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Presse und Journalismus in Deutschland im 19. Jahrhundert

  • Stefan Seeling
Part of the Studien zur Kommunikationswissenschaft book series (SZK)

Zusammenfassung

In den folgenden Kapiteln 4 und 5 müssen sich nunmehr die bisher geleisteten Vorarbeiten auszahlen. Die ausführliche begriffshistorische Diskussion von Interesse und die Prüfung möglicher Funktionen von Verbänden in den politikwissenschaftlichen Ansätzen des Neopluralismus und Neokorporatismus in Kapitel 1 haben zu einer funktionalen Definition organisierter Interessen und zu einem breiteren Verständnis des Problemfeldes geführt, ohne das die vorliegende Arbeit in einem wissenschaftlichen Vakuum stehen würde. Die Ausführungen zur öffentlichen Kommunikation in Kapitel 2 und die Rekonstruktion des staatlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandels in Kapitel 3 haben die theoretischen und empirischen Grundlagen geschaffen, auf denen nunmehr Journalismus und die Publizistik der Verbände (Kapitel 5) rekonstruiert und Funktionen und Leistungen diskutiert werden können.

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Literatur

  1. 102.
    Dazu schon Bücher (1917b, 461), der in bezug auf Werbung ironisch feststellt, daß nur einem “impotenten Aesthetentum” daran gelegen sein könne, daß sich “eine Wissenschaft höheren Stiles (...) mit solchen Dingen” wie der Werbung nicht beschäftige.Google Scholar
  2. 103.
    1740 betrug der Anteil theologischer Titel an allen verlegten Titeln 38,5 Prozent, bis 1800 war dieser Anteil bereits auf unter 14 Prozent gefallen (Rarisch 1977, 14).Google Scholar
  3. 104.
    Das Sinken der Buchproduktion nach Zahl der Titel zwischen 1850 und 1868 auf unter 10.000 muß im Zusammenhang mit der Steigerung der Auflagenhöhe gesehen werden (Nipperdey 1983, 588). So kann Rarisch (1977, 61) zu dem Schluß kommen, daß es sich in diesem Zeitraum keinesfalls um eine Phase der Stagnation in der Buchproduktion gehandelt habe, sondern sehr wohl noch um eine Phase des kontinuierlichen, wenn auch langsamen Wachstums.Google Scholar
  4. 105.
    Volksschriftenvereine verbreiteten möglichst billige, dabei allerdings auch möglichst gute Schriften -gut im Sinne aufklärerisch-praktisch-nützlicher oder kirchlicher Literatur. Der Zwickauer Volksschriftenverein beispielsweise hatte um die Jahrhundertmitte 310 Zweigvereine und verkaufte oder verschenkte in den ersten drei Jahren seit seiner Gründung im Jahr 1841 bereits über 112.000 Exemplare Volksschriften (Schenda 1977, 221ff.).Google Scholar
  5. 106.
    Dies gilt jedoch nicht in diesem Maße für Partei- und Verbandsblätter. Vgl. dazu Reumann (1968, 236ff.) und unten Kapitel 5.Google Scholar
  6. 107.
    Es war nicht selten, daß Zeitungen und Zeitschriften “in nur einem Exemplar von vier bis sechs Familien gelesen” wurden (Kootz 1908, 532; ebenso Thallwitz 1965, 64).Google Scholar
  7. 108.
    Die quantitativen Angaben zu Zeitungen und Zeitschriften aus der ersten Phase pressestatistischer Erhebungen im späten 19. Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhunderts gründen sich hauptsächlich auf Adreßbücher, Postzeitungslisten sowie Zeitungskataloge (Schacht 1898, 504ff.; Kootz 1908, 53lf.) und nur in wenigen Fällen auf eigenen Erhebungen (Kootz 1910). Größter Mangel der Postzeitungslisten ist die Tatsache, daß sie nur solche Zeitungen und Zeitschriften verzeichneten, die auch von der Post befördert wurden, die nur lokal verbreiteten also nicht. Darüber hinaus unterscheiden diese Listen nicht nach Zeitungen und Zeitschriften, was Zuordnungen erschwert und bei zeitgenössischen Statistikern Verwirrung hervorrufte. Dementsprechend schwanken die Angaben bei den einzelnen Autoren. Die Angaben sind daher nur als Annäherungswerte zu interpretieren, was für die vorliegende Arbeit aber ausreicht, da Tendenzen und grobe Entwicklungen durchaus deutlich zum Ausdruck kommen (vgl. zu dieser Problematik auch Gebhardt 1984, 35ff.). 109 1850, nach längerem Erscheinungsverbot, erschien “Die Presse” neu und wurde erst richtig zum Generalanzeiger. Jetzt beherrschten die Inserate sogar die erste Seite der Zeitung (Steindl 1975, 118).Google Scholar
  8. 110.
    Darauf hat schon Stollbrock hingewiesen: “ (...) der vorzüglichste Grund für die machtvolle Entfaltung der wirtschaftlichen Fachpresse (liegt) in der von der allgemeinen Entwicklung der deutschen Wirtschaft bedingten Verbesserung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage der Bevölkerung, der Konsumentenschicht. Ein großes Absatzgebiet und kaufkräftige Abnehmerkreise waren die Voraussetzungen der gesteigerten, rentablen Fachzeitschriftenproduktion” (Stollbrock 1923, 18).Google Scholar
  9. 111.
    Das Kompositum Bildungsbürgertum entstand erst in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts (Engel-hardt 1986, 189).Google Scholar
  10. 112.
    Auch die Angestelltenvereine, die insbesondere in den 1880er und 1890er Jahren entstanden sind, haben sich um die Weiterbildung ihrer Mitglieder gekümmert Sie richteten zu diesem Zweck Bibliotheken ein und organisierten Unterrichtskurse und Vorträge (Kulemann 1908a, 177–241).Google Scholar
  11. 113.
