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Jans Enikel und die Weltchronistik im späten Mittelalter

  • Winfried Frey
  • Walter Raitz
  • Dieter Seitz
  • Wolfgang Dittmann
  • Hartmut Kokott
  • Hartmut Kugler
  • Maria E. Müller
  • Hans-Herbert Räkel
  • Paul-Gerhard Völker
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Zusammenfassung

Die Weltchronik des Jans Enikel ist ein unhandlicher Gegenstand. Zum Kanon der mittelalterlichen Texte, „auf die es in einem Grundkurs zunächst einmal ankommt“ (so das Vorwort zum Band I dieser Einführung), zählt sie gemeinhin nicht. Ihr Gesamtumfang wirkt mit seinen fast 30 000 Versen abschreckend und unübersichtlich, ist verwinkelt und vollgekramt mit sonderbaren Geschichten, hat Prosa-Einschübe und einen ungewissen Schluß. Ihre Machart hat neuzeitliche Leser und Handbuchautoren auch selten zufriedengestellt. Den Historikern war sie nicht historisch, den Literaturwissenschaftlern nicht poetisch genug angelegt.1 Doch gibt es für eine nähere Beschäftigung mit dem buoch (v. 111) des Jansen Enikel (v. 87) gute Gründe. So fremd und abseitig die Chronik dem modernen Leser zunächst erscheinen mag, in der literarischen Landschaft des Spätmittelalters war sie eine vertraute Größe. Der Typus der deutschsprachigen Reimchronik, den sie vertritt, war populär. Von ihr führen viele Wege „zu jener breiten Masse spätmittelalterlicher Weltchronistik des 14./16. Jahrhunderts“ (de Boor), deren „fast epidemische Verbreitung“ (Grundmann) die frühere Forschung oft hat zurückschaudern lassen.2 Enikels etwas schlichte Darstellungsweise brachte qualitätsbewußte Literaturhistoriker dazu, ihn nicht als ‚Dichter‘, sondern nur als ‚Geschichtenerzähler‘ gelten zu lassen. Gerade seine Erzahlfreude dürfte aber heutigen Lesern den Zugang erleichtern, ähnlich wie sie ihn auch den laienhaft gebildeten Lesern des Spätmittelalters erleichtert hat, bei denen das Werk beliebt war.

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Literaturhinweise

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Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1982

Authors and Affiliations

  • Winfried Frey
  • Walter Raitz
  • Dieter Seitz
  • Wolfgang Dittmann
  • Hartmut Kokott
  • Hartmut Kugler
  • Maria E. Müller
  • Hans-Herbert Räkel
  • Paul-Gerhard Völker

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