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Kommunikationsbeziehungen zwischen Bundestag und Gesellschaft

  • Dietrich Herzog
  • Hilke Rebenstorf
  • Camilla Werner
  • Bernhard Weßels

Zusammenfassung

Eine wirksame “Interessenvermittlung” zwischen Parlament und Gesellschaft ist Grundbedingung jedes demokratisch-repräsentativen Systems. Gerade diese “Vermittlung” wird in der Bundesrepublik vielfach als ungenügend kritisiert; Politiker sind “die da oben”. Wenn aber der Deutsche Bundestag dem politischen Mitwirkungsanspruch der Bürger und ihrer sozialen und wirtschaftlichen Interessenträger gerecht werden soll, so hängt das nicht zuletzt von den kommunikativen Beziehungen des Parlaments zur Öffentlichkeit ab. Darüberhinaus gilt allgemein, daß ein Verständnis des modernen Repräsentativsystems nicht mehr allein aus der Verfassungsinterpretation oder aus der politologischen Organisationsanalyse zu gewinnen ist; es bedarf auch der Analyse der Interaktion zwischen Repräsentanten und Repräsentierten1. Bisher wissen wir wenig über politische Kommunikationsprozesse, noch am ehesten über solche zwischen Führungsgruppen2, kaum aber über Kommunikationen zwischen Wählern und Gewählten.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Siehe Heinrich Oberreuter, Legitimation durch Kommunikation, in: Jürgen W. Falter/Christian Fenner/Michael Th. Greven (Hrsg.), Politische Willensbildung und Interessenvermittlung, Opladen: Westdeutscher Verlag 1984, S. 238–253;Google Scholar
  2. 1a.
    Dietrich Herzog, Was heißt und zu welchem Ende studiert man Repräsentation, in: Dietrich Herzog/Berhard Weßels (Hrsg.), Konfliktpotentiale und Konsensstrategien, Opladen: Westdeutscher Verlag 1989, S. 307–336.CrossRefGoogle Scholar
  3. 2.
    Rudolf Wildenmann/Max Kaase u.a., Führungsschicht in der Bundesrepublik Deutschland 1981, Mannheim 1982;Google Scholar
  4. 2a.
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  5. 2b.
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  6. 3.
    Die Interview-Vorgaben waren: “mindestens einmal wöchentlich”, “mindestens einmal im Monat”, “mindestens einmal im Vierteljahr”, “mindestens einmal im Jahr”, “nur gelegentlich/selten” und “nie”. Zum Zwecke der Analyse wurde diese Einteilung auf das gesamte Jahr umgerechnet: Die Angabe “mindestens einmal wöchentlich” wurde also umgerechnet auf 52, die Angabe “mindestens einmal im Monat” auf 12, usw. Mit diesen Werten wird die Kontakthäufigkeit eher unterschätzt; jedoch hat die Berechnungsart den Vorteil, die unterschiedlichen Kontakte in ihrer Häufigkeit unmittelbar vergleichen zu können.Google Scholar
  7. 4.
    Vgl. Renate Mayntz/Friedhelm Neidhart, Parlamentskultur: Handlungsorientierungen von Bundestagsabgeordneten - eine empirisch explorative Studie, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen, 20 (1989), S. 370–388, hier S. 374.Google Scholar
  8. 5.
    Siehe zur These der Selektivität politischer Institutionen: Claus Offe, Strukturprobleme des kapitalismchen Staates, Frankfurt/M.: Suhrkamp 1972, Kap.3.Google Scholar
  9. 6.
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  10. 7.
    So hat Gerhard Lehmbruch darauf aufmerksam gemacht, daß die Untersuchung kommunikativer und institutioneller Netzwerke zwischen Staat und Gesellschaft für die Analyse der Prozesse der Interessenvermittlung fruchtbar gemacht werden müsse. Gerhard Lehmbruch, Interorganisatorische Verflechtungen im Neo-Korporatismus, in: Falter/Fenner/Greven (Anm. 1), S. 467–482.Google Scholar
  11. 8.
    Die beiden Mannheimer Führungsgruppen-Befragungen von 1972 und 1981 dieses Ergebnis. Für den Deutschen Bundestag können diese Studien aber keinen näheren Aufschluß geben, da die Zahl der befragten Abgeordneten zu klein ist.Google Scholar
  12. 9.
    Zum Verhältnis von Politik, Massenmedien und Gesellschaft s. auch L. John Martin, Government and the News Media, in: Dan D. Mimmo/Keith R. Sanders (Hrsg.), Handbook of Political Communication, Beverly Hills/London: Sage 1981, S. 445–467.Google Scholar
  13. 10.
    Edwin Czerwick, Parlament und Politikvermittlung, in: Ulrich Sarcinelli (Hrsg.), Politikvermittlung. Beiträge zur politischen Kommunikationskultur, Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 1987, S. 161–183 (164f).Google Scholar
  14. 11.
    In diesem Zusammenhang kann auf die Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage hingewiesen werden, die im Rahmen des Forschungsprojekts parallel zum Abgeordneten-Survey durchgeführt wurde. Danach pb immerhin über die Hälfte (59 Prozent) der Befragten an, daß man „über die Arbeit des Bundestages und der Abgeordneten im Bonn „genügend informiert“ sei (17 Prozent wünschen mehr Informationen, für 24 Prozent war das „gleichgültig“).Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1990

Authors and Affiliations

  • Dietrich Herzog
  • Hilke Rebenstorf
  • Camilla Werner
  • Bernhard Weßels

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