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Medienrezeption

  • Peter Vorderer
  • Holger Schramm
Chapter

Zusammenfassung

Am Samstag, den 20. Februar 1999, nahm Bundeskanzler Gerhard Schröder als Gast in der ZDF-Unterhaltungsshow „Wetten, dass…?“teil. Mehr als 18 Millionen Bundesbürger verfolgten diese Sendung; belustigt, bestürzt oder erfreut, vielleicht auch nur verwundert, irritiert oder gelangweilt. In den darauf folgenden Tagen war dieser Fernsehauftritt Gegenstand der Diskussion in zahlreichen Zeitungen, Radiobeiträgen, etwas später dann in politischen Magazinen und Publikumszeitschriften. Dass ein deutscher Bundeskanzler als Gast in einer Unterhaltungssendung auftritt, war ein Thema der öffentlichen Auseinandersetzung in den Massenmedien, aber selbstverständlich auch in anderen kommunikativen Kontexten: beim Gespräch am Arbeitsplatz, in der Kneipe, beim Chat im Internet oder in einer speziellen Newsgroup. Und natürlich dauerte es auch nicht allzu lange, bis die ersten Kulturkritiker darauf hinwiesen, dass man an diesem Beispiel einmal mehr erkennen könne,,wohin wir schon gekommen seien‘. Politik verkomme zum Unterhaltungsbetrieb, so der oft implizit formulierte Vorwurf; statt sachlicher Auseinandersetzung erlebten wir immer mehr seichtes Amüsement. Die Ursache dieser Entwicklung ist ebenso schnell ausgemacht: Es sind die Medien selbst, deren Allgegenwart und Macht den Politiker Schröder dazu veranlasst habe, sie zu,bedienen‘; und es ist das Medienpublikum, das so etwas insgeheim wolle und goutiere. Zu einem besonderen Ereignis wurde der Auftritt ja nicht dadurch, dass er am Samstagabend oder in eben dieser Sendung stattfand, sondern, weil er von einem so großen Publikum rezipiert wurde.

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Wiesbaden 2002

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  • Peter Vorderer
  • Holger Schramm

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