Auszug
Die Bedeutung des Finanzmanagements für Unternehmen außerhalb der Finanzdienstleistungsbranche1 ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen.2 Verursacht wird der Bedeutungszuwachs durch veränderte Rahmenbedingungen des Finanzmanagements. Erstens wird Finanz- und Kapitalmärkten im Rahmen einer zunehmend finanzorientierten Unternehmensführung eine höhere Aufmerksamkeit geschenkt, die nicht nur durch die Wertorientierung oder Kapitalmarktorientierung, sondern auch durch die zum Teil beträchtlichen Anteile der Finanzergebnisse an den Jahresüberschüssen von Unternehmen außerhalb der Finanzdienstleistungsbranche zum Ausdruck kommt.3 Zweitens verzichten die Finanzbereiche großer Unternehmen zunehmend auf die Inanspruchnahme der Dienstleistungen von Finanzintermediären (Disintermediation4) und konkurrieren sogar mit ihnen, indem sie die von Finanzintermediären fremdzubeziehenden Leistungen5 eigenständig anbieten.6 Drittens haben die Einrichtung von Corporate Governance-Strukturen und die Einführung des Gesetzes zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG)7 bewirkt, dass auch das Finanzmanagement zu einer transparenten Abbildung finanzieller Abläufe sowie zu einem adäquaten Management finanzieller Risiken angehalten ist.8 Schließlich bietet viertens die wachsende Anzahl innovativer Kapital- und Finanzmarktinstrumente in Form von Finanzderivaten oder auch in Form von Instrumenten der Securitization neue Möglichkeiten des Finanzmanagements.9
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Literatur
- 1.Zur Finanzdienstleistungsbranche zählen Banken, Versicherungen, Kapitalanlagegesellschaften, Investmentfonds oder auch Pensionskassen. Vgl. Bartram (1999), S. 1. Die Begriffe Finanzmanagement oder auch finanzielle Führung beziehen sich im Folgenden auf Unternehmen außerhalb der Finanzdienstleistungsbranche und werden synonym zur Bezeichnung Corporate Finance verwendet.Google Scholar
- 2.Vgl. Gerke/ Bank (2003), S. 39; Prätsch/Schikorra/Ludwig (2003), S. 31; Wiedmann/Heckemüller (2003), S. 5. Siegwart und Mahari sprechen von einer Aufgabenerweiterung,-intensivierung und-vertiefung im Bereich der finanziellen Unternehmensführung. Vgl. Siegwart/Mahari (1996), S. 101.Google Scholar
- 3.Vgl. Perlitz (1988), S. 326; Hagemann (1991b), S. 166; Hommels (1995), S. 17; Schrief (1995), S. 53 f.; Hoefener (2000), S. 2; Wiedmann/Heckemüller (2003), S. 9; Hilpisch (2005), S. 47, sowie Huther (2003), S. 185, der aufzeigt, dass teilweise das Finanzanlagevermögen von Industrie-und Handelsunternehmen die absoluten Volumina großer internationaler Wertpapierfonds übersteigt.Google Scholar
- 4.Vgl. Schmidt/ Terberger (1997), S. 467; Achleitner/Charifzadeh (2002), S. 6.; Shapiro (2002), S. 577; Gerke/Bank (2003), S. 39. Der Begriff Disintermediation beschreibt die Substitution indirekt, über Finanzintermediäre abgewickelter Finanzierungsprozesse durch direkte Finanzierungsbeziehungen über den Kapitalmarkt. Vgl. Bank (2001), Sp. 845.Google Scholar
- 5.Als Intermediationsleistungen von Finanzintermediären werden üblicherweise Informations-, Losgrößen-, Fristen-und Risikotransformationsleistungen unterschieden. Vgl. Bitz (1989), S. 433 f.; Dahlhausen (1996), S. 5–7. Vgl. ähnlich Gebhardt/Gerke/Steiner (1993), S. 10–12; Rösler (1993), S. 402 f.Google Scholar
- 6.Vgl. Schuster (1988), S. 348; Löffler (1991), S. 71; Auernheimer (1994), S. 3 f.; Dahmen/Jacobi/Roßbach (2003), S. 26 f. Dieses Phänomen wird als Corporate Banking oder auch Inhouse Banking bezeichnet. Hierbei trägt der Finanzbereich eine eigene Gewinnverantwortung und bietet konzerneigenen Unternehmen (und teilweise auch Dritten) komplexe Finanzdienstleistungen vorwiegend in Form von Cash Management-Dienstleistungen an. Vgl. Hagemann (1991a), S. 21; Auernheimer (1994), S. 4; Gerke/Bank (1995), S. 616; Jacob (1996), S. 1; Gerke/Bank (2003), S. 39.Google Scholar
- 7.Aktiengesellschaften sind dazu verpflichtet, „ein Überwachungssystem einzurichten, damit den Fortbestand der Gesellschaft gefährdende Entwicklungen frühzeitig erkannt werden“. [§ 91 Abs. 2 AktG]. Vgl. Kropp/ Gillenkirch (2004), S. 86; Schmitz/Wehrheim (2006), S. 20 f., sowie detailliert Eggemann/Konradt (2000), S. 503–509.Google Scholar
