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Formaltestat oder materielle Prüfung

  • Wolfgang Mag
  • Günter Sieben
  • Ruppert Siemon
  • Günter Klein
Chapter
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Part of the Bochumer Beiträge zur Unternehmungsführung und Unternehmensforschung book series (BBUU, volume 20)

Zusammenfassung

Das mir vorgegebene Thema „Formaltestat oder materielle Prüfung“, das ich für meine Untersuchung vereinfachend mit der Frage „Mehr materielle Prüfung?“übersetzen möchte, spielt in der Diskussion um den Stellenwert der aktienrechtlichen Jahresabschlußprüfung eine gewichtige Rolle. Angesichts zahlreicher Unternehmenszusammenbrüche bei teilweise kurz zuvor noch als ordnungsmäßig testierten Jahresabschlüssen hat sich — gefördert durch entsprechende Darstellungen in der Presse — in weiten Teilen der Öffentlichkeit das Bild vom „hakelmachenden“Wirtschaftsprüfer festgesetzt, von einem in formalistischer Betrachtungsweise verharrenden Prüfer also, der das Wesentliche, das „Materielle“, das, was die ökonomische Situation eines Unternehmens ausmacht oder zumindest signalisieren sollte, nicht erkennt oder nicht erkennen will und der daher als Krisenwarner zwangsläufig versagen muß1.

