Advertisement

CENTRUM pp 103-111 | Cite as

„Zumindest provisorisch“

Die Krise der Arbeitsgesellschaft und die Krise der Stadt
  • Peter Neitzke

Zusammenfassung

Die Stadt, die der Ich-Erzähler von Guido Morseliis Roman Dissipatio humani generis oder Die Einsamkeit unter einem leichten Juniregen betritt, ist leer: „Ordentlich, ruhig, auf den Straßen, auf den Plätzen, auf den Quais wie im Zentrum, so wie es in jener Nacht um zwei Uhr gewesen sein muß — aber leer. Wie viele waren es? Vierhunderttausend, vierhundertzwanzigtausend. Wie auch immer, sie waren.“ 1

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Anmerkungen

  1. 1.
    Guido Morselli, Dissipatio humani generis oder Die Einsamkeit (Dissipatio h.g.), Frankfurt am Main 1990, 9Google Scholar
  2. 2.
    Es handele sich, sagt Dahrendorf in einem Gespräch, „durchwegs um lösbare Probleme“, Probleme, „die nur zur Krise werden, wenn sie nicht oder nicht ehrlich angepackt werden“, in: „Neue Weltordnung“. Ein Gespräch mit Ralf Dahrendorf. Von Markus Haefliger, du, 5/1997Google Scholar
  3. 3.
  4. 4.
    Hartmut Häußermann, Soziale Formationen in der Stadt, Redebeitrag auf dem Kongreß ‚Die Stadt — Ort der Gegensätze’ (Oktober 1995). Die Beiträge sind nachzulesen in der gleichnamigen Sondernummer der Zeitschrift Demokratische Gemeinde. Die Monatszeitschrift für Kommunalpolitik, März 1996.Google Scholar
  5. 5.
    Warnfried Dettling, Koalition der Ideen, in: Die Zeit, 7. Mai 1998Google Scholar
  6. 6.
    Hartmut Häußermann, Zuwanderung und die Zukunft der Stadt. Neue ethnisch-kulturelle Konflikte durch die Entstehung einer neuen sozialen ‚underclass’?, in: Wilhelm Heitmeyer, Rainer Dollase, Otto Backes (Hg.), Die Krise der Städte. Analysen zu den Folgen desintegrativer Stadtentwicklung für das ethnisch-kulturelle Zusammenleben, Frankfurt am Main (edition suhrkamp 2036) 1998, 146. Vgl. die Besprechung des Buches durch Walter Siebel auf S. 130 dieser Ausgabe von CENTRUMGoogle Scholar
  7. 7.
    Hartmut Häußermann, Soziale Formationen in der Stadt, 48, sowie die in der vorliegenden Ausgabe von CENTRUM nachgedruckten Auszüge aus Hans Magnus Enzensberger, Aussichten auf den Bürgerkrieg, S. 9 und 112Google Scholar
  8. 8.
    Vgl. Georg Simmel, Die Großstädte und das Geistesleben, in: ders., Das Individuum und die Freiheit. Essais, Berlin 1984, 196 fGoogle Scholar
  9. 9.
    Vgl. dazu Manuel Eisner, Das Ende der zivilisierten Stadt? Die Auswirkungen von Modernisierung und urbaner Krise auf Ge-waltdelinquenz, Frankfurt/New York (Campus) 1997, 272Google Scholar
  10. 10.
    Vgl. die von Wilhelm Heitmeyer herausgegebene Veröffentlichung Bundesrepublik Deutschland: Auf dem Weg von der Konsens- zur Konfliktgesellschaft, Bd. 1: Was treibt die Gesellschaft auseinander?, Bd. 2: Was hält die Gesellschaft zusammen?, Frankfurt am Main (edition suhrkamp 2004, 2034) 1997Google Scholar
  11. 11.
    Vgl. dazu die Besprechung von Die Krise der Städte, a.a.O. Zu den stadtsoziologischen Überlegungen von Georg Simmel vgl. auch Walter Siebeis Beitrag Die Stadt und die Fremden, in: J. Brech, L. Vanhué (Hg.), Migration. Stadt im Wandel, Darmstadt 1997Google Scholar
  12. 12.
    Wilhelm Heitmeyer, Versagt die „Integrationsmaschine“ Stadt? in: Die Krise der Städte, a.a.O., 458 ffGoogle Scholar
  13. 13.
    In: Dahrendorf, a.a.O.Google Scholar
  14. 14.
    Viviane Forrester, Der Terror der Ökonomie, Wien 1997Google Scholar
  15. 15.
    Perspectives de l’emploi. OECD-Beschäftigungsbericht 1998, zit. nach: Tages Anzeiger, Zürich, 23.6.1998Google Scholar
  16. 16.
    Karl Marx, Grundrisse der Kritik der Politischen Ökonomie (Rohentwurf), Berlin 1953, 592Google Scholar