    So führt Kellen (1904, 1) aus: “Die Fortschritte der Arbeiter in intellektueller, moralischer und gesellschaftlicher Bildung einerseits und in der Arbeitstüchtigkeit und der Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse andererseits bedingen sich gegenseitig.”Google Scholar
  12. 114.
    Der Begriff Lesewut (oder auch Lesesucht) hatte im vergangenen Jahrhundert noch eine weitere Bedeutung als nur im Rahmen der Maßregelungen durch Frauen ihren Ehemännern gegenüber. Zeitgenössische Pädagogen und Theologen bezogen ihn auf das Rezipieren schlechter, falscher Literatur und meinten damit die sogenannten populären Lesestoffe (vgl. auch Schenda 1977, insbes. 50ff.). Zur guten Literatur gehörten in den Vorstellungen damaliger Pädagogen bildende, insbesondere auch theologische Werke.Google Scholar
  13. 115.
    Entgegen dem literaturwissenschaftlichen Literaturbegriff, der mehr die “schöne (...), die nicht zweckgebundene und vom Gegenstand ausgehende Mitteilung von Gedanken (...) ist, sondern aus sich heraus besteht” (Wilpert 1989, 519), liegt hier ein Literaturbegriff zugrunde, der jede Art an schriftlich Aufgezeichnetem meint und von der Weltliteratur bis zu den Kolportageromanen, Erbauungsblättchen, Kalender, Almanache und Familienzeitschriften reicht, also die sogenannten populären Lesestoffe (Schenda 1977, insbes. 325ff.) einbezieht.Google Scholar
  14. 116.
    Dabei muß allerdings quellenkritisch konstatiert werden, daß Arbeiter, die autobiographisch arbeiteten und Bibliotheken nutzten — wobei das Ausleihen von Literatur keineswegs gleichbedeutend sein muß mit dem Lesen dieser Literatur — schon zu einer Elite gehörten und daß dementsprechend die Zahlen nur Anhaltspunkte für eine gehobene Schicht unter den Arbeitern geben können.Google Scholar
  15. 117.
    Einen direkten Zusammenhang zwischen täglicher Arbeitsdauer und Lektüre legen die Ausleihzahlen in Arbeiterbibliotheken nahe. Danach stiegen in Jahren hoher Arbeitslosigkeit sowie allgemein in den Wintermonaten, wenn in vielen Branchen kurzgearbeitet wurde, die Ausleihzahlen, während in Jahren geringer Arbeitslosigkeit sowie allgemein im Sommer die Ausleihzahlen deutlich sanken (Advocatus 1895/1975, 817; Pfannkuche 1900, 33, 36,45f., 53, 69). Einige Verleger von Familienzeitschriften reagierten darauf, indem sie den Jahrgangsbeginn ihrer Zeitschriften bereits in das Vorjahr (Oktober) legten, so daß mit Beginn des leseintensiven Winters verstärkt neue Abonnenten gewonnen werden konnten (Gebhardt 1983, B46f.).Google Scholar
  16. 118.
    Darum ist auch unverständlich, wie Untersuchungen zur soziokommunikativen Situation von Arbeitern im 19. Jahrhundert die Zeitungslektüre, also die Teilnahme von Arbeitern an öffentlicher Kommunikation, weitgehend unbeachtet lassen können (z.B. Schildt 1981; Mattheier 1989).Google Scholar
  17. 119.
    Leider gibt Pfannkuche (1900,19) keine genaueren Angaben über die Zeitschriften und Fachblätter. Möglicherweise handelte es sich um Vereins- bzw. Verbandszeitschriften. Denn es ist zum Beispiel vom Alldeutschen Verband bekannt, daß er seine wöchentlich herausgegebene Verbandszeitschrift, die “Alldeutschen Blätter”, kostenlos an Bibliotheken und Lesehallen verteilte (Hartwig 1968, 6; dazu auch Kapitel 5.1.2), und beim Deutschen Ostmarkenverein sorgten die Ortsgruppen dafür, daß die Verbandszeitschrift “Die Ostmark” in Hotelhallen, Wartesälen der Bahnhöfe und “in allen deutschen öffentlichen und Vereinsbibliotheken erhältlich waren” (Galos/Gentzen/Jaköbczyk 1966,194).Google Scholar
  18. 120.
    Gebhardt (1983) erbringt in seiner Untersuchung anhand der Überprüfung der Berichte der Lesehallen und Bibliotheken sowie einer groben Zielgruppenanalyse der Anzeigen den Nachweis, daß Familienzeitschriften sich aufgrund des relativ hohen Preises zwar nur an ein finanziell kaufkräftiges Publikum wandten, aber auch von unteren gesellschaftlichen Schichten regelmäßig gelesen wurden. Die Untersuchung ist zwar auf einige Beispiele beschränkt und daher nicht repräsentativ, aber doch sehr anschaulich.Google Scholar
  19. 121.
