Advertisement

Begegnung und Verbindung

  • Rudolf Hilf

Zusammenfassung

Mit keinem anderen slawischen Volk ist das deutsche eine derart enge Symbiose eingegangen wie mit dem tschechischen. Dreißig Generationen hindurch stehen Tschechen und Deutsche in intensivem Austausch auf alien geschichtlich relevanten Gebieten. Zeitweise war Prag nicht nur die Hauptstadt Böhmens, sondern auch Zentrum jenes Reichs, das zwar nicht, wie später fälschlich interpretiert wurde, der Nationalstaat der Deutschen, wohl aber die politische Form war, in der sich das deutsche Volk durch achthundert Jahre verwirklichte. Als im vorigen Jahrhundert zwischen den beiden deutschen Hauptmächten Österreich und Preußen die Entscheidung über die künftige staatliche Organisierung Deutschlands fiel, geschah dies (1866) auf einem böhmischen Schlachtfeld. In den böhmischen Ländern selbst waren Tschechen und Deutsche vom beginnenden Mittelalter bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts Glieder einer politischen Familie, der böhmischen Nation, wenngleich dieser Nationsbegriff nicht identisch ist mit jenem des modernen Sprach- und Staatsvolkes. Allerdings haben sich die beiden Stämme der böhmischen Länder nicht zu einem Volk und einer neuen Sprache verschmolzen wie das mit den mittelalterlichen Stämmen z.B. in England, Frankreich oder Italien geschah. Sie gehörten zwar einer politischen Staatsnation an, lebten aber bloß mit- und nebeneinander. Die Symbiose war daher in all ihrer Kostbarkeit gefährdet.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1995

Authors and Affiliations

  • Rudolf Hilf

There are no affiliations available

Personalised recommendations