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Talkshowisierung des Wahlkampfes?

Eine Analyse von Politikerauftritten im Fernsehen
  • Jörg-Uwe Nieland
  • Jens Tenscher
Part of the Schriftenreihe Medienforschung der Landesanstalt für Rundfunk Nordrhein-Westfalen book series (LAMNRW, volume 41)

Zusammenfassung

Es ist noch keine zehn Jahre her, da riet der langjährige Bundesgeschäftsführer und oberste Wahlkampfmanager der CDU, Peter Radunski, Politikern jeglicher Couleur nachdrücklich zum Gang in die Talkshows. Schließlich stellten diese ein einzigartiges Forum zur ausführlichen Selbstdarstellung vor einem Millionenpublikum dar. Der Talkshow-Auftritt wäre somit der Erfolg versprechendste Weg, politik- und parteimüde Wähler im wahrsten Sinne des Wortes wieder anzusprechen (Radunski 1992: 76). Gleichwohl schienen die damals vorherrschenden Bedenken der Politiker gegenüber dem Schritt in die Unterhaltungsformate des Fernsehens zunächst nahezu unüberwindlich zu sein.

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Literatur

  1. 3.
    Vgl. Lukaszewski/Nieland 1998: 30; Holtz-Bacha 1999: 18; Dörner 1999: 18; Nieland 2000: 307; Dörner 2001:13.Google Scholar
  2. 4.
    Im Begriff der „Talkshowisierung“ist die Bezugsgröße, nämlich das Sendeformat „Gesprächssendung“, genannt. Der Begriff wird aus diesem Grund umfassenderen, aber auch unspezifischeren Bezeichnungen wie „Entertainisierung“(Holtz-Bacha 2000a), „Inszenierung des Politischen“(Meyer et al. 2000) oder „Politainment“(Dörner 2001) vorgezogen.Google Scholar
  3. 7.
    Im Vergleich zu einer Vielzahl an empirischen Studien zu politischen Fernsehdiskussionen (im Vorfeld von Wahlen, speziell den so genannten „Elefantenrunden“(vgl. u.a. SchrottsodassTenscher 1996) sowie grundsätzlich (Holly/Kühn/Püschel 1989)) liegen kaum Untersuchungen vor, die sich politischen Talkshows und unterhaltenden Gesprächssendungen vergleichend widmeten (vgl. hierzu Meyer et al. 2000).Google Scholar
  4. 8.
    Aufgrund der wachsenden Vielfalt unterschiedlichster Talkshowformate fällt eine exakte Begriffsbestimmung und klare definitorische Abgrenzung gegenüber ähnlichen Sendetypen zunehmend schwer (vgl. van Eimeren/Gerhard 1998: 600). Aus diesem Grund wird an dieser Stelle eine sehr breit angelegte Definition verwendet, bei der die Begriffe „Talkshow“und „Gesprächssendung“synonymisch und als Oberbegriffe gebraucht werden. Sie stehen für ein Format, bei dem sich ein Moderator i.d.R. mit mehreren Gästen mit oder ohne Studiopublikum über ein beliebiges Thema unterhält. Eine künstliche Trennung von politischen Fernsehdiskussionen einerseits und Talkshows andererseits, die auf der diffusen Trennung von Informations- und Unterhaltungsangeboten beruht (vgl. Krüger 1998; 2000), scheint dagegen dem Untersuchungsgegenstand nicht mehr angemessen zu sein (vgl. dazu auch Weiß 1999: 78–82).Google Scholar
  5. 9.
    Das private Video dokumentiert das brutale Vorgehen weißer Polizisten während der Verhaftung eines schwarzen Autodiebs; vgl. Fiske 1994: 126ff. (hier sind Screenshots aus dem Video abgedruckt). Besondere Brisanz erhielt die Debatte in den USA, weil sich zeitgleich das Verfahren im Mordprozess gegen O.J. Simpson — ebenfalls in Los Angeles — auf seinem Höhepunkt befand.Google Scholar
  6. 10.
    Eine umfassende Aufarbeitung des Ansatzes sowie der Ergebnisse von Fiske findet sich bei Dörner 1999 und 2000; vgl. außerdem Nieland 2000.Google Scholar
  7. 11.
    So wird beispielsweise darauf hingewiesen, dass in Daily Soaps die Transformation von Beziehungen in individualisierten Gesellschaften dargestellt und durch Nachdenken und Gespräche in den Alltag der Betroffenen rückgekoppelt wird (vgl. bspw. Göttlich/Nieland 1997; 1998).Google Scholar