    Nach den Ausführungen von Fricke erscheint dieses Urteil von Rieger zumindest für die Zeit zwischen 1878 und 1890 zu pauschal. Während des Sozialistengesetzes nämlich sind nach August Bebel “lokale Parteiblätter” erschienen, die zwar “von Parteigenossen redigiert und herausgegeben” wurden, aber doch “reine Privatunternehmungen (waren), in die der Kongreß nicht dreinzureden” hatte (August Bebel auf dem Wydener Kongreß von 1880; vgl. Fricke 1976, 397). Diese Zeitungen, von Wetzel (1982,137,147f.; ähnlich Koszyk 1953,41f., 50ff.) als “legale Presse” der Sozialdemokratie bezeichnet, beruhten demnach zwar auf publizistischen Leistungen von Parteimitgliedern, und insofern ist dabei nicht von autonomen journalistischen Leistungen auszugehen. Andererseits wurden sie aber auch von der Sozialdemokratie nicht als Parteizeitungen anerkannt, da nach ihrer Meinung oftmals in diesen Zeitungen “gar nichts steht, als was in jedem bürgerlichen Käseblatt zu lesen (ist)” (Friedrich Engels in einem Brief an Johann Philipp Becker; vgl. Fricke 1976, 399). Ein weiteres Argument läßt sich anbringen, die sozialdemokratische Presse bzw. die der Sozialdemokratie nahestehende Presse nicht zu pauschal als reine Parteipresse zu beurteilen: Mit der Gründung des Vereins Arbeiterpresse im Jahr 1899 schaffte sich eine Bestrebung innerhalb dieses Teils der Presse eine Interessenvertretung, die unter anderem darauf gerichtet war, “sie gegen unberechtigte Eingriffe in ihre Selbständigkeit seitens der bei den sozialdemokratischen Zeitungen bestehenden Preßkommissionen zu schützen” (Kulemann 1908b, 436f.).Google Scholar
  20. 122.
    Das “Hamburger Echo” war das Hamburger Parteiorgan der Sozialdemokratie (Fischer, H.-D. 1981, 438).Google Scholar
  21. 123.
    Danach waren die Kammern zur Herausgabe eigener Blätter zwar nicht verpflichtet, aber es oblag ihnen, “durch die öffentlichen Blätter oder in sonst geeigneter Weise den Handels- und Gewerbetreibenden ihres Bezirks fortlaufende Mitteilungen aus den Beratungsprotokollen zu machen, sowie summarisch von ihren Einnahmen und Ausgaben Kenntnis zu geben” (nach Kootz 1913a, 288). Eine Verpflichtung bestand nur in bezug auf die Veröffentlichung von Jahresberichten, auf die an dieser Stelle jedoch nicht eingegangen werden soll (vgl. vielmehr Kootz 1913a, 299ff.), da aufgrund der spezifischen Thematik und der eher wissenschaftlichen Darstellungsform als Publikum dafür vermutlich selbst nur wenige der Kammermitglieder in Frage kamen.Google Scholar
  22. 124.
    Der “Dresdner Anzeiger” kann aufgrund seiner bemerkenswerten Stellung nicht als reines Amtsblatt gelten. Zwar veröffentlichte er die städtischen Bekanntmachungen und war auch in städtischer Verwaltung, aber da der Anzeiger einem besonderen Stiftungsausschuß unterstand, war seine Redaktion von der Stadtverwaltung unabhängig (Berthold 1914, 290f.).Google Scholar
  23. 125.
    Hinsichtlich der Frauenzeitschriften urteilt Wischermann (1987, 359): “In den zahlreichen Jahrgängen der Zeitschriften finden wir alle Themen und Debatten, die Frauen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts beschäftigt haben: über das Selbstverständnis ihrer Rolle in Familie, Beruf und Gesellschaft, über ihre Ideen- und Interessenfindung und über die Forderungen, Aktivitäten und Strategien, die hieraus resultieren.”Google Scholar
  24. 126.
    Diese stenographischen Zeitschriften waren in Kurzschrift geschrieben. Sie behandelten Fragen zur Kurzschrift, aber auch allgemeininteressierende Themen wurden angesprochen, wie die Bezeichnungen “Illustrierte stenographische Gartenlaube” oder “Fliegende Blätter für Stenographen” zeigen (Schneider 1965, 587). Zwischen 1849 und 1893 stieg die Zahl der stenographischen Zeitschriften in Deutschland von 2 auf 79; bis 1893 waren insgesamt 292 stenographische Zeitschriften erschienen, von denen allerdings 111 sich nicht länger als ein Jahr hatten halten können (Schneider 1965, 594f.).Google Scholar
  25. 127.
    Schon 1923 definierte Stollbrock die Fachzeitschrift als eine “allgemein zugängliche Druckschrift, welche sich an einen individuell unbegrenzten (...) Ausschnitt der Allgemeinheit wendet” (Stollbrock 1923, 8). Es ist dies eine Definition, die an unsere Vorstellung von Öffentlichkeit und Publikum heranreicht.Google Scholar
  26. 128.
    Die Zeitungen hatten bis weit ins 19. Jahrhundert hinein zumeist einen Umfang von nur zwei oder vier Seiten. Aufgrund des geringen Umfangs und einer selteneren Erscheinungsweise wurden sie vermutlich nicht selektiv gelesen, sondern von der ersten bis zur letzten Zeile (Püschel 1991,438f.). Ein übersichtliches Layout, das schnelles Auswählen der für den Leser interessanten Themen und damit zügiges Zeitunglesen ermöglichte, war daher nicht nötig.Google Scholar
  27. 129.
    Bei der Versendung der Presseerzeugnisse war die Post maßgeblich beteiligt: rund 350 Millionen Zeitungsexemplare wurden 1875 durch die Post versandt, die Milliardengrenze wurde hier um 1894 überschritten (vgl. Flora 1975, 188).Google Scholar
  28. 130.
    So gehen auch noch Lang/Lang davon aus, daß “Technologie (...) die offensichtliche Antriebskraft hinter (...) sozialen und politischen Veränderungen” ist und die gesellschaftliche “Kommunikationsfähigkeit (...) durch eine Serie von Erfindungen stark erweitert (wurde)” (Lang/Lang 1993, 258). Ohne Zweifel spielen Technologie und Technik (als Anwendung der Technologie) bei sozialem Wandel eine bedeutende Rolle. Wie wir bereits in Kapitel 3.2 ausgeführt haben ist es jedoch empirisch nicht wahrscheinlich, daß Erfindungen allein oder auch nur in erster Linie Wandel bewirken können. Die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, politischen und publizistischen Rahmenbedingungen müssen auf einem entsprechenden Entwicklungsstand sein, damit Erfindungen fruchtbar angewendet werden können. In bezug auf Publizistik hat Kapitel 3 die notwendigen Rahmenbedingungen nachgezeichnet, wobei die technologische Entwicklung als ein Faktor erkannt wurde.Google Scholar
  29. 131.
