Advertisement

Wie responsiv sind die Massenmedien?

Theoretische Überlegungen und empirische Ergebnisse zum Verhältnis von Medien und Politik
  • Jürgen Gerhards

Zusammenfassung

„Der Forschungsstand im Bereich Öffentlichkeit und öffentliche Meinung erweist sich als unbefriedigend. Es gibt ein Defizit an theorierelevantem empirischen Wissen.“ Mit diesen Worten leitete Friedhelm Neidhardt 1990 eine kleine Broschüre ein, in der die ersten empirischen Projekte der Abteilung „Öffentlichkeit und soziale Bewegung“ des Wissenschaftszentrums Berlin beschrieben wurden. Neidhardt ist 1988 zum Direktor dieser neugegründeten Abteilung des Wissenschaftszentrums berufen worden und leitet diesen Forschungsbereich seit diesem Zeitpunkt. Es ist sicherlich mit sein Verdienst, daß Forschungen zum Thema Öffentlichkeit auf die Agenda soziologischer Bemühungen kamen und das beschriebene Defizit in den letzten Jahren, wenn auch nicht behoben, so doch abgebaut wurde (vgl. Neidhardt 1994; 1994a; 1995; 1996). Dabei standen von allem Anfang an die politischen Funktionen von Öffentlichkeit im Fokus seiner Analysen. Und wie häufig in den Arbeiten von Neidhardt, spielten Fragen der Rationalität und die Suche nach Gütekriterien zur Beurteilung von Strukturen öffentlicher Kommunikation eine gewichtige Rolle: Wer soll eigentlich öffentlich kommunizieren? Welche Strukturen erhöhen die Selbstkontrolle medialer Kommunikation? Gibt es Möglichkeiten der Validierung des öffentlich Gesagten, und welches sind die Bedingungen dafür, daß öffentliche Kommunikation nicht zu einer Agitationsöffentlichkeit verkommt? Diese und andere normative Fragen dienen ihm als Problemaufhängung zur Formulierung von Forschungsfragen.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. Alexander, Jeffrey C., 1987: What is Theory? S. 1–21 in: Jeffrey C. Alexander, Twenty Lectures: Sociological Theory. New York: Columbia University Press.Google Scholar
  2. Bentele, Günter, 1993: Wie wirklich ist die Medienwissenschaft? Einige Anmerkungen zum Konstruktivismus und Realismus in der Kommunikationswissenschaft. S. 152–171 in: Günter Bentele und Manfred Rühl (Hg.): Theorien öffentlicher Kommunikation. München: Ölschläger.Google Scholar
  3. Berg, Klaus, und Marie-Luise Kiefer, 1996: Massenkommunikation V. Eine Langzeitstudie zur Mediennutzung 1964-1995. Baden-Baden: Nomos.Google Scholar
  4. Brettschneider, Frank, 1995: Öffentliche Meinung und Politik. Eine empirische Studie zur Responsivitåt des Deutschen Bundestages zwischen 1949 und 1990. Opladen: Westdeutscher Verlag.Google Scholar
  5. Cohen, Joshua, 1989: Deliberation and Democratic Legitimacy. S. 17–34 in: Alan Hamlin und Philip Pettit (Hg.): The Good Polity. Normative Analysis of the State. Cambridge: Blackwell.Google Scholar
  6. Czerwick, Edwin, 1987: Parlament und Politikvermittlung. S. 161–183 in: Ulrich Sarcinelli (Hg.): Politikvermittlung. Beiträge zur politischen Kommunikationskultur. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.Google Scholar
  7. Dahl, Robert A., 1989: Democracy and its Critics. New Haven, London: Yale University Press.Google Scholar
  8. Dahlgren, Peter und Colin Sparks (Hg.), 1991: Communication and Citizenship. Journalism and the Public Sphere. London und New York: Routledge.Google Scholar
  9. Döbert, Rainer, 1996: § 218 vor dem Bundesverfassungsgericht. Verfahrenstheoretische Überlegungen zur sozialen Integration. S. 327–370 in: Wolfgang van den Daele und Friedhelm Neidhardt (Hg.): Kommunikation und Entscheidung. Jahrbuch des WZB 1996. Berlin: Edition Sigma.Google Scholar
