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Das Multikulturalismusverständnis bei Herder: Versuch einer Ehrenrettung für Johann Gottfried Herder

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Part of the Reihe: Interkulturelle Studien book series (IKS, volume 12)

Zusammenfassung

„... der natürlichste Staat ist also auch ein Volk, mit einem Nationalcharakter“ (Herder 1784 A, S. 368, Hervorh. Im Original)1. Das in der Literatur verbreitete Bild über Herder scheint mit diesem Zitat seine volle Bestätigung zu finden. Abgesehen von der expliziten Aussage, die unter den Bedingungen weltweiter Migration anachronistisch ist, erscheinen die impliziten Vorannahmen äußerst fragwürdig. — „Natürlich“ — was für eine Kategorie für eine politische Problemstellung! Es braucht einigen Mut, Herder gegen seine Kritiker, speziell die, die sich in der heutigen Diskussion über multikulturelle Gesellschaft und interkulturelle Bildung zu Wort melden, in Schutz zu nehmen. In diesem Diskurs wird, soweit ich sehe, nur Kristeva (1990) Herder und der Ambiguität seiner Botschaft gerecht. Im allgemeinen steht Herder für einen statischen, völkischen Kulturbegriff, für Partikularismus, Kulturrelativismus und Nationalismus (vgl. Roth 2000, S. 213ff). Finkielkraut ist keineswegs der einzige, der in Herders Volksgeist-Theorem den Beginn einer verhängnisvollen ideengeschichtlichen Traditionslinie festmacht (s. dazu den Beitrag von Roth in diesem Band). Am mildesten fällt noch das Urteil derer aus, die ihm vorwerfen, solchen Positionen zumindest den Weg gebahnt zu haben. Dass man ihm damit nicht gerecht wird und viele Urteile über Herder klischeehaft sind, vermutlich oft von anderen Interpreten übernommen, soll im folgenden gezeigt werden.

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© Leske + Budrich, Opladen 2002

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