    Die Untersuchung Stoklossas (1910a) kann aufgrund der Datenerhebung und angewandten Methoden nicht als systematische Inhaltsanalyse gelten, für die klare Kriterien gelten (dazu Friedrichs 1980, insbes. 314ff.). Uns geht es aber um einen groben Überblick über die vom Journalismus angesprochenen Themen, so daß die Untersuchung von Stoklossa hier durchaus nutzbringend eingesetzt werden kann.Google Scholar
  30. 132.
    Hinzu kommen Meldungen über Sensationen in nahezu gleichem Ausmaß wie gesellschaftliche oder wirtschaftliche Meldungen. Sie können hier außer Betracht bleiben, da sie ein besonderes menschliches Interesse widerspiegeln, weniger die Zunahme gesellschaftlicher Komplexität im Zuge gesellschaftlicher Ausdifferenzierung. Die thematische Struktur des Zeitungsinhalts verschiebt sich etwas, legt man das Kriterium “Zeilenzahl” bei der Inhaltsanalyse zugrunde (Wilke 1984, 130 [Tabelle 13]) und nicht das Kriterium “Anzahl der Meldungen” (Wilke 1984, 125 [Tabelle 12]). Da es uns aber nicht um eine genaue Analyse des Zeitungsinhalts geht, sondern in erster Linie um die grundsätzliche Frage, ob der Journalismus in unserem Zeitraum universal thematisierte, was in der Aufschlüsselung nach “Zeilenzahl” ebenfalls so ist, kann auch dieser Unterschied außer Betracht bleiben.Google Scholar
  31. 133.
    Vereinzelt — wie die “Deutsche Turnzeitung” der Deutschen Turnerschaft (vgl. Jeran 1968) — hatten diese Zeitschriften und Zeitungen auch politischen Charakter.Google Scholar
  32. 134.
    Wilke ist demnach zu widersprechen, wenn er glaubt feststellen zu können, daß der Sport als redaktionelle Sparte “sich erst im 20. Jahrhundert herausbilden sollte” (Wilke 1984,129). Es ist dies eine Fehleinschätzung, die aus einer nicht ausreichend breiten Datenbasis resultiert. Die inhaltsanalytische Untersuchung nur einer Zeitung zu einem ausgesuchten historischen Zeitpunkt (zur Anlage der Untersuchung vgl. Wilke 1984, 75ff.) läßt zwar Rückschlüsse auf das Themenrepertoire des Journalismus zu, jedoch zeigt das Beispiel, daß die Aussagen für einzelne Themen nicht verallgemeinerungsfähig sind.Google Scholar
  33. 135.
    Machtan konnte seine sozialgeschichtliche Dokumentation über Streiks und Aussperrungen zwischen 1871 und 1875 allein auf der Grundlage “der zeitgenössischen Streikberichterstattung” aufbauen (Machtan 1984,13). Darunter befand sich auch die “Leipziger Illustrierte Zeitung”, die zum Beispiel in ihren Ausgaben vom 28. März 1874 über einen Streik Berliner Metallarbeiter berichtete, am 22. April 1874 über einen Berliner Maurerstreik, am 30. Januar und 6. Februar 1875 über einen Streik von Berliner Visierbauern, am 13. März 1875 über den Streik von Maschinenbauarbeitern in Königsberg, am 24. April und am 8. Mai 1875 über einen Maurerstreik in Schleswig usw. (Machtan 1984, 396, 406, 453, 457, 466). Da Machtan auch auf die Publizistik der Gewerkschaften und Unternehmerverbände als Quellen zurückgegriffen hat, werden wir auf seine Untersuchung in Kapitel 5 zurückzukommen haben.Google Scholar
  34. 136.
    Nach Engelsing verlangte der Leser, daß “die Publizistik die nationale, die soziale und die wirtschaftliche Frage erörterte (...) Der Durchschnittsleser verlangte von der Zeitung ein Spiegelbild der Wirklichkeit (...)” (Engelsing 1966,64). In seiner Analyse kommt Engelsing im Grunde zu demselben Ergebnis wie wir, indem er vom einzelnen Leser ausgeht, dessen Wünsche er aber gar nicht kennen kann. Die feststellbare Tatsache, daß nämlich Publizistik universal thematisierte, erklärt Engelsing hier damit, daß die Zeitungsleser dies so wünschten; eine kaum haltbare Erklärung eines richtig beobachteten Phänomens.Google Scholar
  35. 137.
    So zum Beispiel die Themenkategorien bei der Inhaltsanalyse von Stoklossa (1910a, 557ff.). Zwei weitere Beispiele: 1888 brachten die “Münchner Neuesten Nachrichten” eine Wissenschaftsbeilage, sowie die regelmäßigen Rubriken Alpine Zeitung, Volkswirtschaftliche Zeitung, Schachzeitung, seit 1886 bereits die Sportzeitung und die Landwirtschaftliche Zeitung (Holz 1972). Die Wiener “Neue Freie Presse” hatte Anfang der 1870er Jahre Rubriken zu den Themen Juristisches, Schule, Gewerbe, Landwirtschaft, Börsen, Theater, Gesang, Turnen, Kunst, Natur- und Völkerkunde, Bücher (Wuttke 1875/1967).Google Scholar
  36. 138.
