträger zuständig ist. Die existierenden Umlageverfahren setzen keine systematischen Impulse dagegen.Google Scholar
  32. 106.
    Vgl. in Baden-Württemberg z.B. den Sozialpsychiatrischen Dienst für ältere Menschen in Nürtingen (vgl. Kreuzer/Veltin 1991), den Landesmodellversuch zur häuslichen Pflege (vgl. Brandt/Göpfert-Divivier/Schweikart 1992) usw.Google Scholar
  33. 107.
    Vgl. z.B. die Darstellung und Diskussion der ärztlichen Beratungsstelle für ältere Bürger und ihre Angehörigen bei Schultze-Jena (1986).Google Scholar
  34. 108.
    Vgl. z.B. das Fazit der jüngst veröffentlichten Untersuchung zu Modelleinrichtungen der Kurzzeitpflege: Es erwies sich “eine enge Kooperation zwischen Kurzzeitpflege, den Angehörigen der Gäste und den übrigen Einrichtungen wie Personen der örtlichen und regionalen Versorgungskette als sehr hilfreich bei der Bewältigung der gestellten Aufgaben: Kurzzeitpflege ist umso besser, je besser ihre Eingliederung in das soziale Umfeld der Gäste wie in die örtliche und regionale Versorgungskette gelingt. (...) Systematische Angehörigenarbeit ist daher ebenso wichtig wie die Einbeziehung aller örtlichen und regionalen Ressourcen in eine umfassende Koordination und Kooperation” (Heinemann-Knoch/Claussen/Korte 1992: 44f.).Google Scholar
  35. 109.
    Dabei lassen sich häufig idealtypisch die zwei Muster einer “Partnerschaftlieh-komplementären” und einer kontinuumsbezogenen Konzeptualisierung unterscheiden. Sie seien durch zwei in typischer Weise argumentierende Positionen gekennzeichnet. Erstens: ‘The social services seek to interweave their help so as to use and strengthen the help already given, make good the limitations and meet the needs. It is not a question of the social services plugging the gaps but rather of their working with society to enable society to close the gap” (Bayley 1973: 343). Zweitens: “At the informal end are personal needs involving affectual relationships, emotional interaction, intellectual stimulation, straddling informal and formal are needs for personal and physical maintenance, such as washing, toileting, moving about, eating etc. A little further on is the need for housing, the need to be productive, and ultimately the need for full security in terms of specialized medical and rehabilitative services, residential care, and for total income support” (Graycar 1983: 385).Google Scholar
  36. 110.
    Beck-Gernsheim weist darauf hin, daß bislang völlig ungeklärt ist, wie sich die heute konstatierten Konstellationen der Pluralisierung und Individualisierung im Alter gestalten. Man könne “Spekulationen anstellen: Manche Beziehungen werden dann längst der Vergangenheit angehören (aus dem Lebensabschnittsgefährten wird qua Definition kaum der Gefährte des Alters). Andere Beziehungsformen mögen sich im Alter als wenig praktisch, wenig funktionsfähig erweisen (das ‘Living apart together’ wird schwierig, sobald das Außer-Haus-Gehen mühsamer wird, der Mobilitätsradius schrumpft). Für Paare ohne Kinder wird der große Einschnitt kommen, wenn ein Partner stirbt, wenn der Überlebende (in der Regel die Oberlebende, nämlich die Frau) alleine dasteht. (...) Welche Möglichkeiten jenseits der traditionellen Familie gibt es, im Alter Unterstützung und Betreuung zu finden? Werden da, wo die alten Formen nicht mehr existieren, sich neue entwickeln?” (Beck-Gernsheim 1993: 263f.).Google Scholar
  37. 111.
    Es sind nur wenige deutschsprachige Arbeiten, die hierbei eine Ausnahme darstellen. Vgl. z.B. zu systematischen Arbeitsansätzen mit Volunteers an amerikanischen Beispielen Paulwitz (1988) und als Report über Frei willigenarbeit in England Olk (1991).Google Scholar
  38. 112.