  17. 17.
    Dahrendorf, a.a.O.Google Scholar
  18. 18.
    Mitgeteilt von dem seinerzeitigen Redakteur der Berliner tageszeitung, Arno Widmann, in einem Gespräch mit Jürgen Habermas und ergänzt um die Bemerkung, er sehe „kein soziales Netz, das das auffangen“ könne; vgl. Jürgen Habermas, Die neue Unübersichtlichkeit, Frankfurt am Main 1996, 195Google Scholar
  19. 19.
    Zitiert nach: Peter Niggli, Arbeitslosigkeit for ever? Ein Überblick über theoretische und politische Debatten im In- und Ausland, Zürich juli 1997, 29Google Scholar
  20. 20.
    Hans-Peter Martin, Harald Schumann, Die Globalisierungsfalle. Der Angriff auf Demokratie und Wohlstand, Hamburg (Rowohlt) 61996, 11 ff. In seinem Beitrag Die verschiedenen Rhythmen von Philosophie und Politik. Zum 100. Geburtstag Herbert Marcuses, in: Neue Zürcher Zeitung, 18./19.7.1998, bestätigt dies Jürgen Habermas: „Nach einer verbreiteten Schätzung könnte in den OECD-Gesellschaften das gesamte Sozialprodukt von 20 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung erwirtschaftet werden.“Google Scholar
  21. 21.
    In ihrer Ausgabe vom 26. Februar 1998Google Scholar
  22. 22.
    Martin/Schumann, Die Globalisierungsfalle, 13Google Scholar
  23. 23.
    Wobei der Staat im Gegenzug den Unternehmen die Lohnnebenkosten abnehmen solle. Vgl. J. Rifkin, Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft, Frankfurt am Main/New York (Campus) 1995Google Scholar
  24. 24.
    Ohne Job keine Stütze. Beispiel Wisconsin, Die Zeit, 2. Juli 1998Google Scholar
  25. 25.
    Der Deal des Professors, Die Zeit, Nr. 28, 2. Juli 1998Google Scholar
  26. 26.
    Vgl. die Berichte zur arbeitsplatzschaffenden und wachstumssteigernden Ökosteuer in: Der Spiegel 25/1998 sowie in: Die Zeit, Nr. 28, 2. Juli 1998Google Scholar
  27. 27.
    Hubert Kleinen, Bündnis 90/Die Grünen, in: Der Spiegel, 9/1998Google Scholar
  28. 28.
    Giarini, O.; Patrick M. Liedtke, Wie wir arbeiten werden. Der neue Bericht an den Club of Rome, Hamburg 1998Google Scholar
  29. 29.
    Das „Mehrschichtenmodell von Arbeit“ sieht drei Schichten vor: Schicht 1: Bezahlte produktive Tätigkeit (Minimum: 29 Stunden/Woche) als existenzsicherndes Mindesteinkommen, gemeinwohlorientierte Tätigkeiten (Bildung, Gesundheitswesen, Sozialdienste), zu finanzieren aus den Finanzquellen, aus denen derzeit Arbeitslosenunterstützung, -hilfe und Sozialhilfe gezahlt werden — richtiger Gedanke: statt Finanzierung der Arbeitslosigkeit finanzielle Förderung des Tätigbleibens oder -werdens, steuerlich auf der Grundlage der ‚negativen Einkommenssteuer’ (Einkommen unter dem Mindesteinkommen werden vom Finanzamt mit einem Lohnzuschuß erhöht); Schicht 2: der klassische Sektor der Erwerbsarbeit, wobei der einzelne frei entscheiden könne, „ob und wieviel er auf dieser Ebene arbeiten möchte“; Schicht 3: „Tätigkeiten, die entweder keinen Marktwert haben oder deren Marktwert sich nicht wirklich schätzen läßt“, ehrenamtliche beispielsweise (zit. nach: Der Spiegel, 9/1998Google Scholar
  30. 30.
    1997 bei Galilée, Paris, unter dem Titel Miseres du présent — Richesse du possible erschienen; die deutsche Übersetzung erscheint 1998 bei Suhrkamp unter dem (verglichen mit dem Originaltitel wenig geglückten) Titel Arbeit zwischen Elend und Utopie. Google Scholar
  31. 31.
    zit. nach dem Vorabdruck eines Kapitels in: Widerspruch. Beiträge zur sozialistischen Politik, H. 34, Dezember 1994, 5Google Scholar
  32. 32.
    Karl Marx, a.a.O, 593Google Scholar
  33. 33.
    In der vorliegenden Ausgabe von CENTRUM, 9Google Scholar
  34. 34.