    Dabei sind die Korrespondenzen der politischen Parteien und der Verbände von Sperling (1914) nur vereinzelt berücksichtigt worden. Sie sind hier demnach noch hinzuzurechnen (vgl. dazu auch Kapitel 4.3.3 und 4.3.4; zu den Korrespondenzen der Sozialdemokratie vgl. Kapitel 4.2). Der Journalismus konnte 1914 zum Beispiel die “Nachrichten über die Ausbreitung des Evangeliums” des Evangelischen Pressbüros in Witten abonnieren, die “Astronomische Korrespondenz mit der Beilage Wissenschaft und Technik” in Hamburg, das Berliner “Korrespondenzblatt für öffentliche und persönliche Gesundheitspflege” (das “aktuelle Artikel über Gesundheitspflege, Lebenskunst, Heilkunst, Belehrung, Ratschläge, Beleuchtung medizinischer Streitfragen” lieferte), die Berliner “Korrespondenz ‘Frauenzeitung’” (die “alle Gebiete des Frauenlebens und der Kinderwelt parteilos und im fortschrittlichen Sinn” behandelte) (Sperling 1914, 510, 512). Nach Pape hat sich die Zahl der Korrespondenzen bis zum Jahr 1926 — ohne die Korrespondenzen der städtischen Nachrichtenstellen — auf rund 400 erhöht (Pape 1926, 101).Google Scholar
  37. 139.
    Gleiches gilt auch für Österreich. Anfang der 70er Jahre hatte die “Neue Freie Presse” in Wien, die Folgezeitung von August Zangs “Die Presse” (Wandruszka 1972, 225), 40 bis 50 Redakteure, von denen 20 für die jeweiligen Rubriken Börse, Kunst, Gewerbe etc. verantwortlich waren; daneben verfügte die Zeitung über rund 150 redaktionelle Mitarbeiter allein in Wien und über weitere 200 außerhalb Wiens, 21 Personen waren in der Verwaltung beschäftigt, mindestens 100 besorgten die Anzeigen (Wuttke 1875/1967, 202f.).Google Scholar
  38. 140.
    Dabei muß noch in Betracht gezogen werden, daß die bei Stoklossa gebildeten Kategorien die Zahl der Lokalredakteure relativ zu niedrig erscheinen läßt Stoklossa (1911, 296) unterteilte seine Ausweitung von Stellengesuchen und -angeboten nach 1. Chefredakteur/Hauptredakteur; 2. Politischer Redakteur/erster Redakteur/Handels-/Feuilleton-/Ressortredakteur; 3. Lokalredakteur; 4. Hilfsredakteur/zweiter Redakteur/Redaktionsgehilfe/Volontär. Die Kategorie Lokalredakteur ist demnach die einzige, die nur durch eine Position gebildet wird. Es ist ganz selbstverständlich, daß die 2. und 4. Kategorie durch die Zusammenfassung mehrerer Positionen jeweils rein quantitativ größer sein muß. Der quantitative Ausbau des Postens eines Lokalredakteurs war jedenfalls relativ zu anderen Redakteursposten größer, als er bei Stoklossa erscheint. Da es hier aber nicht darum geht, den Ausbau der journalistischen Rolle Lokalredakteur oder auch anderer journalistischer Rollen zu quantifizieren, muß auf dieses Mißverhältnis nicht weiter eingegangen werden. Wichtig ist uns, die Entstehung der journalistischen Berufsrolle Lokalredakteur aufzuzeigen.Google Scholar
  39. 141.
    Mit der — allerdings wenig verbreiteten — Bezeichnung “Finanz-Journalist” (Schmalenbach 19067 1907, 281) wurde schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Entwicklung von der reinen Handels-zur Wirtschaftsberichterstattung Rechnung getragen.Google Scholar
  40. 142.
    Die Parlamentsberichterstatter, die sich noch vor 1914 in mehreren Vereinen zusammenschlossen (z.B. im Verein der Parlamentsjournalisten, Berlin), wurden vom Parlament nahezu hofiert: 1908 stellte die gesamte in- und ausländische Presse die Berichterstattung aus dem Reichstag ein, nachdem der Zentrumsabgeordnete Gröber, aufgebracht durch fortwährende Störungen, die Parlamentsberichterstatter als “Saubengels” benannte; der Reichskanzler verzichtete daraufhin solange auf das Wort, “solange sich die Zeitungen weigerten, ihm Resonanz zu geben” (Rieger 1958, 82). Erst nach einer Entschuldigung Gröbers wurde weiter berichtet.Google Scholar
  41. 143.
    Das WTB hatte im Jahr 1905 rund 2.300 Abonnenten, die Mitarbeiterzahl stieg zwischen 1890 und 1914 von 127 auf etwa 700 an, und im Jahr 1914 gehörte zum WTB ein Netz von 37 Zweigstellen im gesamten Reichsgebiet (Basse 1991, 54ff., 105ff., 259f. [Anhang II]).Google Scholar
  42. 144.
    Die politischen Korrespondenzen brachten Leitartikel und Meldungen unter anderem zur Sozialpolitik, auswärtigen Politik, Polenfrage (so der “Berliner Politische Tagesdienst”, Berlin), Kolonien und Übersee (“Deutsche Auslands-Nachrichten”, Berlin), Parlamentsberichte über Reichstag und Landtag (“Deutsche Volks-Korrespondenz”, Berlin), Hof- und Gesellschaftsnachrichten, Beamten- und Militärpersonalien (“Hof- und Gesellschaftskorrespondenz mit Münchener Hofbericht”, München) (Handbuch Deutscher Zeitungen 1917, 347–351).Google Scholar
  43. 145.
