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Sozialforschung auf der Grundlage einer Lebenslaufperspektive

  • Wolfgang Voges
Part of the Biographie und Gesellschaft book series (BUG, volume 1)

Zusammenfassung

Die Differenzierung der Gesellschaftsmitglieder nach dem Lebensalter diente stets dazu, im Prozeß der Vergesellschaftung Zäsuren zu schaffen, altersspezifische Handlungsmuster bereitzustellen, Identitätsstabilität bei Statuspassagen zu gewährleisten und auch der Gesellschaft eine relativ eindeutige Setzung von Verhaltenserwartungen zu ermöglichen. Mit der technologisch-industriellen Entwicklung, durch ökonomische Verbesserungen und medizinischen Fortschritt sanken die Sterbeziffern und die mittlere Lebenserwartung stieg an. Die verlängerte Lebenserwartung und die veränderten Lebensabschnitte haben einen enormen sozialen Wandel bewirkt. Dieser Wandel verbannte den Tod aus der Kindheit, nahm ihm den Charakter des allgegenwärtigen, jederzeit eintretbaren Ereignisses und brachte ein „standardisiertes Sterben“ im höheren Lebensalter (Imhof 1982). Im Verlauf dieses „Modernisierungsprozesses“ erfolgte ein Übergang „von der unsicheren zur sicheren Lebenszeit“ (Imhof 1984). Aber nicht nur der Tod ist zeitlich standardisiert worden, sondern auch die gesellschaftliche Organisation des Lebensverlaufs. Der Abfolge individueller Lebensereignisse ist der Charakter des Zufälligen genommen worden, der Lebenslauf wurde als Prozeß mit vorhersagbaren und planbaren Wendepunkten konstituiert (Kohli 1985).

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Copyright information

© Leske Verlag + Budrich GmbH, Leverkusen 1987

Authors and Affiliations

  • Wolfgang Voges

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