    Hans Magnus Enzensberger auf einem Symposion der Los Angeles Times (Februar 1998), in: Die Zeit, Nr. 21, 14. Mai 1998. Es geht um die Analyse der Gesetzmäßigkeiten der Kapitalbewegung, nicht um die Kritik der „politischen Folgen, die von den marxistischen Theoretikern prophezeit wurden“, vgl. Hans Magnus Enzensberger, Deutungslabyrinthe, Sackgassen, in der vorliegenden Ausgabe von CENTRUM, 9Google Scholar
  35. 35.
    Karl Marx, Das Kapital. Kritik der Politischen Ökonomie, Bd. 1, Berlin 1962, 618Google Scholar
  36. 36.
    Dieser Hinweis findet sich in Neil Smiths Beitrag Wem nützt der neue Urbanismus? (vgl. dort Anm. 13) in der vorliegenden Ausgabe von CENTRUM, 135Google Scholar
  37. 37.
    Jacques Derrida, Marx’ Gespenster, Frankfurt am Main (Fischer) 1995, 88 fGoogle Scholar
  38. 38.
    A.a.O., 95 fGoogle Scholar
  39. 39.
    A.a.O., 89Google Scholar
  40. 40.
    Wobei „die Möglichkeit einer schöpferischen Zerstörung für eine ganze Epoche, die Industrieepoche“ gemeint ist. Vgl. Ulrich Beck, Risiko Stadt — Architektur in der reflexiven Moderne, in: Ulrich Schwarz (Hg.), Risiko Stadt. Perspektiven der Urbanität, Hamburg (Junius) 1995, 41. Der Begriff „schöpferische Zerstörung“ geht auf den österreichisch-amerikanischen Ökonomen Joseph Schumpeter (1883–1950) zurück. „Die hergebrachten Industrien des Fordismus werden durch die Informations- und Kommunikationstechnologien umgewälzt und zerstört. Während in den siebziger Jahren die neuen Technologien die Industrie zu verändern begannen, erfassen sie in den neunziger Jahren die Dienstleistungsbereiche und die allgemeinen Organisationsformen der Wirtschaft. Technologisch bedingte Massenarbeitslosigkeit ist die Folge davon. Optimisten sehen aber ein neues Zeitalter der Prosperität nahen, wenn die Transformation vom Fordismus in die Informations- und Kommunikationsgesellschaft einmal vollzogen sei. Dabei wird jedoch die absolute Arbeitszeit und ihre flexible Gestaltung eine entscheidende Rolle spielen. Ohne drastische Arbeitszeitverkürzung, beziehungsweise ohne eine neue ‚Teilung der Arbeit’ sehen viele eine weitere Verschärfung der Arbeitslosigkeit und der sozialen Probleme kommen.“ Peter Niggli, a.a.O., 26Google Scholar
  41. 41.
    Zit. nach: Walter Benjamin, Über den Begriff der Geschichte, Gesammelte Schriften, Bd. 1.2, Frankfurt am Main 1974, 693Google Scholar
  42. 42.
    Karl Marx, Brief an Arnold Ruge, September 1843, in: MEW, Bd. 1,344 fGoogle Scholar
  43. 43.
    Vgl. in der vorliegenden Ausgabe von CENTRUM, 116 ffGoogle Scholar
  44. 44.
    Teile der nachfolgenden Überlegungen finden sich in: Baumeister, 10/1997.Google Scholar
  45. 45.
    Pierre Bourdieu in seiner Rede anläßlich der Verleihung des Ernst-Bloch-Preises der Stadt Ludwigshafen, in: Die Zeit, Nr. 5, 22. Januar 1998Google Scholar
  46. 46.
    Vgl. Elisabeth Blum, Wem gehört die Stadt? Armut und Obdachlosigkeit in den Metropolen, in: CENTRUM. Jahrbuch Architektur und Stadt 1996, 18 ff, sowie den gleichnamigen, von der Autorin herausgegebenen Band, Basel (Lenos) 1996Google Scholar
  47. 47.
    Thomas Sieverts, Die Stadt in der Zweiten Moderne, eine europäische Perspektive, Vortrag aus Anlaß des Tages der Diplomgeographie gelegentlich des hundertfünfzigjährigen Jubiläums des Geographischen Instituts an der Technischen Universität München, 1998Google Scholar
  48. 48.
    Rem Koolhaas, What Ever Happened to Urbanism?, in: ANY, 9 (1994)Google Scholar

Copyright information

© Friedr. Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH, Braunschweig/Wiesbaden 1998

Authors and Affiliations

  • Peter Neitzke

There are no affiliations available

Personalised recommendations