    Diese Korrespondenzen informierten zum Beispiel über Landwirtschaft, Gewerbe und Industrie (mit Amtlichen Marktberichten; so die “Abu-Korrespondenz”, Berlin), Rechtspflege und Volkswirtschaft in volkstümlicher Darstellung (“Allgemeine Rechtskorrespondenz”, Stuttgart), Arbeiterfürsorge, militärische Versorgung, bürgerliches Recht (“Beiträge zur Verbreitung von Rechtskenntnissen”, Berlin), landwirtschaftliche Industrie und Kolonialwirtschaft (“Börse, Handel und Industrie”, Berlin), Verkehr, Verwaltung, Gesundheitswesen (“Correspondenz Gross-Berlin”, Berlin), Entscheidungen deutscher Gerichts- und Verwaltungsbehörden für Handel, Handwerk, Industrie, Haus- und Grundbesitz (“Gerichts- und Verwaltungs-Korrespondenz”, Berün) (Handbuch Deutscher Zeitungen 1917, 351–353).Google Scholar
  44. 146.
    Themen waren hier unter anderem “reine und angewandte Wissenschaft in volkstümlicher Darstellung” (“Allgemeine Wissenschaftliche Berichte und Neues Wissen”, Berün), Romane, Novellen, Gedichte, Gedenkartikel (“Belletristische Korrespondenz”, Dresden), Stimmungsbilder aus den Parlamenten, Theater- und Kunstreferate (“Berliner Bilderbogen”, Berlin), bildende Kunst und wissenschaftliche Forschung (“Correspondenz für Kunst und Wissenschaft”, Berlin) (Handbuch Deutscher Zeitungen 1917, 353f.). In Berlin erschien eine weitere Korrespondenz mit der Bezeichnung “Correspondenz für Kunst und Wissenschaft”, die aber mit der vorgenannten nicht identisch war. Insgesamt listet das Handbuch Deutscher Zeitungen (1917) fünf Korrespondenzen auf, die über wissenschaftliche Themen informieren. Dabei dürfte es sich aber weniger um streng wissenschaftliche, als vielmehr um pseudowissenschaftliche Korrespondenzen gehandelt haben, die völkische oder rassische Fragen behandelten. Eine Inhaltsanalyse könnte hier weiterhelfen, jedoch muß darauf an dieser Stelle verzichtet werden.Google Scholar
  45. 147.
    Hierunter fallen Korrespondenzen über Tagesnachrichten und amtliche Mitteilungen aus den Ministerien (“Allgemeine bayrische Correspondenz”, München), Porträts, Karten, statistische Darstellungen, Karikaturen (“Aktuelle Klischees”, Berlin), Rätsel (“Allerlei Kurzweil”, Berlin), Astronomie, Meteorologie, Geophysik, Geschichte (“Astronomische Korrespondenz mit Beilage: Wissenschaft und Technik”, Hamburg), Beantwortung von Anfragen der Zeitungsleser (“Briefkasten-Korrespondenz für deutsche Zeitungen”, Berlin), Originalberichte aus größeren Städten über wichtige Ereignisse im öffentlichen und kulturellen Leben, kleinere Stimmungsbilder, Nachrichten über Fortschritt in Wissenschaft und Technik (“Der Bote”, Berlin) (Handbuch Deutscher Zeitungen 1917, 355–358).Google Scholar
  46. 148.
    Dabei bleibt jedoch unklar, ob es sich bei diesen Lokal-Korrespondenzen um Nachrichtenbüros handelte, also spezialisierte Organisationen, oder doch um einzelne Journalisten. Der Begriff “Korrespondenz” selbst gibt hier keine Hinweise, da mit ihm sowohl der Bericht eines Mitarbeiters bezeichnet wurde als auch das Korrespondenz-Büro, also das Nachrichtenbüro (Feldmann 1911/ 1912,290). Nicht gemeint jedenfalls sind die auch als Korrespondenzen bezeichneten regelmäßigen Mitteilungen der Parteien und Verbände (Wrede 1906, 255f.).Google Scholar
  47. 149.
    Nicht länger haltbar ist damit die Einschätzung von Fischer-Frauendienst, Bismarck hätte mit Wolffs Telegraphenbüro “ein sehr wirkungsvolles, ja entscheidendes Mittel zur Pressebeeinflussung in die Hand bekommen, das ihm auch die Kontrolle über die Quellen der Nachrichtenübermittlung gestattete” und “er jetzt, wenn es ihm günstig erschien, durch die zentrale staatliche Beeinflussung des Nachrichtendienstes eine völlig übereinstimmende Äußerung in der gesamten Presse erzielen (konnte) und die Reaktion der Öffentlichkeit vorausberechnend in gewünschte Bahnen lenken (konnte)” (Fischer-Frauendienst 1963, 29).Google Scholar
  48. 150.
    Dazu auch der Beschluß des ersten deutschen Journalistentages vom Mai 1864, der die Abschaffung jeder Art von Konzessionen, Einreichung von Pflichtexemplaren, Beschlagnahme, Kaution und Spezialgesetzen forderte (vgl. Koszyk 1966, 221f.).Google Scholar
  49. 151.
    Der Begriff Sitzredakteur ist spätestens mit dem RPG in die deutsche Journalistensprache eingegangen (Feldmann 1911/1912, 297).Google Scholar
  50. 152.
    Hinzu kommen noch die Gewerkschaftszeitschriften, die durch das Verbot sozialistischer Zeitungen an Bedeutung gewannen: Der Berliner Polizeipräsident stellte 1888 in einem Bericht an das Innenministerium einen “Rückgang der politischen Blätter zugunsten der gewerkschaftlichen” fest (nach Knaack/Schröder 1981, 450f. [Dokument 2]; dazu auch Kapitel 5.1.1).Google Scholar
  51. 153.
    Demgegenüber geht Koszyk (1966, 200) davon aus, daß der “Sozialdemokrat” nur bis zum Jahr 1886 abonniert werden konnte.Google Scholar
  52. 154.