  8. 12.
    Inzwischen verdichten sich die Anzeichen, dass diese Entwicklung auch für die Bundesrepublik Deutschland gilt: „Das Bild, das Wähler und Mediennutzer, Publikum und Elektorat sich von der Politik machen können, ist maßgeblich geprägt durch die Strukturen und Funktionen des Politainment. Politik im Unterhaltungsformat ist daher an der Schwelle vom 20. ins 21. Jahrhundert zu einer zentralen Bestimmungsgröße von politischer Kultur geworden.“(Dörner 2001: 31)Google Scholar
  9. 13.
    Nachfolger dieser Sendung ist der „Presseclub“, der seit Jahren im Wechsel von Gerhard Fuchs (Chefredakteur BR) und Fritz Pleitgen (inzwischen WDR-Intendant) moderiert wird (vgl. den Beitrag von Nieland in diesem Band).Google Scholar
  10. 14.
    Trotz unterschiedlicher Untersuchungsdesigns, -stichproben und Analyseverfahren stimmen diese Befunde weitgehend mit den Ergebnissen der kontinuierlichen Programmanalyse im Auftrag der ARD/ZDF-Medienkommission überein (vgl. Krüger 2000: 284). Diese leiden jedoch an einer uneinheitlichen und intransparenten Zuordnung einzelner Sendungen. So wird z.B. „Sabine Christiansen“(ARD) als Talkshow eingeordnet, der „Presseclub“(ARD) jedoch nicht. Demgegenüber klassifiziert die Programmanalyse im Auftrag der Landesmedienanstalten zunächst alle Talkshows als redaktionelle Informationssendungen. Erst durch eine Themenanalyse werden die unterschiedlichen Inhalte der Sendungen a posteriori ermittelt (vgl. Weiß 1999: 70–85).Google Scholar
  11. 15.
    Offenbar passt die aktuelle Entwicklung der Programmstrukturen in die Argumentation der Konvergenzthese (vgl. bspw. Schatz/Immer/Marcinkowski 1989; Schatz 1994; BrunssodassMarcinkowski 1996); vgl. Weiß/Trebbe 2001: 82.Google Scholar
  12. 16.
    Zur Rolle der Daily Talks im Alltag Jugendlicher vgl. Paus-Haase et al. 1999 sowie Göttlich et al. 2001.Google Scholar
  13. 22.
    Mitte Januar 2000 startete auf n-tv auch die tägliche (politische) Diskussionssendung „Maischberger“. Diese von Sandra Maischberger moderierte und von Friedrich Küppersbusch (früher „ZAK“und „Privatfernsehen“, WDR bzw. ARD) produzierte Sendung tritt mit dem Anspruch auf, zur deutschen „Larry-King-Show“(CNN) aufzusteigen; vgl. auch Gäbler 2001: 20–21.Google Scholar
  14. 25.
    Zur Methode der qualitativen Analyse audiovisuell vermittelter Botschaften vgl. auch die klassischen Arbeiten der linguistischen Gesprächsanalyse, insbesondere Heritage et al. 1988; Brinkner/Sager 1989.Google Scholar
  15. 26.
    Die ersten vier Sendungen widmen sich den Themen „Filz/Affären“, „Verkehr“, „Arbeitsmarkt“und „Bildung“. Dabei handelt es sich um jene vier Themenkomplexe, die aus Parteien-, Medien- und Bevölkerungssicht ganz oben auf der Wahlkampfagenda stehen (vgl. den Beitrag von Hüning/Tenscher in diesem Band).Google Scholar
  16. 29.
    Zu den unterschiedlichen diskursiven und inhaltlichen Strategien von Politikern in Fernsehgesprächen, wie z.B. Angriffs- oder Verteidigungsstrategie, vgl. Schrott 1990; Schütz 1995; Meyer et al. 2000.Google Scholar
  17. 39.
    Zum Auftritt Westerwelles im Big-Brother-Container (Herbst 2000) vgl. Brosda 2001.Google Scholar
  18. 41.
    In den USA war bereits in den 80er Jahren zu beobachten, dass die Grenzen zwischen den Nachrichten-und den Unterhaltungsabteilungen der Networks verwischt wurden: Nicht mehr die Nachrichten-, sondern die Unterhaltungsabteilungen produzierten Informationsmagazine. Unterhaltungsstars anstelle von journalistisch ausgebildeten Moderatoren führten durch die Sendungen (vgl. Schütte 1997: 161).Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2002

Authors and Affiliations

  • Jörg-Uwe Nieland
  • Jens Tenscher

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