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Berufsbiographische Orientierung von Lohnarbeitern: Selbstbehauptung und Selbstbindung

  • Hans-Joachim Giegel
  • Gerhard Frank
  • Ulrich Billerbeck
Part of the Biographie und Gesellschaft book series (BUG, volume 3)

Zusammenfassung

Wir haben im zweiten Kapitel sechs fallspezifische Analysen von Lohnarbeiterbiographien durchgeführt. Bei jedem der behandelten Einzelfälle wurden einerseits das Muster der berufsbiographischen Orientierung, andererseits das Gesundheits- und Krankheitsverhalten und das diesem Verhalten zugrundeliegende gesundheitsbezogene Orientierungsmuster, schließlich die Zusammenhänge, die zwischen diesen beiden Orientierungsmustern bestehen, analysiert.

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Anmerkungen

  1. 2.
    Zur schwierigen Kategorie des Interesses vgl. Ritsert (1987). Ganz falsch ist es, den Arbeitern,notwendige` Interessen zu unterstellen, wenn dies mehr heißen soll, als daß man B wollen muß, wenn man A will. Ebenso falsch ist es, ihre Subjektivität an bestimmten Interessen („Subjektinteressen“) festzumachen. Nicht nur, daß die Subjekte sich nicht an solche Vorentscheidungen halten, der Forscher wird in diesem Fall auch zu der,inhumanen` Konsequenz getrieben, die Subjektivität einer sich seinem Vorurteil nicht fügenden Person nur noch an ihren Träumen festzumachen. (Vgl. Schumann u.a. 1982, S. 410). — Eine ganz andere Frage ist es, ob es hinsichtlich der Interessen des Individuums eine prinzipielle Rangordnung gibt, etwa derart, daß dem „produktiven Interesse” ein Primat zukommt. Bejaht man dies, so folgt, daß Personen, die subjektiv nicht diesen Primat realisieren, an einer (gesellschaftlich bedingten) Pathologie leiden. Vgl. zu einer solchen Position, die hier nicht weiter gewürdigt werden kann, U. Holzkamp-Osterkamp (1976).Google Scholar
  2. 3.
    So wenig wie Interessen sind kausale Attribuierungen ausreichend zur Bestimmung der Subjektstruktur. Insofern sie aber offensichtlich sehr spezifisch durch die regulative Tendenz der Identität geprägt sind, eignen sie sich als Indikatoren für diese. Vgl. Hoff (1986).Google Scholar
  3. 5.
    Hier hinein würde auch die Kategorie der Struktur und des Strukturniveaus moralischer Einbindungen gehören, wie sie im moralischen Urteil sich niederschlägt. Vgl. für einen Versuch, Strukturen bzw. Strukturniveaus moralischer Urteile bei Lohnarbeitern zu erfassen, Lempert (1986).Google Scholar
  4. 6.
    Vgl. Parsons (1977) und Habermas (1981), Band 2, S. llff., insbesondere S. 65ff., 91ff. und 147ff. Die regulative Tendenz der Identität drückt sich, wie wir noch zeigen, in einem höher-stufigen,Interesse aus, ist aber gerade darin auch von allen spezifischen,Reproduktionsinteressen` unterschieden. Die letzteren werden durch die Identität reguliert, d.h. akzentuiert, zurückgedrängt, ausgegrenzt usw. Dieser Unterschied wird auch in den Bemühungen, die Beschränkungen eines engen Reproduktionsbegriffs zu überwinden, nicht immer genügend beachtet. Vgl. Brock (1986), S. 205f.Google Scholar
  5. 7.
    Der Gedanke einer Steuerungshierarchie, die von der regulativen Tendenz der Identität über normative Einbindungen und Interessen bis hin zu Kognitionen reicht, findet sich schon in Parsons (1977).Google Scholar
  6. 9.
    Dieser Gedanke ist zwar inzwischen in die Forschung zum Arbeiterbewußtsein eingegangen, aber in ganz unzureichender Form. Der von Mead entwickelte Konstitutionszusammenhang für personale Identität (vgl. Ritsert 1980, Soeffner 1981 und vor allem Habermas 1981, Band 2, S. 53ff. u. 147ff.) wird völlig mißverstanden, wenn Anerkennung auf bloßes Wohlwollen von Mitmenschen gegenüber der eigenen Person und dem eigenen Leistungsvermögen reduziert wird. (Vgl. Schumann u.a. 1982, S. 304f.) Daß etwa die Genugtuung eines Arbeiters über das Lob von Seiten eines Vorgesetzten u.U. einen seine Subjektivität eher zerstörenden als sie bestätigenden Prozeß anzeigt, kann von hier aus gar nicht mehr begriffen werden.Google Scholar