    Im zweiten Band seiner Zeitungslehre allerdings erkennt Dovifat zumindest an, daß “diese Massenblätter (die Generalanzeiger, Anm.d.Verf.) (...) mit ihren kräftigen finanziellen Erträgen oft gediegenen Qualitätszeitungen zu einem wohlversorgten und publizistisch bedeutsamen Dasein verholfen” haben und daß dies eine “im Interesse des deutschen Journalismus erfreuliche Symbiose” gewesen sei (Dovifat 1967b, 129). Aber auch hier wird die Ansicht Dovifats deutlich, daß die Massenpresse, deren anzeigenbetontes Einnahmenverhältnis “den Charakter des Blattes” bestimmte (Dovifat 1967b, 146), publizistisch nicht als wertvoll gelten kann, sondern allenfalls zur Finanzierungsquelle für “gediegene Qualitätszeitungen” taugte.Google Scholar
  53. 155.
    Moralische Ansätze bei der Beurteilung der Entwicklung von Presse und Journalismus sind aber auch heute noch üblich. So bedauert Münch, daß heute “die Verleger mit einem journalistischen Sendungsbewußtsein (aussterben)” (Münch 1993, 274), und er sieht darin einen der Gründe dafür, daß der Journalismus “in die Rolle einer Service-Industrie” gedrängt werde bzw. “die Rolle eines Bühnenbesitzers (einnimmt), der sein Theater (...) vermietet” (Münch 1993, 274f.). Als direkte Folge dessen glaubt Münch ausmachen zu können, daß die “Bedeutung der klassischen Tageszeitung, die (...) anspruchsvoll informieren will”, zurückgeht, während “Tageszeitungen, die sich dem Tempo der Zeit anpassen und den Leser mit übersichtlicher Aufmachung, Schaubildern, Bildmaterial und kurzen Artikeln bedienen, (...) dagegen Erfolge (erzielen). Auf diese Weise hat in den Vereinigten Staaten ‘USA Today’ die ehrwürdigen und anspruchsvollen großen Tageszeitungen (...) abgehängt” (Münch 1993, 275; Hervorh. durch d. Verf.). 156 Oberholtzer betonte den Einfluß der Verleger auf die Redaktionen, wies aber auch darauf hin, daß “der Redakteur sich weigern (kann), den Ansichten seines Chefs Ausdruck zu geben” (Oberholtzer 1895, 8). Kamen in derselben Person Besitzer einer Zeitung und Chefredakteur der Zeitung zusammen, dann hatte diese Person “zwei Funktionen (...), zwei gesonderte Bahnen des Interesses, die eine als guter und tüchtiger Redakteur, die andere als der Eigenthümer, der sein Blatt so zu leiten wünscht, dass es sich am besten für ihn bezahlt. Dies soll nicht sagen, dass die zwei Funktionen in manchen Fällen nicht harmonieren können. Es beweist nichts gegen den Gebrauch und die Nothwendigkeit des Kapitals, noch hegt es in unserer Absicht zu zeigen, dass der Zeitungsbesitzer einen größeren Nutzen aus dem angelegten Kapital zieht, als sein Risiko verdient. Es soll nur darauf hingwiesen werden, welche Rolle die Geschäftsfrage im Journalismus spielt und ein Einfluss erwähnt werden, der immer in Betracht gezogen werden muss, wenn irgend welche Veränderungen bei den modernen Pressverhältnissen vorgeschlagen werden” (Oberholtzer 1895, 9f.).Google Scholar
  54. 157.
    Die “Kölnische Zeitung” war zwar unabhängig, aber nicht unbeeinflußt. Sie unterhielt enge Kontakte zur Nationalliberalen Partei und übte auch auf den Ausbau der Parteiorganisation Einfluß aus (Daun 1964, 171ff.).Google Scholar
  55. 158.
    An dieser Stelle sei auf eine weitere, für die damalige Zeit nicht alltägliche Form der Beziehungspflege hingewiesen: Das Nachrichtenbüro des Reichsmarineamtes sorgte 1897 dafür, daß ein Journalist (Richard Bahr von der “Post”) die Reise Kaiser Wilhelms IL mit der Flotte nach Petersburg mitmachen konnte, damit dieser dann “seine Eindrücke einer Vielzahl von Zeitungen zur Verfügung stellen konnte” (Deist 1976, 96). Ebenfalls seit den späten 1890er Jahren versuchte das Nachrichtenbüro — zum Teil mit Unterstützung des Staatssekretärs — die entsprechenden Marineinstitutionen zu veranlassen, den Wünschen von Besuchern nach Information und Besichtigung auch im Dienst stehender Schiffe weitgehend zu entsprechen; 1898 erging dazu eine generelle Anweisung an die Werften und Intendanturen (Deist 1976, 98). Diese Beispiele deuten an, daß bereits gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts zur Beziehungspflege neben rein publizistischen auch Leistungen erbracht wurden, die heute als Public-Relations-spezifisch gelten (Ähnliches tat auch der Deutsche Ostmarkenverein, vgl. Kapitel 5.1.3).Google Scholar
  56. 159.
    So gehen Born/Henning/Schick (1966, 23) offensichtlich davon aus, daß Tageszeitungen stets Parteiorgane seien. Der sozialdemokratische “Vorwärts”, ohne Zweifel eine Parteizeitung, und die “Frankfurter Zeitung”, die ohne Zweifel nicht als Parteizeitung bezeichnet werden kann (Paupié 1972), werden dann ohne weitere Erläuterung undifferenziert als Parteiorgane verstanden.Google Scholar
  57. 160.
