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„Politische Führung“ und Parteivorsitzende. Eine Einleitung

  • Daniela Forkmann
  • Michael Schlieben
Part of the Göttinger Studien zur Parteienforschung book series (GSZPF)

Zusammenfassung

Der Terminus „politische Führung“, wie im oben angeführten Zitat des Florentiner Politologen Jean Blondel charakterisiert, bezeichnet ein schillerndes Kuriosum, ja er erscheint geradezu als semantisches Chamäleon — und das, obwohl er zu den klassischen Themen der politikwissenschaftlichen Forschung zählt. Nur selten findet sich der Begriff in den einschlägigen Politiklexika wieder, dennoch wird vielfach, wenn auch ohne terminologische Trennschärfe, über ihn raisoniert: „Führung“, so heißt es einerseits, sei abhängig vom Charisma des jeweiligen Anführers, andererseits existiere aber ebenso das Phänomen des „noncharismatic personalism“2. Beliebt sind auch Kompendien von Eigenschaften und Fähigkeiten, die für „gute Führung“als funktional unabdingbar erachtet werden, die von Kommunikationsfähigkeit über Durchsetzungskraft bis zu Ideenreichtum reichen und von Aufsatz zu Aufsatz variieren. Kurzum: Auch nach eingehender Lektüre der entsprechenden Literatur wird nicht recht klar, was genau unter „Führung“zu verstehen ist; man sucht vergeblich nach einer Art Definition.

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Literatur

  1. 1.
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    Walter spricht sogar von einer zunehmenden Tendenz zur „kollektiven Führung“. Vgl. Walter, Franz: Führung in der Politik. Am Beispiel sozialdemokratischer Parteivorsitzender, in: Zeitschrift für Politikwissenschaft 7 (1997) 4, S. 1261–1337, hier S. 1287.Google Scholar

Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2005

Authors and Affiliations

  • Daniela Forkmann
  • Michael Schlieben

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