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Überleitung

  • Jörg Pflüger
  • Robert Schurz

Zusammenfassung

Der Begriff des ‘mechanischen Denkens’ läßt vielfältige Assoziationen zu, —allein, die Vielfalt trägt nichts zur Präzision bei. Wollte man allerdings diese Assoziationen verbieten, um möglichst schnell einen ‘operationalen’ Begriff vom mechanischen Denken zu gewinnen, mit dem es sich empirisch arbeiten läßt, so läuft man Gefahr, das Phänomen derart zu reduzieren, daß wenig von ihm übrig bleibt. Es gibt jedoch Unterschiede in der Art des Assoziierens: der ‘freien’ Reproduktion dessen, was einem in den Kopf kommt, steht eine ‘gebundene’, durch wissenschaftliche Schulung disziplinierte Assoziation gegenüber, die früher als Spekulation geehrt wurde. Beim freien Assoziieren reproduziert man meist kulturelle oder ideologische Schemata; wissenschaftliche Reflexion versucht die Phänomene aus diesen ‘spontanen’ Schemata zu lösen, indem sie auf die Bedingungen der Möglichkeit solcher Phänomene eingeht. Nichtsdestoweniger liegen beiden Weisen der Assoziation Erfahrungen zugrunde: das ideologische Schema ist Resultat einer kollektiven Verarbeitung von Erfahrungen; die wissenschaftliche Reflexion bettet solche kollektiven Verarbeitungen wie auch individuelle Eindrücke in Episteme ein, die im historischen Prozeß der Wissenschaft erworben wurden. Derart ist Spekulation kein freies Erfinden, sondern bezieht sich implizit immer auf empirische Daten. Expliziert wird die Reflexionsgestalt der Daten, nicht diese selbst. So gibt es viele populäre Vorstellungen von dem, was wir ‘mechanisches Denken’ nennen und auch eine dazugehörige Typologie. Da ist etwa das Bild des gefühlskalten und immerstrategisch vorgehenden Technokraten, der selbst noch im Intimbereich eine Kosten-Nutzen rechnung aufstellt. Es gibt weiterhin auch das Bild eines schüchternen, verklemmten, ungelenken und kurzsichtigen Menschen, der sich große Gefühle gar nicht erst leisten kann. Er war schon als Jugendlicher immer ein Außenseiter, ist unsportlich und hat wenig Glück mit dem anderen Geschlecht. Die große und komplizierte Welt beängstigt ihn, und so schafft er sich eine kleine Ordnung, deren Mechanismus er beherrscht, und innerhalb derer er relativ unangefochten leben kann. Solche Typologie wird kulturell reproduziert: im Theater, in Romanen und Filmen. Wenn man von dem Axiom ausgeht, daß jedem Mythos oder jedem kulturellem Schema eine reale Basis zugrunde liegt, so kommt man im Fall des ‘mechanischen Denkens’ nicht umhin, zu vermuten, daß diese Typologie auch in der Wirklichkeit anzutreffen ist, diese Merkmalskonstellation also öfters auftreten wird. Der Rest ist Induktion.

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References

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Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1987

Authors and Affiliations

  • Jörg Pflüger
  • Robert Schurz

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