    Bei der Vermittlung zwischen Produzent und Konsument scheinen auch die Zeitschriften und Zeitungen der Verbände eine Rolle gespielt zu haben. So hat die “Zeitschrift des landwirtschaftlichen Vereins für Rheinpreußen” zeitweise auf der Grundlage entsprechender Umfragen unter Produzenten und Konsumenten von Obst und Obstprodukten aktuelle Berichte über Angebot und Nachfrage von Obst veröffentlicht (Zeitschrift des Landwirtschaftlichen Vereins für Rheinpreußen 1889, passim). Ziel war es, “den Obstproduzenten (...) Gelegenheit zu geben, ihre Obsternte bei dem Großkäufer direkt abzusetzen und mit einer größeren Zahl von Abnehmern aller Sorten Obst bekannt zu werden” (Landwirtschaftlicher Verein für Rheinpreußen 1908, 60). Diese Einrichtung wurde später durch eine Rubrik Angebot und Nachfrage ersetzt, die auf alle landwirtschaftlichen Produkte ausgedehnt wurde und für die die Vereinsmitglieder selbst Verkaufsanzeigen oder Kaufgesuche aufgeben konnten (Landwirtschaftlicher Verein für Rheinpreußen 1898,49f.; Landwirtschaftlicher Verein für Rheinpreußen 1908, 61).Google Scholar
  58. 161.
    Diese Begriffe werden von Mataja (1910, passim) weitgehend synonym gebrauchtGoogle Scholar
  59. 162.
    “Die Reklame” (erschien zwischen 1891 und 1900 ein- bzw. zweimal im Monat), “Propaganda” (ein “Fachblatt für das Reklame-, Inseraten-, Plakat-, Ausstellungs-, Offerten-, Adressen- und Zeitungswesen”, das zwischen 1897 und 1901 einmal im Monat erschien); daneben erschienen, meist nur für ein paar Jahre: “Die Kunst des Inserierens” (seit 1894), “Die Annonce” (seit 1900), “Inseraten-Kritik” (seit 1904), “Deutsche Inserenten-Zeitung” (seit 1899), “Zeitschrift für moderne Reklame” (seit 1902), “Der Inserent” (seit 1907), “Reklame-Zeitung” (seit 1907), “Zeitungs-Propaganda” (seit 1906), “Der Reklame-Anwalt” (seit 1906 [nach Sperling 1914,133, erschien “Der Reklame-Anwalt” bereits seit 1884]), “Der Reklame-Be-rater”, “Die Annonce” (seit 1908), “Die Reklame-Welt” (seit 1909) (vgl. Mataja 1910, 209ff.). Mataja gibt ein Beispiel, wie diese Fachblätter zu wirken versuchten, wobei im vorliegenden Fall die deutsche Fahrradindustrie unterstützt werden sollte: “In einem Fachblatt (Prop., Febr. 1901 [d.i. das Fachblatt “Propaganda”, Anm.d.Verf.]) wurde eine gemeinsame Propaganda der Erzeuger zur Steigerung des Interesses durch immer wieder erfolgende Betonung der gesundheitlichen, sozialen, ästhetischen usw. Seiten des Radfahrsportes im Wege einer geeigneten Preßreklame und der Herausgabe von Broschüren, durch Veranstaltung von Gesellschaftsfahrten und Ferienausflügen zu Rad usw. empfohlen”, und ein anderes Fachblatt wollte “eine Agitation bei den Hausbesitzern zur Errichtung geeigneter Aufbewahrungsorte zur ebenen Erde für die Fahrräder der Hausbewohner, versehen mit Befestigungsvorrichtungen für Fahrräder von Besuchern, die Schaffung von billigen und bequemen Anstalten für die Reinigung der Räder, die Abhaltung einer Umfrage bei Ärzten über die gesundheitlichen Vorteile des Radfahrens (...)” (Mataja 1910, 8 [Anm. 8]). An diesem Beispiel wird die Vielfältigkeit der Leistungen der Werbung/Reklame/Propaganda des Kaiserreiches deutlich, wobei solche Leistungen heute als Public-Relations-Leistungen bzw. -Aufgaben gelten.Google Scholar
  60. 163.
    Hierzu gehörte insbesondere auch die sozialdemokratische Presse, die mit Bezeichnungen wie “Waschlappenorgane”, “Käse- und Wurstblätter mit dem Küchenmädchenstil” usw. gegen die Generalanzeiger polemisierte (vgl. Koszyk 1953, 164ff.).Google Scholar
  61. 164.
    Analog zu der Formulierung Rühls, daß der Journalismus entwickelter Gegenwartsgesellschaften “(welt)gesellschaftsabhängig, aber nicht gesellschaftlich determiniert” sei (Rühl 1980, 338).Google Scholar
  62. 165.
    Wirtschaft wurde allerdings schon vor dem 19. Jahrhundert regelmäßig publizistisch thematisiert Dies hängt zusammen mit der besonderen Stellung der Wirtschaft in den vordemokratischen Gesellschaften. Innerhalb starrer und durch ständische Schranken geprägten Gesellschaftsordnungen beschränkte sich die Wahrnehmung von Interessen hauptsächlich auf den wirtschaftlichen Bereich (dazu ausführlich oben Kapitel 1.1), was die frühzeitige publizistische Bearbeitung des Themas zur Folge hatte (Koschwitz 1967).Google Scholar
  63. 166.
    Zum Beispiel ermittelte Wilke (1984, 124ff.) bei ausgewählten Zeitungen für das Jahr 1906 rund 12 Prozent Wirtschaftsmeldungen.Google Scholar
  64. 167.
    Insofern entbehrt die Feststellung Münchs nicht einer gewissen Trivialität, daß öffentliche Kommunikation eines “Unterbaus von nichtöffentlicher Kommunikation” bedarf (Münch 1992, 47).Google Scholar
  65. 168.
    Klaus Krippendorff wagt gar die Behauptung, daß heute “niemand wirklich die Funktionsweise der Massenmedien bzw. die Art, wie sie funktionieren, recht versteht” (Krippendorff 1993,20; Hervorh. durch d. Verf.).Google Scholar

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1996

Authors and Affiliations

  • Stefan Seeling

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