  7. 10.
    Vgl. Habermas (1981), Band 2, S. 144ff.Google Scholar
  8. 12.
    Der Prozeß der selektiven Realisierung von Möglichkeiten muB dabei keineswegs den Charakter einer Wahl zwischen vom Handelnden bewußt erfaßten Handlungsalternativen annehmen. Eine Selektion stellt es auch dar, wenn man in eine bestimmte Lebenspraxis ohne weitere Reflexion und ohne Entscheidungen getroffen zu haben hineintreibt. Vgl. Brose (1983), S. 33f. u. 42ff.Google Scholar
  9. 13.
    Zu diesem Zusammenhang, den wir hier nicht verfolgen, zumal unser Datenmaterial in dieser Hinsicht oft keinen zureichenden Aufschluß gibt, vgl. Vollmerg u.a. (1986).Google Scholar
  10. 14.
    Für diesen Prozeß des ständigen Hervorbringen neuer Formen der Lebenspraxis müssen alle Analysen unsensibel sein, die die Arbeiterklasse unter dem Gesichtspunkt eines für sie typischen Orientierungsmusters betrachten. Vgl. etwa die — im Gegensatz zu der Darstellung anderer Schichten eigentümlich undifferenzierte — Analyse der Kultur der Arbeiterklasse in Bourdieu (1984).Google Scholar
  11. 15.
    In diesem Punkt scheinen die Identitätsformen von Arbeitern und die von Angehörigen der neuen Mittelschichten am stärksten zu differieren. Zu einer Analyse von Identitätsformen, für die das Prozessieren von Widersprüchen charakteristisch ist, vgl. Giegel (1988).Google Scholar
  12. 17.
    Hinzu kommen dann die Restriktionen, die in den Arbeitsprozeß selber eingebaut sind. Vgl. Kohn (1981), Volpert (1975), Hoff u.a. (1982). Auch diese haben den Charakter von konditionalen Verknüpfungen: „Berufsbedingungen sind strukturell aufeinander bezogen: Kohn (1981), S. 133.Google Scholar
  13. 19.
    Vgl. die hier ansetzende, allerdings nicht konsequent durchgeführte Analyse in v. FIatow/Huisken (1973).Google Scholar
  14. 20.
    Was hier entwickelt ist, wird von manchen Forschern des ArbeiterbewuBtseins im Anschluß an Schütz als,Auferlegtsein von Relevanzstruktunn` gefaßt. Vgl. etwa Brose (1983), S. 17. Dadurch, daß man die Zwänge, die den Arbeiter bedrängen, derart ins Allgemeine entrückt, entzieht man sich der Mühe, die spezifischen gesellschaftlichen Mechanismen, die zu einer spezifischen Form des,Auferlegtseins` führen, zu rekonstruieren.Google Scholar
  15. 21.
    Die Kategorie der „Oberfläche“ ist grundlegend für die Marxsche Gesellschaftstheorie. Vgl. dazu v. Flatow/Huisken (1973).Google Scholar
  16. 22.
    Zu den vielfiltigen Techniken der Identitätssicherung vgl. Luhmann (1964) und Schimank (1981). Der Mangel einer solchen Aufzählung von Techniken besteht nicht nur darin, daß sich aus ihr noch keine Vorstellung davon ergibt, wie sich der Gesamtprozeß der Identitätssicherung durch seine verschiedenen Momente hindurch bestimmt, vor allem tritt an die Stelle einer Analyse der spezifischen gesellschaftlichen Restriktionen, die zu solchen Techniken nötigen, der bloße (fiir Systemtheorien charakteristische) Hinweis auf die Formalstruktur von Organisation.Google Scholar
  17. 23.
    Vgl. auch die Überlegungen von Therborn hinsichtlich des Verhältnisses von klassenmäßigen und nicht-klassenmäßigen Differenzierungen. „Als positionale Handlungsgrundlage kann der Klassenbegriff möglicherweise anderen… Identitäten untergeordnet werden, gleichgültig, ob diese Identität einen individuellen, gruppenmäßigen oder nationalen Charakter hat. Der legitime Anspruch der Klassentheorie läge dann eher in der These, daß die Form und die Ausrichtung von „Leidenschaften“ und von nicht-positionalem, auf Identität basierendem Handeln weniger als durch Klassenpositionen motiviertes Handeln voraussehbar ist.” Therborn (1987), S.156.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1988

Authors and Affiliations

  • Hans-Joachim Giegel
  • Gerhard Frank
  • Ulrich Billerbeck

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