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Das „Ende der Familie“ — Szenarien zwischen Mythos und Wirklichkeit

  • Thomas Meyer

Zusammenfassung

Soziologische Zeitdiagnosen haben Konjunktur. Dabei versteht es sich von selbst, dass diese sich nicht mit gleichbleibender Aufmerksamkeit sämtlichen Bereichen der Gesellschaft widmen. Es sticht jedoch ins Auge, dass die Interpretatoren die Familie fast immer ins Blickfeld ihrer diagnostischen Bemühungen rücken. Auch wenn dies zumeist punktuell und nur selten systematisch geschieht, verzichtet kaum ein Autor auf dieses Beispiel, um das kritische Moment der gesellschaftlichen Entwicklung zu demonstrieren. Wie unterschiedlich die Betrachtungen im Detail auch aussehen — ganz im Einklang mit einer in der Öffentlichkeit weitverbreiteten Seelenlage sind sich so unterschiedliche Beobachter westlicher Gesellschaften wie etwa James Coleman, Anthony Giddens, Richard Sennett und Ulrich Beck darin einig, dass die rasant fortschreitende Modernisierung die privaten Lebensverhältnisse untergräbt und die Zukunft der Familie in Frage stellt.1

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2002

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