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Einleitung

Chapter
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Auszug

Die Themenstellung der vorliegenden Untersuchung hat eine historische, geographische, politische und rechtliche Komplexität, die sich dem Leser nur erschließt, wenn er ein bestimmtes Vorverständnis ihrer Schlüsselbegriffe kennt. Vier Vorbemerkungen erscheinen mir deshalb an dieser Stelle angebracht:
  1. 1.

    Tirol“ verstehe ich im Folgenden sowohl als Bundesland Tirol als auch als Autonome Provinz Südtirol und darüber hinaus als Einheit des ganzen Landes. Ich folge damit der Präambel der Tiroler Landesordnung 1989, die von „der geistigen und kulturellen Einheit des ganzen Landes“ spricht. Im Sinne einer Entschließung des Tiroler Landtages vom 23. November 1994 (Sten.Ber. XII./2, 19) ist unter „ganzes Land“ Nord-, Ost- und Südtirol (Autonome Provinz Bozen) zu verstehen. Gleichzeitig ist allerdings zu beachten, dass die „Brennergrenze“ seit ihrem Bestehen durch 90 Jahre unterschiedliche staatsrechtliche und gesellschaftliche Entwicklungen der beiden „Tirol“ bewirkte, welche die Einheit des Landes immer stärker relativieren.

     
  2. 2.

    Unter „Europa“ verstehe ich hauptsächlich die Europäische Union, aber auch den Geschichtsraum gemeinsamer kultureller, politischer und rechtlicher Werte und Traditionen über die Europäische Union hinaus, wie er sich etwa im Europarat manifestiert. Man kann also „Europäer“ sein und dennoch einen kritischen Standpunkt außerhalb der Europäischen Union beziehen.

     
  3. 3.

    Die „Identität Tirols“ ist in seiner geschichtsräumlichen Landschaft als Heimat eines Landes- und Regionalvolkes im europäischen Sinn begründet; sie wird durch die politische und staatsrechtliche Selbständigkeit (Autonomie) dieses Volkes im angestammten Siedlungsgebiet geprägt, die ihrerseits auf den objektiven Merkmalen und dem politischen Willen zur Existenz als eine Sprach-(Volks)gruppe bzw als ein Landesvolk beruhen und dadurch ihr Selbstbestimmungsrecht begründen.

     
  4. 4.

    Die Identität Tirols ist keine fixe Größe oder Qualität, sondern entsteht aus einer Reihe von Integrationsprozessen im Raum, in den politischen Systemen und den rechtlichen Institutionen. Sie beruht daher auf der Entwicklung, Erneuerung und Selbstfindung des Volkes in den Autonomien der Landesteile und ihren Beziehungen zueinander. Die Untersuchung ist daher eine entwicklungsgeschichtlich angelegte Analyse der Dynamik der Autonomien im Rahmen der nationalen Verfassungs- und Politiksysteme und der europäischen Integration.

     

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© Springer-Verlag/Wien 2007

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