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Theoria cum praxi

  • Bert-Wolfgang Schulze
Chapter

Zusammenfassung

Der Überlieferung nach hat GOTTFRIED WILHELM LEIBNIZ den Grundsatz „Theoria cum praxi“ betont und als eine Maxime seines eigenen Handelns gesehen. Dabei mochte er auch Theorien im Sinn gehabt haben, die mit Praxis und Anwendungen wenig zu tun haben.Wie schon erwähnt sah und sieht die Akademie der Wissenschaften in Berlin, speziell die entsprechende Gelehrtengesellschaft, LEIBNIZ als ihren Gründervater an, und sie trug diese Ermahnung in ihrem Wappen, nicht der Wissenschaft an sich zu verfallen und wertfreie Erkenntnis als erfüllten Auftrag zu betrachten. Hinterfragungen, woran eine Erkenntnis ohne Wert eigentlich zu erkennen sei, gilt gemeinhin bereits als verstecktes Bekenntnis zu unnützer Forschung, und es ist gerade auch die Mathematik, die nicht immer genau erklärt, wo sie ihre Anwendungen sieht, ebensowenig wie ein Baum seine Existenzberechtigung aus der Möbelproduktion herleitet. Berücksichtigt man allerdings: „an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“, und wenn man die erzeugten Früchte vergangenen wissenschaftlichen Bemühens als wünschenswert betrachtet, so leuchtet es unmittelbar ein, dass nicht plötzlich von der Gegenwart an die Wissenschaften auf einmal potentiell unnütz geworden sind, sondern all ihre Aktivitäten den erneuten Erkenntniszuwachs „cum praxi“ der Zukunft hervorbringen. Ein anerzogener Schuldkomplex, es könne sich anders verhalten, ist zumindest nicht durch die bisherige Erfahrung begründet.

Copyright information

© Springer Basel AG 2013

Authors and Affiliations

  • Bert-Wolfgang Schulze
    • 1
  1. 1.Inst. Mathematik, Abt. AnalysisUniversität PotsdamPotsdamDeutschland

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