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Von der zweiten in die dritte Welt? Zur politischen Ökonomie Rußlands

  • Arno Klönne

Zusammenfassung

Historisch-politisches Erinnerungsvermögen reicht in vielen Fällen nicht dazu hin, katastrophale Erfahrungen der Vergangenheit im Gedächtnis zu behalten; es tut sich offenbar auch schwer damit, vergangene hochfliegende Erwartungen zu memorieren. Es sind noch keine zehn Jahre verstrichen, seitdem im Zeichen der Gorbatschow-Politik die damals nach den USA rangierende zweite Weltmacht sich von ihrem staatssozialistisch-imperialen Anspruch verabschiedete und westlichen Politikidealen zuwandte; es verband sich damit die Hoffnung auf eine weltweite Durchsetzung der „Zivilgesellschaft“ und, was das Territorium der UdSSR anging, auf Wohlstandsökonomie, liberale politische Kultur und friedliche Zusammenarbeit der Nationen. Die Vormacht der „zweiten Welt“, so wurde vielfach der epochale Umbruch gedeutet, hatte ohne Gewaltausbrüche den Systemwechsel angebahnt, für sich selbst und für die von ihr dominierten anderen Staaten, und sie machte sich nun auf den Weg in die „erste Welt“, — ökonomisch, politisch und ideologisch. Die Marktwirtschaft, so die vorherrschende Interpretation, werde nun in der postsowjetischen Gesellschaft schon bald einen Zustand herbeiführen, den der Kommunismus nur versprochen hatte, aber nicht realisieren konnte: Prosperität für die breite Masse der Bevölkerung, Rechtssicherheit, Demokratie, technologischer und wissenschaftlicher Fortschritt, Gleichberechtigung der ethnischen Gruppen. „Transformation“ — dieser wissenschaftlich für den Umbruch in bisher kommunistischen Staaten nun eingesetzte Begriff war optimistisch gemeint, er legte die Hoffnung auf einen sozusagen planmäßig verlaufenden Wechsel von einer unfreien und kommandierten Planökonomie zur liberalen und sich selbst regulierenden Marktökonomie nahe.

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Literatur

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Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1996

Authors and Affiliations

  • Arno Klönne

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