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Zusammenfassung

Die Arterhaltung verlangt nicht nur eine mehr oder weniger erfolgreiche Anpassung eines Lebewesens an seine Umgebung, sondern wohl in erster Linie eine gesicherte embryonale Entwicklung. Erst diese schafft die Möglichkeit, daß sich das Individuum überhaupt unter günstigen Bedingungen mit seiner Umwelt auseinandersetzen kann. Die embryonale Entwicklung unserer Haussäugetiere findet im Mutterleib, in einem besonderen Organ, der Gebärmutter, statt und schließt mit der Geburt ab. Damit die, Wochen und Monate dauernde, intrauterine Entwicklung ungestört ablaufen kann, braucht es eine Isolation der Frucht von der Außenwelt. Diese wird durch eine besondere Bildung des Geschlechtsapparates gewährleistet, durch den Gebärmutterhals, welcher den mit der Außenwelt in Verbindung stehenden Scheidenraum von der Gebärmutterhöhle abtrennt. Erst dieses Trennorgan ermöglicht die Bildung einer eigentlichen Bruthöhle, in welcher die Frucht, weitgehend unabhängig von äußeren Einflüssen, ihre Entwicklung durchläuft. Garantiert somit einerseits die Cervix uteri ein normales Fruchtwachstum, so muß sie anderseits zu einem artmäßig festgelegten Zeitpunkt sich öffnen, um der reifen Frucht die Passage in die Außenwelt zu gestatten. Wohl kein Organ erleidet in so kurzer Zeit derartige ausgedehnte Umfangsveränderungen wie gerade die Cervix, speziell bei uniparen Tieren, deren Früchte im Verhältnis zur Mutter besonders groß sind. Beim Rind zum Beispiel öffnet sich der Halskanal von einer ursprünglichen Weite von 2 bis 3 Fingerbreiten im Verlauf weniger Stunden so hochgradig, daß ein Kalb, dessen Brust einen Durchmesser von 30 cm aufweist, ohne weiteres passieren kann, und kehrt dann im Verlauf weniger Tage wieder auf die ursprüngliche Dimension zurück.

Copyright information

© Springer Basel AG 1973

Authors and Affiliations

  • Herbert F. Gloor
    • 1
  1. 1.ZürichSchweiz

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