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Literatur

  1. 1.
    Vgl. zur pointierten Kritik der Öffentlichkeit an den Wirtschaftsprüfern o. V.: Abgehakt und blind gesiegelt, in: Manager Magazin 1975, Nr. 1, S. 62 ff.; Norner, P.: Mehr geglaubt als geprüft, in: Der Spiegel, 1975, Heft Nr. 11, S. 54 ff.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. zu einer genaueren Analyse Knief, P.: Der Wirtschaftsprüfer im Spannungsfeld zwischen gesetzlichem Auftrag und öffentlicher Erwartung, in: BFuP, 28. Jg. (1976), S. 114 ff.Google Scholar
  3. 3.
    Zum Begriff der Erwartungslücke vgl. Olson, W.: A look at the Responsibility Gap, in: Journal of Accountancy, 1975, S. 35 ff.Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. dazu auch Goetzke, W.: Grundmodelle wirtschaftlicher Kontrolle und aktienrechtliche Jahresabschlußprüfung, in: BFuP, 28. Jg. (1976), S. 151 ff.Google Scholar
  5. 5.
    Vgl. u. a. Voss, W.: Formelle und materielle Revision, in: Archiv für das Revisions- und Treuhandwesen, 27. Jg. (1931), S. 5 ff. und die dort angegebene Literatur.Google Scholar
  6. 6.
    Innerhalb der einzelnen Kriterien ergeben sich folgende entgegengesetzte Indikatoren für den formellen oder materiellen Charakter einer gegebenen Prüfung:Google Scholar
  7. — Feststellung der Ordnungsmäßigkeit versus Feststellung der Zweckmäßigkeit (Prüfungszwecke);Google Scholar
  8. — Bilanz- und Buchprüfung versus Gesehäftsführungsprüfung (Prüfungsobjekt);Google Scholar
  9. — Prüfung rein ziffernmäßiger, buchhalterischer Übereinstimmung versus Prüfung der den Zahlen zugrundeliegenden tatsächlichen Sachverhalte (Prüfungshandlungen) sowieGoogle Scholar
  10. — Prüfung von Form, Ausdruck, Oberfläche versus Materie, Inhalt, Tiefe (Prüfungsintensität).Google Scholar
  11. 7.
    Vgl. dazu Lück, W.: Materiality in der internationalen Rechnungslegung. Das pflichtgemäße Ermessen des Abschlußprüfers und der Grundsatz der Wesentlichkeit, 1975.Google Scholar
  12. 8.
    Vgl. den Meinungsspiegel in BFuP, 28. Jg. (1976), S. 206 ff.Google Scholar
  13. 9.
    Wenn keine hinreichend präzisen Prüfungsnormen existieren, dann „ist die Zuordnung von Urteilen zu Prüfobjekten vollkommen in das Ermessen der einzelnen Prüfer gestellt, was zur Folge hat, daß der Urteilsempfänger keine Möglichkeit zu einem Rückschluß vom Urteil auf den Zustand der jeweiligen Prüfungsobjekte hat und im Grunde nicht mehr weiß, als daß Prüfer A in Unternehmung B irgendwie prüfend tätig gewesen ist.“S. hierzu auch Sieben, G., Bretzke, W.-R., Raulwing, H.: Zur Problematik einer Prüfung von Managementleistungen, in: BFuP, 28. Jg. (1976), S. 181 ff., hier S. 185.Google Scholar
  14. 10.
    Vgl. zu einer ausführlichen Erörterung des Zusammenhangs zwischen dem Formalisierungsgrad einer Prüfung und ihrem Nutzen für die Empfänger des Prüfurteils auch Sieben, G., Bretzke, W.—R.: Zur Frage der Automatisierbarkeit von Beurteilungsprozessen bei der Jahresabschlußprüfung, in: WPg, 25. Jg. (1972), S. 321 ff.Google Scholar
  15. 11.
    Vgl. hierzu insbesondere Busse von Colbe, W.: Aufbau und Informationsgehalt von Kapital-flußrechnungen, in: ZfB, 1966, S. 82 ff.; ders.: Kapitalflußrechnungen als Berichts-und Planungsinstrument, in: Schriften zur Unternehmensführung, hrsg. von H. Jacob, Bd. 6/7, 1968, S. 9 ff.;Google Scholar
  16. 11a.
    von Wysocki, K.: Die Kapitalflußrechnung als integrierter Bestandteil des aktienrechtlichen Jahresabschlusses, in: WPg, 24. Jg. (1971). S. 617 ff.Google Scholar
  17. 12.
    Vgl. dazu auch Sieben, G.: Geldwertänderung und Bilanz, in: BB 1971, Beilage zu Heft 26/71, S. 61 ff.; ders.: Kritische Würdigung der externen Rechnungslegung unter besonderer Berücksichtigung von Scheingewinnen, in: ZfbF 1974, S. 153 ff.;Google Scholar
  18. 12a.
    Sieben, G. und Schildbach, T.: Substanzerhaltung und anteilige Fremdfinanzierung. Ein Beitrag zur Behandlung des Schuldenproblems in Jahresabschlüssen bei Geldentwertung, in: BFuP, 25. Jg. (1973), S. 577 ff.Google Scholar
  19. 13.
    Vgl. hierzu u. a. Guy, D. M.: Auditing Procedures for projected financial statements: A suggested approach, in: Canadian Chartered Accountant, 1972, S. 20 ff.;Google Scholar
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    Vgl. hierzu u. a. Dierkes, M.: Die Sozialbilanz. Ein gesellschaftsbezogenes Informationsund Rechnungssystem, 1974;Google Scholar
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    Löcherbach, G.: Die Sozialbilanz. Ein neues Konzept der Rechenschaftslegung, in: BB 1975, S. 401 ff.;Google Scholar
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    Vgl. hierzu in der angelsächsischen Literatur u. a. Baden, E. J.: Management Audit, in: The Accountants Magazine, 1968, S. 520 ff.;Google Scholar
  28. 15a.
    Langenderfer, H. Q., Robertson, J. C.: A Theoretical Structure for Independent Audits of Management, in: The Accounting Review, 1969, S. 777 f.; Carmichael, D. R.: Some Hard Questions on Management Audits, in: The Journal of Accountancy, 1970, S. 72 ff.; Burton, J. C.: Management Auditing, in: The Journal of Accountancy, 1968, S. 41 ff.Google Scholar
  29. 16.
    Einen Einblick in die (vom Prognosenprüfer nachzuvollziehenden) grundsätzlichen Probleme der Erstellung und Begründung von Prognosen vermittelt Bretzke, W.-R.: Möglichkeiten und Grenzen einer wissenschaftlichen Lösung praktischer Prognoseprobleme, in: BFuP, 27. Jg. (1975), S. 496 ff. Zur Frage der Prüfung publizierter Prognosen vgl. auch Puckler, G. H.: Eine weitere Herausforderung an den Wirtschaftsprüfer, in: WPg, 27. Jg. (1974), S. 157 ff.;Google Scholar
  30. 16a.
    Peiffer, H. H.: Möglichkeiten und Grenzen der Prüfung von Prognosen im Geschäftsbericht, in: WPg, 27. Jg. (1974), S. 159 ff. und S. 186 ff.;Google Scholar
  31. 16b.
    Bretzke, W.-R.: Zur Frage der Überprüfbarkeit von Prognosen im Geschäftsbericht, in: WPg, 27. Jg. (1974), S. 252 ff.;Google Scholar
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  33. 16d.
    Bechtel, W., Köster, H., Steenken, H.-U.: Die Veröffentlichung und Prüfung von Vorhersagen über die Entwicklung von Unternehmungen, in: Bilanzfragen, Festschrift für U. Leffson, hrsg. von J. Baetge, A. Moxter und D. Schneider, 1976, S. 207 ff.Google Scholar
  34. 17.
    Vgl. hierzu auch Löcherbach, G.: Die „Sozialbilanz“als Informations- und Rechenschaftslegungsinstrument der Unternehmung, in: BFuP, 28. Jg. (1976), S. 53 ff. und die dort angeführte Literatur.Google Scholar
  35. 18.
    Außerdem ist in diesem Zusammenhang auf die mögliche Eigendynamik veröffentlichter Prognosen in sozialen Systemen hinzuweisen: Publizierte Prognosen können sich, da sie das Verhalten der jeweiligen Adressaten beeinflussen, durch ihre Veröffentlichung sowohl selbst bestätigen als auch selbst aufheben. Die ohnehin schon schwierige Problematik der Ex-post-Beurteilung von Prognosen wird durch solche „self-fulfilling“bzw. „self-destroying prophecies“noch erheblich erschwert.Google Scholar
  36. 19.
    Vgl. hierzu Sieben, G., Bretzke, W.-R., Raulwing, H.: Zur Problematik…, a. a. O.Google Scholar

Copyright information

© Dr. Th. Gabler-Verlag · Wiesbaden 1977

Authors and Affiliations

  • Wolfgang Mag
    • 1
  • Günter Sieben
    • 2
  • Ruppert Siemon
    • 3
  • Günter Klein
    • 3
  1. 1.BochumDeutschland
  2. 2.KölnDeutschland
  3. 3.DüsseldorfDeutschland

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