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Jugendkultur in sozialwissenschaftlicher Perspektive

  • Erik Meyer
Part of the Forschung Soziologie book series (FS, volume 60)

Zusammenfassung

Der Begriff der Jugend bezeichnet in sozialwissenschaftlicher Perspektive zunächst eine Phase im Leben von Individuen, die zwischen Kindheit und Erwachsenenalter angesiedelt wird, sowie auch die Gruppe von Individuen, die sich zu einem bestimmten Zeitpunkt in diesem biographischen Stadium befinden. Als Zeit des Übergangs werden diesem Lebensabschnitt insbesondere von Pädagogik und Psychologie biographisch bedeutsame Funktionen für die Entwicklung einer handlungsfähigen Persönlichkeit zugeordnet. Zur Bewältigung der damit verbundenen Aufgabe der Aneignung von für die weitere Lebensführung konstitutiven Kompetenzen wird den Adoleszenten in dieser Lebensphase ein „psychosoziales Moratorium“ gewährt: Vor allem von der Anforderung, den eigenen Lebensunterhalt selbst zu finanzieren, entbunden, soll innerhalb der von den Sozialisationsinstanzen definierten Grenzen ein Handeln auf Probe möglich sein. Dadurch wird die Sozialgestalt der Jugend als experimentelle Existenzform, die von anderen gesellschaftlichen Gruppen abweichende Verhaltensweisen aufweist, wahrgenommen.

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Literatur

  1. 28.
    Diese deskriptive Verwendung des Begriffes der Post-Adoleszenz reflektiert nicht seine Bedeutung für eine psychoanalytische Sozialisationstheorie. Vgl. dazu Baethge 1989.Google Scholar
  2. 29.
    Selbstverständlich sind auch andere Systematisierungen denkbar, die eine entsprechende Rekonstruktion vom Begriff der Subkultur ausgehend mit den Beiträgen zur Soziologie des abweichenden Verhaltens (kriminologische Delinquenz-und Defianzforschung) beginnen (vgl. z.B. Baacke/Ferchhoff 1995) oder vom Begriff der Jugendkultur ausgehend mit dem pädagogischen Ansatz Gustav Wynekens (vgl. z.B. Baacke 1993, 124ff) beginnen.Google Scholar
  3. 31.
    Kontinuität bedeutet die fortdauernde Erfüllung der wichtigsten institutionellen Rollen und allgemeinsten Orientierung durch die Mitglieder einer Gesellschaft ohne Berücksichtigung des Wandels in der biologischen Zusammensetzung der Mitgliedschaft (d.h. des Austausches der Generationen).“ (Eisenstadt 1966, 280)Google Scholar
  4. 33.
    Grundlegend fttr den Gegenstandsbereich „Jugendkultur“ ist der Sammelband „Resistance through Rituals” (Hall/Jefferson 1976), der 1979 auszugsweise und in Kombination mit diesem Ansatz verbundener Aufsätze in deutscher Sprache publiziert wurde (Clarke et al. 1979a) sowie die in deutscher Übersetzung vorliegende Monographie von Brake (1981).Google Scholar
  5. 34.
    Die,Kultur` einer Gruppe oder Klasse umfaßt die besondere und distinkte Lebensweise dieser Gruppe oder Klasse, die Bedeutungen, Werte und Ideen, wie sie in den Institutionen, in den gesellschaftlichen Beziehungen, in den Glaubenssystemen, in Sitten und Bräuchen, im Gebrauch der Objekte und im materiellen Leben verkörpert sind.“ (Clarke et al. 1979b, 41)Google Scholar
  6. 35.
    In diesem Kontext impliziert die Bezeichnung „Subkultur“ ein vertikales Verhältnis der Unterordnung unter die hegemoniale Kultur der herrschenden Klasse. Neben der klassenkulturellen Konfliktlinie wurde in anderen Aufsätzen des Sammelbandes von Hall/Jefferson (1976) auch die Marginalisierung qua Geschlecht (McRobbie/Garber 1976) und ethnischer Zugehörigkeit (Hebdige 1976) thematisiert.Google Scholar
  7. 40.
    Diese Darstellung eines „Kapitalismus ohne Klassen“ (Beck) trifft nicht auf alle Industriegesellschaften in gleichem Maße zu. „So ist in Großbritannien die soziale Klassenzugehörigkeit nach wie vor auch im Alltag deutlich wahrnehmbar und Objekt bewußter Identifikation”. (Beck 1986, 121f)Google Scholar
  8. 41.
    Unter,Auflösung` verstehen wir, daß ein bestimmter Stil aus dem Kontext und der Gruppe, die ihn schuf, disloziert und neu aufgegriffen wird — unter Betonung jener Elemente, die ihn zu einem,kommerziellen Angebot` machen, besonders ihrer Neuheit. Vom Standpunkt der Subkultur betrachtet, die den Stil schuf, existiert er als totaler Lebensstil; durch den kommerziellen Nexus wird er in einen neuen Konsumstil verwandelt.“ (Clarke 1979, 152; H.i.O.)Google Scholar
  9. 42.
    Diesen Prozeß beschreibt Cohen (1972) am britischen Beispiel der Berichterstattung über die Auseinandersetzungen zwischen Mods und Rockern Mitte der 60er Jahre.Google Scholar
  10. 43.
    Vielmehr handelt es sich um exportierte, sekundäre und inkorporierte Stile, um über Markt und Medien teilweise schon kommerzialisierte und in bestimmter Hinsicht um,aufgelöste, unechte Mode-Stile, von deren Entstehungszusammenhang nur noch wenige Elemente und Accessoires übrig bleiben.“ (Baacke/Ferchhoff 1995, 42)Google Scholar
  11. 44.
    Die Einschätzungen der Wirkungen von Medien sind in der Rezeptionsforschung umstritten, weshalb die für die These vom Wandel der Jugendkultur besonders bedeutsamen Positionen im Konjunktiv referiert werden. Im Gegensatz zu diesen (kultur-) kritischen Interpretationen, wie sie etwa von Glogauer (1995) vertreten werden, betont bspw. die Forschungsgruppe „Medienkultur und Lebensformen“ die Sozialisations-und Vergemeinschaftungseffekte neuer Medien als Identitäts-und Kompetenzmärkte fir Jugendliche (vgl. z.B. Vogelgesang 1994 ).Google Scholar
  12. 45.
    Der Begriff,Szene — abgeleitet von der Wand (skené) des antiken griechischen Theaters, vor der die Schauspieler auftraten, bezeichnet,ursprünglich eine Einheit des Dramas, nämlich die in Auf-und Abtritte gegliederten Untereinheiten von Akten’ (Baacke 1993) — beinhaltet also eine sozialökologische Qualität, die sich auf die Möglichkeit zur Selbstdarstellung und auf den actiongeladenen Erlebnisgehalt bezieht.“ (Vollbrecht 1995)Google Scholar
  13. 46.
    So kommen auch die Autoren der 12. Shell-Studie zu folgendem Ergebnis: „die Jugendlichen verweigern die Forderung, mit der Entscheidung für einen bestimmten Stil, gleichzeitig die Absage an andere Stile zu verbinden und praktizieren nicht selten mehrere Stile parallel oder in rascher Folge“ (Fischer/Mtinchmeier 1997, 20).Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 2000

Authors and Affiliations

  • Erik Meyer

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