  10. Eilders, Christiane, 1997: Nachrichtenfaktoren und Rezeption. Eine empirische Analyse zur Auswahl und Verarbeitung politischer Informationen. Opladen: Westdeutscher Verlag.Google Scholar
  11. Etzioni, Amitai, 1968: The Active Society. A Theory of Societal and Political Processes. New York: The Free Press.Google Scholar
  12. Galtung, Johan und Mari Holmboe Ruge, 1965: The Structure of Foreign News. The Presentation of the Congo, Cuba and Cyprus Crises in Four Norwegian Newspapers. Journal of Peace Research 2: 64–91.CrossRefGoogle Scholar
  13. Gerhards, Jürgen, 1991a: Funktionale Differenzierung und Prozesse der Entdifferenzierung. S. 261–280 in: Hans Rudi Fischer (Hg.): Autopoiesis. Eine Theorie im Brennpunkt der Kritik. Heidelberg: Carl Auer.Google Scholar
  14. Gerhards, Jürgen, 1991: Die Macht der Massenmedien und die Demokratie: Empirische Befunde. Discussion Paper FS II, Wissenschaftszentrum Berlin: 91–108.Google Scholar
  15. Gerhards, Jürgen, 1997: Diskursive versus liberale Öffentlichkeit: Eine empirische Auseinandersetzung mit Jürgen Habermas. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 49: 1–39.Google Scholar
  16. Gerhards, Jürgen und Monika Lindgens, 1995: Diskursanalyse im Zeit-und Ländervergleich. Methodenbericht über eine systematische Inhaltsanalyse zur Erfassung des öffentlichen Diskurses über Abtreibung in den USA und in der Bundesrepublik in der Zeit von 1970 bis 1994. Discussion Paper FS III 95-105: Wissenschaftszentrum Berlin.Google Scholar
  17. Gerhards, Jürgen, Friedhelm Neidhardt und Dieter Rucht, 1998: Zwischen Palaver und Diskurs. Strukturen öffentlicher Meinungsbildung am Besipiel der deutschen Diskussion zur Abtreibung. Opladen: Westdeutscher Verlag.Google Scholar
  18. Habermas, Jürgen, 1989: Volkssouveränität als Verfahren. Ein normativer Begriff von Öffentlichkeit. Merkur 43: 465–477.Google Scholar
  19. Habermas, Jürgen, 1992: Faktizität und Geltung. Beiträge zur Diskurstheorie des Rechts und des demokratischen Rechtsstaats. Frankfurt a. M: Suhrkamp.Google Scholar
  20. Herzog, Dietrich, Hilke Rebenstorf, Camilla Werner und Bernhard Weßels, 1990: Abgeordnete und Bürger. Ergebnisse einer Befragung der Mitglieder des 11. Deutschen Bundestages und der Bevölkerung. Opladen: Westdeutscher Verlag.Google Scholar
  21. Jarren, Otfried, 1988: Politik und Medien im Wandel: Autonomie, Interdependenz oder Symbiose? Anmerkungen zur Theoriedebatte in der politischen Kommunikation. Publizistik 33: 619–632.Google Scholar
  22. Kaase, Max, 1986: Massenkommunikation und politischer Prozeß. S. 357–374 in: Max Kaase (Hg.): Politische Wissenschaft und politische Ordnung. Analysen zu Theorie und Empirie demokratischer Regierungsweise. Festschrift zum 65. Geburtstag von Rudolf Wildenmann. Opladen: Westdeutscher Verlag.Google Scholar
  23. Kaase, Max, 1989: Fernsehen, gesellschaftlicher Wandel und politischer Prozeß. S. 97–117 in: Max Kaase und Winfried Schulz (Hg.): Massenkommunikation. Theorien, Methoden, Befunde (Sonderheft 30 der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie). Opladen: Westdeutscher Verlag.Google Scholar
  24. Kaase, Max, 1998: Demokratisches System und die Mediatisierung von Politik. erscheint in Ulrich Sarcinelli (Hg.): Politikvermittlung und Demokratie in der Mediengesellschaft. Opladen: Westdeutscher Verlag.Google Scholar
  25. Kepplinger, Hans Mathias, 1985: Die aktuelle Berichterstattung des Hörfunks. Eine Inhaltsanalyse der Abendnachrichten und politischen Magazine. Freiburg und München: Karl Alber.Google Scholar
