Brücken der Erinnerung pp 84-107 | Cite as
Ziele, Fragestellung, Hypothesen und methodischer Ansatz
Zusammenfassung
Die empirische Untersuchung, die ich im 2. Teil dieser Arbeit darstelle, soll einer „Geschichte von unten“1 im Sinn der „Tradition der Unterdrückten“2 in Theorie und Praxis dienen. Sie soll nicht nur die im 1. Teil entworfenen theoretischen Überlegungen illustrieren, sondern darüberhinaus ihre Konkretisierung ermöglichen. — Mit Benjamin verstehe ich unter Tradition der Unterdrückten im Kern das befreiende Eingedenken, das der unfrei machenden Identifikation von Herrschaft und Heil in jeder Gestalt widerspricht.3 In säkularer Form erscheint die Tradition der Unterdrückten in der spirituellen Kraft politisch-sozialer Bewegungen wie der Arbeiterbewegung, den jeweils herrschenden Verhältnissen zu widersprechen: Benjamin nennt als Äußerungen dieser Kraft Zuversicht, Mut, Humor, List, Unentwegtheit.4 Außerdem möchte ich den weiblichen Widerspruch gegen das Patriarchat in den Begriff der Tradition der Unterdrückten einbeziehen. Die Tradition der Unterdrückten aktualisiert sich, indem sich ihre spirituelle Kraft — wie in Benjamins Allegorie von Zwerg und Puppe — mit den zeitbedingten materiellen Kräften zu einer widersprüchlichen Einheit verbindet.
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