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Deutungsmusteranalyse

  • Hedda Bennewitz
Part of the Studien zur Schul- und Bildungsforschung book series (SZSBF, volume 25)

Zusammenfassung

Die Deutungsmusteranalyse wird als eine sozialwissenschaftliche Hermeneutik und Variante der interpretativen Soziologie18 kulturtheoretisch orientierten Auswertungsverfahren zugeordnet und gehört damit ebenso zu den hermeneutisch-rekonstruktiven, d.h. den sinnauslegenden Verfahren der qualitativen Sozialforschung wie z.B. auch die objektive Hermeneutik, die Diskursanalyse oder die Ethnographie (vgl. Hitzler/Honer 1997). Mit ihrem erkenntnistheoretischen Zugang lässt sie sich einem grundlagentheoretischen Theorietyp zuordnen, dessen Gegenstand rekonstruierbare latente bzw. implizite Muster kultureller Sinnstrukturen sind, die auf der Grundlage von Texten rekonstruiert werden können (vgl. Meuser/ Sackmann 1991, S. 19).

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Literatur

  1. 18.
    Die interpretative Soziologie ist dem interpretativen Paradigma verpflichtet. Dessen Grundpositionen lassen sich nach Herbert Blumer (1981) mit drei Prämissen beschreiben: „Die erste Prämisse besagt, dass Menschen ‘Dingen’ gegenüber auf der Grundlage der Bedeutungen handeln, die diese Dinge für sie besitzen. Unter ‘Dingen’ wird alles gefasst, was der Mensch in seiner Welt wahrzunehmen vermag — physische Gegenstände , wie Bäume oder Stühle; andere Menschen, wie eine Mutter oder einen Verkäufer; Kategorien von Menschen, wie Freunde o-der Feinde; Institutionen, wie eine Schule oder eine Regierung; Leitideale wie individuelle Unabhängigkeit oder Ehrlichkeit; Handlungen anderer Personen, wie ihre Befehle oder Wünsche; und solche Situationen, wie sie dem Individuum in seinem täglichen Leben begegnen. Die zweite Prämisse besagt, dass die Bedeutung solcher Dinge aus der sozialen Interaktion, die man mit seinen Mitmenschen eingeht, abgeleitet ist oder aus ihr entsteht. Die dritte Prämisse besagt, dass diese Bedeutungen in einem interpretativen Prozess, den die Person in ihrer Auseinandersetzung mit den ihr begegnenden Dingen benutzt, gehandhabt und abgeändert werden“ (S. 81).Google Scholar
  2. 19.
    Das Deutungsmusterkonzept ist nicht der einzige Versuch der Dichotomisierung von Handlung und Struktur zu entgehen, so etwa das Habituskonzept von Bourdieu (1987), die Theorie der Strukturierung von Giddens (1988) oder die Rahmenanalyse von Goffman (1989).Google Scholar
  3. 20.
    Lüders/Meuser (1997, S. 58 ff.) selbst unterscheiden spezifische Deutungsmusteransätze. Zum einen geht es dabei um Arbeiten, die in strukturtheoretischer Perspektive an das Manuskript von Oevermann (1973) anknüpfen und Deutungsmuster im Sinne einer generativen Regelstruktur denken. In Abgrenzung dazu stehen Deutungsmusteranalysen, die, in interaktionisti-scher Tradition, Deutungsmuster als historisch, in Interaktionen ausgebildete Interpretationsmuster der Weltdeutung und Problemlösung verstehen (vgl. Schröer 1994b, Becker u.a. 1987). Zum anderen sind Arbeiten aus wissenssoziologischer Perspektive zu finden, in denen es um die Frage der Konstruktion von Realität durch Wissen geht, und Deutungsmuster als eine Ebene des Wissens verstanden werden, die nur bedingt intentional verfügbar ist. Innerhalb der Diskussionen gibt es verschiedene Versuche, das „Material“ oder die Bausteine, aus dem die Deutungsmuster zusammengesetzt sind, zu bestimmen (vgl. etwa Schetsche 1991).Google Scholar
  4. 21.
    Meuser/Sackmann beziehen sich dabei auf Arbeiten von Oevermann 1973, Allert 1976, Neu-endorf/Sabel 1978, Thomssen 1980, Dewe 1982 und 1984, Matthes-Nagel 1982, Arnold 1983, und Dewe/Ferchhoff 1984.Google Scholar
  5. 22.
    Oevermann (2001) geht sogar davon aus, dass sich Deutungsmuster in jedem Datenmaterial finden lassen, sofern man es nur rekonstruktionslogisch auswertet (vgl. S. 76).Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2005

Authors and Affiliations

  • Hedda Bennewitz

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