  26. Kepplinger, Hans-Mathias, 1993: Erkenntnistheorie und Forschungspraxis des Konstruktivismus. S. 118–125 in: Günter Bentele und Manfred Rühl (Hg.): Theorien öffentlicher Kommunikation. München: Ölschläger.Google Scholar
  27. Kepplinger, Hans Mathias, 1994: Publizistische Konflikte. Begriffe, Ansätze, Ergebnisse. S. 214–233 in: Friedhelm Neidhardt (Hg.): Öffentlichkeit, öffentliche Meinung und soziale Bewegungen (Sonderheft 34 der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie). Opladen: Westdeutscher Verlag.Google Scholar
  28. Kuklinski, James H., Ellen Riggle, Victor Ottati, Norbert Schwaz und Robert S. Wyer, Jr. 1991: The Cognitive and Affective Bases of Political Tolerance Judgements, in: American Journal of Political Science 35: 1–27.CrossRefGoogle Scholar
  29. Luhmann, Niklas, 1970: Soziologie des politischen Systems. S. 154–177 in: Niklas Luhmann, Soziologische Aufklärung. Aufsätze zur Theorie sozialer Systeme, Band 1. Opladen: Westdeutscher Verlag.Google Scholar
  30. Luhmann, Niklas, 1971: Öffentliche Meinung. S. 9–34 in: Niklas Luhmann, Politische Planung. Aufsätze zur Soziologie von Politik und Verwaltung. Opladen: Westdeutscher Verlag.Google Scholar
  31. Luhmann, Niklas, 1990: Gesellschaftliche Komplexität und öffentliche Meinung. S. 170–182 in: Niklas Luhmann, Soziologische Aufklärung 5. Konstruktivistische Perspektiven. Opladen: Westdeutscher Verlag.Google Scholar
  32. Luhmann, Niklas, 1993: Die Beobachtung der Beobachter im politischen System: Zur Theorie der öffentlichen Meinung. S. 77–86 in: Jürgen Wilke (Hg.): Öffentliche Meinung. Theorien, Methoden, Befunde. Freiburg und München: Karl Alber.Google Scholar
  33. Luhmann, Niklas, 1996: Die Realität der Massenmedien. Opladen. Westdeutscher Verlag.Google Scholar
  34. Manin, Bernhard, 1987: On Legitimacy and Political Deliberation. Political Theory 15: 338–368.CrossRefGoogle Scholar
  35. Marcinkowski, Frank, 1993: Publizistik als autopoietisches System. Politik und Massenmedien. Eine systemtheoretische Analyse. Opladen: Westdeutscher Verlag.Google Scholar
  36. Merten, Klaus, 1993: Kommentar zu Klaus Krippendorf S. 52–58 in: Günter Bentele und Manfred Rühl (Hg.): Theorien öffentlicher Kommunikation. München: Ölschläger.Google Scholar
  37. Merten, Klaus, Siegfried J. Schmidt und Siegfried Weischenberg (Hg.), 1994: Die Wirklichkeit der Medien. Opladen: Westdeutscher Verlag.Google Scholar
  38. Miller, David, 1992: Deliberative Democracy and Social Choice, Political Studies XL Special Issue: 54–67.Google Scholar
  39. Miller, Warren E. und Donald E. Stokes, 1963: Constituency Influence in Congress, in: American Political Science Review 57: 45–56.CrossRefGoogle Scholar
  40. Neidhardt, Friedhelm, 1994: Öffentlichkeit, öffentliche Meinung, soziale Bewegungen. S. 7–41 in: Friedhelm Neidhardt (Hg.): Öffentlichkeit, öffentliche Meinung, soziale Bewegungen (Sonderheft 34 der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie). Opladen: Westdeutscher Verlag.Google Scholar
  41. Neidhardt, Friedhelm, 1994a: Die Rolle des Publikums. Anmerkungen zur Soziologie politischer Öffentlichkeit. S. 315–328 in: Hans-Ulrich Derlien, Uta Gerhardt und Fritz W. Scharpf (Hg.): Systemrationalität und Partialinteresse. Festschrift für Renate Mayntz. Baden-Baden: Nomos.Google Scholar
  42. Neidhardt, Friedhelm, 1995: Prominenz und Prestige. Steuerungsprobleme massenmedialer Öffentlichkeit. S. 233–245 in: Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (Hg.): Jahrbuch 1994. Berlin: Akademie-Verlag.Google Scholar