    Olk berichtet bspw. von einem Projekt, in dem den freiwilligen Fahrerinnen bei ehrenamtlichen Fahrdiensten eine wichtige Rolle zukommt: “Das Programm selbst umfaßt eine ganze Kette von miteinander verknüpften Bausteinen, die von Lunch-Clubs über Tagespflege in nachbarschaftsnahen Clubs und einem (...) Zentrum für geistig verwirrte Alte bis hin zur vorübergehenden Heimunterbringung reichen. Damit dieses Programmpaket erfolgreich sein kann, ist eine gut funktionierende Transportinfrastruktur unerläßlich. In diesem Fall basiert sie auf dem Einsatz freiwilliger Helfer, und sogar die Einsatzpläne und die Koordination werden von einem ehrenamtlichen Helfer gemanagt. (...) Auch die Abstimmung mit den am (Gesamt-) Programm beteiligten Sozialarbeiterinnen klappt reibungslos. Die ehrenamtlichen Helferinnen fühlen sich als Teil des professionellen Systems und es macht ihnen offensichtlich Freude, eine persönliche Beziehung zu den alten Menschen aufzubauen, denen sie helfen” (Olk 1991: 71).Google Scholar
  39. 113.
    Es ist allerdings einzuschränken, daß Selbsthilfe im Zusammenhang mit der Altersproblematik in der sozialwissenschaftlichen Diskussion vergleichsweise stiefmütterlich behandelt wurde. Ober längere Zeit war man angewiesen auf zwei ältere Studien (Gronemeyer/Bahr 1979 und DZA 1982) sowie einige spärliche Aufsatz- und Buchabhandlungen (vgl. z.B. Schmelz 1991; Halves 1989; Zeman 1986 und 1988). Größeres Interesse fanden im Kontext der Aufmerksamkeit für die sogenannten “Neuen sozialen Bewegungen” Selbsthilfeinitiativen wie bspw. die Grauen Panther (vgl. etwa Dohnicht-Fluck 1984). Allgemeinere Auseinandersetzungen mit der Selbsthilfebewegung widmeten dem altersbezogenen Aspekt bestenfalls einige Randbemerkungen (vgl. als Beispiel Vilmar/Runge 1986). Jüngst wurde eine empirische Studie des Landes Nordrhein-Westfalen vorgelegt, die aktuelles empirisches Material bietet (Reggentin/Dettbarn-Reggentin 1992).Google Scholar
  40. 114.
    Auch hier ist eine solche Einschränkung analog zu machen. So wird etwa im Endbericht des Bundesprogramms zur Selbsthilfegruppenförderung in einer Fußnote angemerkt, daß “Altenselbsthilfe bisher eine quantitativ geringe Rolle spielte und viele Altengruppen eher quartiersbezogen wirkten. (...) Entwicklungen wie die Seniorengenossenschaften und die Seniorenbüros würden allerdings darauf hindeuten, “daß künftig die Altenselbsthilfe als ein eigenständiger Selbsthilfebereich zu fassen sein wird” (Braun/Opielka 1992: 52). Zur Selbsthilfeförderung vgl. den Oberblick bei Heinze/Olk/Wohlfahrt (1992: 28ff.), zur Selbsthilfeförderung durch Kontaktstellen vgl. Braun/Greiwe (1989).Google Scholar
  41. 115.
    Vgl. bspw. die durch das damalige BMJFG geförderten Modellprojekte: Büro für Stadtplanung und Sozialforschung (1979); Schmachtenberg (1980); Backes (1982); Geiger/Göpfert (1982). Bei diesen ist augenfällig, “daß mittels der Verknüpfung von kreierten Modellprojekten, die die zu untersuchenden Felder überhaupt erst bereiteten mit Begleitforschungsaufträgen, die Effizienz und prinzipielle Übertragbarkeit evaluieren sollten, der Ehrenamtsdiskurs durchgängig eine Akzentuierung auf die Entwicklung und Erprobung von Handlungsstrategien erhielt, die soziale Dienste, Bildungsinstitutionen und berufliche Mitarbeiter (Fachkräfte) anregen und berücksichtigen sollten, wenn sie sich mit Erfolgsaussicht darum bemühen wollen, Elemente der Ehrenamtlichkeit, der Nachbarschaftshilfe und auch der Selbstorganisation in ihre Arbeitszusammenhänge und Leistungsperspektiven einzubeziehen” (Schmidt 1991: 11).Google Scholar
  42. 116.
    Eine wichtige Ausnahme wird von Bock (1976) repräsentiert. Zur Interpretation dieses frühen Beitrages im Licht der bzw. Kontrast zur Strukturwandel-Argumentation, wie sie insbesondere von Olk vorgetragen wird, vgl. Schmidt (1991: 1ff.).Google Scholar
  43. 117.
    Vgl. z.B. die Dokumentation des großen 1984 abgehaltenen Berliner Kongresses “Neue Wege in der Sozial- und GesellschaftspolitikH (Fink 1985).Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1995

Authors and Affiliations

  • Ulrich Otto

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