Länderprofile

  • Hans-Peter Rentzsch

Zusammenfassung

  • Basisinformationen: Das politische System Ägyptens hat seit der Präsidentschaft von Nasser vor einigen Generationen eine starke Liberalisierung erfahren. Eine gewisse Unsicherheit geht immer noch von den Drohungen der Terroristen aus. Seit 1992 gab es immer wieder Anschlage auf Regierungsstellen und Touristen. ÄAgypten ist eines der am stärksten westlich orientierten Länder im mittleren Osten. Sie werden oft international erfahrene Geschäftsleute treffen. Andererseits gibt es auch den traditionellen Typ des Geschäftsmanns. Stellen Sie sich auf beide Extreme ein.

  • Kontakte: Ägypter sind sehr höflichkeitsbewußt. Geben Sie jedem die Hand bei der Begrüßung und beim Abschied. Üblich ist die Ansprache mit dem Vornamen, aber mit dem Zusatz Mr., Mrs., Dr., usw. Titel sind sehr wichtig. Es wird jedoch mehr und mehr dazu übergegangen, den Titel mit dem Familiennamen zu gebrauchen, vor allem bei offiziellen Personen der Regierung. Es ist nicht ungewöhnlich, daß Meetings unterbrochen werden durch Telefonanrufe, Besucher und zahllose Tassen Tee. Reagieren Sie nicht ungeduldig.

  • Geschäftstips: Das traditionelle arabische Ritual für eine geschäftliche Besprechung folgt einem bestimmten Muster. Zunächst läßt man Sie warten. Je niedriger Ihr Status ist, desto länger ist die Wartezeit. Danach werden Sie in einen Raum mit mehreren Leuten geführt. Eine Person übernimmt die Rolle des Gastgebers und erkundigt sich ausführlich nach Ihrer Reise und Ihrem gesundheitlichen Befinden, bevor man zum Geschäft kommt. Die anderen Teilnehmer werden vorgestellt oder auch nicht. Ihr Gastgeber wird Ihre Präsentation nach Gutdünken mehrfach unterbrechen und sich mit den anderen Anwesenden unterhalten. Die anderen mögen Ihren Ausführungen folgen oder sich untereinander unterhalten. Wenn ein neuer Teilnehmer erscheint, wird er Sie vielleicht bitten, Teile Ihres Vortrags oder auch alles zu wiederholen. Sie wissen nicht, wer der Entscheider ist. Möglicherweise ist es ein älterer Mann unter den Anwesenden, der während der ganzen Zeit nicht gesprochen hat. Zum Abschluß serviert man Kaffee und sagt Ihnen ermunternde Worte, jedoch ohne daß ein Vertag abgeschlossen wird. Damit ist Ihr Meeting beendet. Versichern Sie sich der Hilfe eines lokalen Vertreters einer Handelsagentur.

  • Verhandlungstips: Verhandeln ist für Ägypter Teil des täglichen Lebens. Die Entwicklung einer guten persönlichen Beziehung ist Voraussetzung für gemeinsame Geschäfte. Nehmen Sie sich Zeit für informelle Gespräche, bevor Sie zum geschäftlichen Teil kommen. Das Verlassen auf Gott beeinflußt die Verhandlungen. Manche Vereinbarungen werden nach dem Motto „Inshallah“ (so Gott will) realisiert. Rechnen Sie damit, daß Sie wahrscheinlich einen Vertrag abschließen, diesen aber später wegen veränderter Umstände wieder neu verhandeln. Ein Vertrag wird zwar in Ägypten stärker beachtet als in anderen Staaten des mittleren Ostens, aber es bleibt mehr eine Richtlinie der Zusammenarbeit als eine feste Verpflichtung. Übertreibungen und die arabische Sprache gehen Hand in Hand. Zustimmung wird zur Begeisterung, Ablehnung wird zur Drohung. Lernen Sie, nicht jedes Wort auf die Goldwaage zu legen. Ein mildes Ja ist oft nicht mehr als ein Vielleicht oder gar ein höfliches Nein.

  • Zeit: Araber sind oft amüsiert über die Abhängigkeit der westlichen Geschäftsleute von der Uhr. Pünktlichkeit hat keine hohe Priorität in Ägypten. Ihr ägyptischer Partner wird zu einem vereinbarten Treffen vermutlich später erscheinen. Nichtsdestoweniger sollten Sie jedoch pünktlich sein. Alles braucht länger, als Sie es gewohnt sind, einschließlich der Entscheidungsprozesse.

  • Empfindlichkeiten: Die Wahrung des Gesichts hat, ähnlich wie in asiatischen Ländern, eine hohe Priorität. Lassen Sie nie jemanden in der Öffentlichkeit sein Gesicht verlieren. Geben Sie sich alle Mühe, die Würde des anderen zu wahren. Zeigen Sie den Anwesenden niemals die Sohlen Ihrer Schuhe. Essen, trinken oder rauchen Sie nicht tagsüber in Gesellschaft eines Moslems während des Fastenmonats Ramadan.

  • Geselligkeit: Lunch, zwischen 14 und 16 Uhr, ist die Hauptmahlzeit. Bringen Sie Schokolade oder Kuchen für die Kinder mit, aber keine Blumen, es sein denn, jemand ist krank oder heiratet.

  • Sprache: Arabisch; Englisch und Französisch sind sehr verbreitet.

  • Religion: Islam (90 Prozent) und Christentum.

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Copyright information

© Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler GmbH, Wiesbaden 1999

Authors and Affiliations

  • Hans-Peter Rentzsch
    • 1
  1. 1.Rentzsch & Partner, Marketingberatung für Investitionsgüter und Technologie GmbHNidderauDeutschland

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