Advertisement

Muslimische Minderheiten im säkularen Rechtsstaat

  • Heiner Bielefeldt
Part of the Interkulturelle Studien book series (IKS, volume 15)

Zusammenfassung

Der säkulare Rechtsstaat bildet die politisch-institutionelle Rahmenordnung, in der Muslime in der Bundesrepublik Deutschland und anderen westeuropäischen Gesellschaften leben und ihren Glauben praktizieren. Diese Situation wirft Fragen auf: Wie stehen Muslime zum säkularen Rechtsstaat? Stellt er für gläubige Muslime nur ein „Übel“ dar, das sie aufgrund der zahlenmäßig massiven Überlegenheit der Nicht-Muslime nolens volens hinnehmen müssen? Oder bietet die Säkularität der politisch-rechtlichen Ordnung Chancen für die Erprobung neuer Formen islamischer Selbstorganisation — womöglich mit Auswirkungen über die „Diaspora” hinaus auf die islamischen Herkunftsländer? Fragen stellen sich aber auch in umgekehrter Richtung: Ist es überhaupt legitim, Muslime auf die Säkularität des Rechtsstaats verpflichten zu wollen? Wäre es nicht ein Gebot interreligiöser und multikultureller Toleranz, Muslimen die Option offenzuhalten, ihre gemeinschaftlichen Angelegenheiten nach islamischem Recht statt nach säkularem Recht zu ordnen? Stellt die Säkularität nicht ihrerseits eine Art von religiösem oder postreligiösem „Glauben“ dar, der nur für diejenigen verbindlich sein sollte, die sich zu diesem Glauben freiwillig bekennen?

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. Abdarraziq, Ali (1933/1934): L’islam et les bases du pouvoir. In: Révue des Études Islamiques, Bd. VII, S.353–391/Bd. VIII, S. 163–222.Google Scholar
  2. Abdarraziq, Ali (1934): L’islam et les bases du pouvoir. In: Révue des Etudes Islamiques Bd. VIII (1934). S. 163–222.Google Scholar
  3. al-Ashmawy, Muhammad Said (1989): L’islamisme contre l’islam. Paris.Google Scholar
  4. Bielefeldt, Heiner (1998): Philosophie der Menschenrechte. Grundlagen eines weltweiten Freiheitsethos. Darmstadt.Google Scholar
  5. An-Na’im, Abdullahi Ahmed (1990): Toward an Islamic Reformation. Civil Liberties, Human Rights and International Law. New York.Google Scholar
  6. Casanova, José (1996): Chancen und Gefahren öffentlicher Religion. Ost-und Westeuropa im Vergleich. In: Otto Kallscheuer (Hg.): Das Europa der Religionen. Ein Kontinent zwischen Säkularisierung und Fundamentalismus. Frankfurt/Main, S. 181–210.Google Scholar
  7. Comte, Auguste (1967): Système de Politique Positive ou Traité de Sociologie, Instituant la Religion de l’Humanité (Drei Bände) ( Herausgegeben von Otto Zeller ). Osnabrück.Google Scholar
  8. Dilcher, Gerhard/Staff, Ilse (Hg.) (1984): Christentum und modernes Recht. Beiträge zum Problem der Säkularisierung. Frankfurt/Main.Google Scholar
  9. Haddad. Yvonne Y./Qutb, Sayyid: Ideologue of the Islamic Revival. In: Esposito, Joseph L. (Hg.): Voices of Resurgent Islam. Oxford, S.67–98.Google Scholar
  10. Hamid, Nasr/Zaid, Abu (1996): Islam und Politik. Kritik des religiösen Diskurses Frankfurt/Main.Google Scholar
  11. Hassan, Riffat (1982): On Human Rights and the Qur’anic Perspective In: Swidler, Arlene (Hg.): Human Rights in Religious Traditions. New York, S. 51–65.Google Scholar
  12. Heckel, Martin (1984): Das Säkularisierungsproblem in der Entwicklung des deutschen Staatskirchenrechts. In: Dilcher, Gerhard/Staff, Ilse (Hg.): Christentum und modernes Recht. Beiträge zum Problem der Säkularisierung. Frankfurt/Main, S. 35–95.Google Scholar
  13. Heitmeyer, Wilhelm/Müller, Joachim/Schröder, Helmut (1997): Verlockender Fundamentalismus. Türkische Jugendliche in Deutschland. Frankfurt/Main.Google Scholar
  14. Hilpert, Konrad (1991): Die Menschenrechte. Geschichte — Theologie — Aktualität. Düsseldorf.Google Scholar
  15. Huntington, Samuel P. (1996): The Clash of Civilizations and the Remaking of World Order. New York.Google Scholar
  16. Khoury, Adel Theodor (1980): Toleranz im Islam. Mainz/München.Google Scholar
  17. Lübbe, Hermann (1965): Säkularisierung. Geschichte eines ideenpolitischen Begriffs. Freiburg im Breisgau/München.Google Scholar
  18. Luf, Gerhard (1993): Die religiöse Freiheit und der Rechtscharakter der Menschenrechte. In: Schwartländer, Johannes (Hg.): Freiheit der Religion. Christentum und Islam unter dem Anspruch der Menschenrechte. Mainz, S. 72–92.Google Scholar
  19. Mawdudi, Abul A’ la (1967): The Islamic Law and Constitution (3. Auflage). Lahore. Potz, Richard (1993): Die Religionsfreiheit in Staaten mit westlich-christlicher Tradi-tion. In: Schwartländer (Hg.): Freiheit der Religion. Christentum und Islam unter dem Anspruch der Menschenrechte. Mainz, S. 119–134.Google Scholar
  20. Talbi, Mohamed (1993): Religionsfreiheit — Recht des Menschen oder Berufung des Menschen? In: Schwartländer, Johannes (Hg.): Freiheit der Religion.Christentum und Islam unter dem Anspruch der Menschenrechte. Mainz, S. 242–260.Google Scholar
  21. Tan, Dursun (1999): Aleviten in Deutschland. Zwischen Selbstethnisierung und Emanzipation. In: Jonker, Gerdien (Hg.): Kern und Rand. Religiöse Minderheiten aus der Türkei in Deutschland. Berlin, S. 65–88.Google Scholar
  22. Tibi, Bassam (1994): Im Schatten Allahs. Der Islam und die Menschenrechte. München/Zürich.Google Scholar
  23. Troll, Christian W. (1991): Der Blick des Koran auf die anderen Religionen. In: Kerber, Walter ( Hg. ): Wie tolerant ist der Islam? München, S. 47–69.Google Scholar
  24. Zakariya, Fuad (1992): Säkularisierung — eine historische Notwendigkeit. In: Luders, Michael (Hg.): Der Islam im Aufbruch? Perspektiven der arabischen Welt. Munchen/Zürich, S. 228–245.Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 2003

Authors and Affiliations

  • Heiner Bielefeldt

There are no affiliations available

Personalised recommendations