  43. Neidhardt, Friedhelm, 1996: Öffentliche Diskussion und politische Entscheidung. Der deutsche Abtreibungskonflikt 1970-1994. S. 53–82 in: Wolfgang van den Daele und Friedhelm Neidhardt (Hg.): Kommunikation und Entscheidung. Jahrbuch des WZB 1996. Berlin: Edition Sigma.Google Scholar
  44. Noelle-Neumann, Elisabeth, und Rainer Mathes, 1987: The “Event as Event” and the “Event as News”: The Significance of “Consonance” for Media Effects Research. European Journal of Communication 2: 391–414.CrossRefGoogle Scholar
  45. Peters, Bernhard, 1994: Der Sinn von Öffentlichkeit. S. 42–76 in: Friedhelm Neidhardt (Hg.): Öffentlichkeit, öffentliche Meinung und soziale Bewegungen (Sonderheft 34 der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie). Opladen: Westdeutscher Verlag.Google Scholar
  46. Pfetsch, Barbara, 1991: Politische Folgen der Dualisierung des Rundfunksystems in der Bundesrepublik Deutschland. Konzepte und Analysen zum Fernsehangebot und zum Publikumsverhalten. Baden-Baden: Nomos.Google Scholar
  47. Rucht, Dieter, 1994: Modernisierung und neue soziale Bewegungen. Deutschland, Frankreich und USA im Vergleich. Frankfurt a. M.: Campus.Google Scholar
  48. Sarcinelli, Ulrich, 1987: Politikvermittlung und demokratische Kommunikationskultur. S. 19–45 in: Ulrich Sarcinelli (Hg.): Politikvermittlung. Beiträge zur politischen Kommunikationskultur. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.Google Scholar
  49. Schulz, Winfried, 1976: Die Konstruktion von Realität in den Nachrichtenmedien. Analyse der aktuellen Berichterstattung. Freiburg und München: Karl Alber.Google Scholar
  50. Schulz, Winfried, 1987: Politikvermittlung durch Massenmedien. S. 129–144 in: Ulrich Sarcinelli (Hg.): Politikvermittlung. Beiträge zur politischen Kommunikationskultur. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.Google Scholar
  51. Schulz, Winfried, 1997: Politische Kommunikation. Theoretische Ansätze und Ergebnisse empirischer Forschung. Opladen: Westdeutscher Verlag.Google Scholar
  52. Schumpeter, Joseph A., 1993: Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie. Tübingen und Basel: Francke Verlag.Google Scholar
  53. Staab, Joachim Friedrich, 1990: Nachrichtenwert-Theorie. Formale Struktur und empirischer Gehalt. Freiburg und München: Karl Alber.Google Scholar
  54. Uppendahl, Herbert, 1981: Repräsentation und Responsivität. Bausteine einer Theorie responsiver Demokratie, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen 1: 123–134.Google Scholar
  55. Warren, Mark, 1992: Democratic Theory and Self Transformation. American Political Science Review 86: 8–23.CrossRefGoogle Scholar
  56. Weissberg, Robert 1978: Collective vs. Dyadic Representation in Congress, in: American Political Science Review 72: 535–547.CrossRefGoogle Scholar
  57. Weßels, Bernhard, 1993: Politische Repräsentation als Prozeß gesellschaftlich-parlamentarischer Kommunikation. S. 99–137 in: Dietrich Herzog, Hilke Rebenstorf und Bernhard Weßels (Hg.): Parlament und Gesellschaft. Opladen: Westdeutscher Verlag.Google Scholar
  58. Wittkämper, Gerhard W., Jürgen Bellers, Jürgen Grimm und Michael Heiks, 1992: Pressewirkungen und außenpolitische Entscheidungsprozesse -Methodologische Probleme der Analyse. S. 150–168 in: Gerhard Wittkämper (Hg.): Medien und Politik. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen/Wiesbaden 1999

Authors and Affiliations

  • Jürgen Gerhards

There are no affiliations available

Personalised recommendations