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Zusammenfassung

  • Peter Schettgen
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Zusammenfassung

Ausgangspunkt des ersten Kapitels ist die These, daß sich die psychologische Führungsforschung gegenwärtig in einer Krise befindet. In einer Bestandsaufnahme werden vier zentrale Aspekte dieser Krise herausgearbeitet und beschrieben: Führung läßt sich nicht eindeutig definieren, kann im Hinblick auf ihre Funktionen beliebig kategorisiert werden, wird in einer beziehungslosen Vielfalt mini-theoretischer Konzeptionen behandelt und erweist sich als nicht meßbar im Sinne der empirisch-quantitativen Sozialforschung. Es ist ein gleichermaßen wünschenswerter wie megalomanischer Anspruch, die Krise der Führungspsychologie überwinden zu wollen. Daher beruht das Selbstverständnis der vorliegenden Arbeit in einem ersten Schritt auf dem Versuch, aus einer konstruktiven Kritik am aktuellen Forschungsstand alternative Ansatzpunkte für Neuorientierungen zu gewinnen, deren Brauchbarkeit sich in der Zukunft noch zeigen muß. Die aus dieser Auseinandersetzung entwickelten “Kriterien für Neuorientierungen” werden einem Analyseraster zugeordnet, das zwischen drei verschiedenen Ebenen differenziert. Auf individueller Analyseebene wird gefordert, daß eine phänomenologische Orientierung, Modelle der sozial-kognitiven Informationsverarbeitung sowie attributionstheoretische Überlegungen in stärkerem Ausmaß als bisher die systematische Reflexion von Führungsprozessen leiten. Auf interindividueller Analyseebene sollen sich die theoretischen Erwägungen auf allgemeine soziale Einflußprozesse im Rahmen dyadischer Interaktion und zwischenpersönlicher Austauschvorgänge beziehen. Und auf struktureller Analyseebene schließlich wird das Postulat aufgestellt, die dyadische Interaktion von Vorgesetzten und Mitarbeitern als kreiskausalen Rückkopplungsprozeß zu untersuchen, der nicht durch organisatorische Zielgrößen, sondern durch soziale Regeln und Normen gesteuert wird. Die Konstruktion des Analyserasters eröffnet die Möglichkeit, das Vorgesetzten-Mitarbeiter-Verhältnis als institutionalisierte Beziehung zu begreifen, die in ihrer Dynamik sowohl durch individuelle als auch durch strukturelle Einflußgrößen reguliert wird. Damit wird die enge Perspektive der traditionellen Führungsforschung um die Frage erweitert, wie man sich wechselseitige Wahmehmungs- und Einflußprozesse in einem Spezialfall zwischenmenschlicher Beziehung vorstellen kann, die durch ein Machtgefälle und die Einbettung in ein organisatorisches Setting gekennzeichnet ist.

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© Deutscher Universitäts-Verlag GmbH, Wiesbaden 1991

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