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Hintergrund der Theoriedebatte: Die empirische Wende der frühen amerikanischen Politikwissenschaft

  • Jürgen Hartmann

Zusammenfassung

In ihrer Gründungsphase hatte die amerikanische Politikwissenschaft noch empirieferne Interessen. Es ging um Staatsund Völkerrecht, Rechtsvergleich und das Studium der Klassiker politischer Ideen. Darin drückte sich zum einen die Sozialwissenschaftsferne des späteren 19. Jahrhundert aus, zum anderen die Prägung der modernen amerikanischen Universität durch das deutsche Vorbild. Die herkömmlichen amerikanischen Universitäten hatten ein scholastisches Curriculum. Inhalte waren kanonisiert, Professoren bedienten bei Bedarf auch in anderen Fachdisziplinen, Forschung gab es kaum. Erst nach dem Sezessionskrieg bewirkten der Morrill Act — obligatorische Landschenkungen an Hochschulen bei Aufnahme neuer Staaten in die Union — und Stiftungen der Industriemagnaten des „gilded age“ eine allmähliche Reform der Universität. Viele Professoren, die jetzt dort tätig wurden, hatten in Deutschland studiert und waren vom Seminarbetrieb mit seinen Freiheiten bei der Erarbeitung von Themen und seinen offenen Diskussionen beeindruckt. Er nahm sich vorteilhaft gegen den verschulten, auch auf äußere Disziplin abstellenden Lehrbetrieb aus, den sie von ihren immer noch recht stark theologischen Inhalten verpflichteten Colleges her kannten. Diese Erfahrung fand in der Gründung von Graduiertenkollegs ihren Niederschlag, die auf selbständiges Forschen und Debattieren der Ergebnisse abstellten. In allen auf diese Weise reorganisierten Fächern stellte sich ein signifikanter Anstieg der Promotionen ein (dazu und im folgenden die disziplinhistorischen Darstellungen von Somit/Tanenhaus 1967, Ricci 1984, Seidelman 1985).

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen/Wiesbaden 1997

Authors and Affiliations

  • Jürgen Hartmann

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