- 8.Vgl. Achleitner/ Achleitner (1997), S. 11; Bartram (1999), S. 2; Gebhardt/Mansch (2001), S. 4 f.; Gebhardt/Ruß (1999), S. 70; Hommel/Pritsch (2001b), S. 3; Schäfer (2003), S. 152; Wiedmann/Heckemüller (2003), S. 9; Homburg/Uhrig-Homburg (2004), S. 311; Broll/Wahl (2005), S. 397; Weber/Liekweg (2005), S. 495 f. Diese Entwicklung wird darüber hinaus durch die Harmonisierung internationaler Rechnungslegungsstandards (vgl. beispielsweise Hus (2005), S. 2) und durch die wachsende Verbreitung von Ratings verstärkt, die ebenfalls eine deutlichere Transparenz und Dokumentation des Unternehmensgeschehens und damit auch der finanzwirtschaftlichen Vorgänge erforderlich machen. Vgl. Wiedmann/Heckemüller (2003), S. 9.Google Scholar
- 9.Vgl. Auernheimer (1994), S. 15; Gerke/Bank (1995), S. 616; Gerke/Bank (2003), S. 39; Prätsch/Schikorra/Ludwig (2003), S. 31; Wiedmann/Heckemüller (2003), S. 10. Diese Entwicklung steht in engem Zusammenhang mit der zunehmenden Deregulierung und Internationalisierung der Kapital-und Finanzmärkte sowie der fortschreitenden Nutzung der Informationstechnologie. Vgl. Auernheimer (1994), S. 13–16; Gerke/Bank (1995), S. 616; Hommels (1995), S. 17; Schrief (1995), S. 42; Gerke/Bank (2003), S. 39; Prätsch/Schikorra/Ludwig (2003), S. 31. Während noch vor rund zwei Jahrzehnten vorwiegend Finanzintermediäre speziell Finanzderivate nutzten, werden sie in zunehmendem Umfang von Unternehmen anderer Branchen, beispielsweise zur Absicherung von Zins-, Währungs-oder auch Rohstoffpreisrisiken, eingesetzt. Vgl. Heidorn/Bruttel (1993), S. 1; Cornford (1996), S. 493; Hofmann/Hofmann (1999), S. 3; Kropp (1999), S. 3 f.; Sperber/Sprink (1999), S. 193; Jorion (2001), S. 11–15; Kropp/Gillenkirch (2004), S. 88. Für unterschiedliche empirische Belege des Einsatzes von Finanzderivaten vgl. Bodnar/Hayt/Marston (1998); Howton/Perfect (1998); Bartram (1999), S. 2; Bodnar/Gebhardt (1999); Gebhardt/Ruß (1999); Glaum/Förschle (2000); ISDA (2003); Rettberg (2005); Bartram/Brown/Fehle (2006). Es sei angemerkt, dass Finanzderivate nicht nur zu Sicherungszwecken (dem sogenannten Hedging), sondern auch zu Spekulationszwecken oder auch zur Vereinnahmung von Arbitragegewinnen abgeschlossen werden können. Vgl. Beike/Barckow (2002), S. 10. Für eine Darstellung innovativer Kapital-und Finanzmarktinstrumente vgl. darüber hinaus Sengera (2001), Sp. 1906; Tebroke (2001), Sp. 813 f.; Weiss (2001), S. 3.Google Scholar
- 10.Vgl. Gerke/ Bank (1995), S. 616; Ertl (2000), S. 5; Wiedmann/Heckemüller (2003), S. 10. Während der Begriff der Komplexität die Anzahl und Verschiedenartigkeit relevanter Elemente sowie die Ursache-Wirkungs-Beziehungen dieser Elemente zueinander beschreibt, wird unter dem Begriff der Dynamik die Entwicklung — insbesondere die Häufigkeit von Änderungen, die Intensität, Vorhersehbarkeit und Regularität — dieser Elemente und ihrer Beziehungen im Zeitablauf verstanden. Vgl. Aust (1999), S. 138; Horváth (2003), S. 3.Google Scholar
- 11.Vgl. Gebhardt/ Gerke/ Steiner (1993), S. 3; Siegwart/Mahari (1996), S. 101; Kuhnert (2000), S. 116.Google Scholar
- 12.Vgl. Urban (1986), S. 14; Drukarczyk (1993), S. 626–628; Heidorn/Bruttel (1993), S. 1; Gerke/Bank (1995), S. 616; Spremann (1996), S. 199; Stocker (1997), S. 1; Bartram (1999), S. 2; Hofmann/Hofmann (1999), S. 6; Scharpf/Luz (2000), S. 64; Pfennig/Rudolph (2001), S. 3; Gillenkirch (2002), Sp. 531; Gerke/Bank (2003), S. 39; Prätsch/Schikorra/Ludwig (2003), S. 31. Für eine Nennung unterschiedlicher, hoher Unternehmensverluste, die im Zusammenhang mit einem fehlerhaften Management finanzieller Risiken stehen, vgl. zudem Jorion (2001), S. 31–36; Rolfes (2002), S. 543; Bartram/Dufey/Frenkel (2005), S. 395, insbesondere Fußnote 1. Für eine Auflistung spektakulärer Verluste, die speziell aus einem fehlerhaften Einsatz von Finanzderivaten resultierten, vgl. Kropp (1999), S. 6; Hommel/Pritsch (2001b), S. 5; Jorion (2001), S. 33 f.Google Scholar
- 13.Beispielhaft ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Chief Financial Officer Executive Boards zu nennen, in der das Finanzmanagement der weltweit 162 größten Unternehmen untersucht wurde: „Finanzvorstände verzetteln sich häufig im operativen Klein-Klein.“ Reisenberg (2006), S. 17.Google Scholar
- 14.Kruschwitz erklärt: „In der Praxis herrscht eine gewisse Vorliebe für einfache Rezepte, sei es, weil Entscheidungen unter meist nennenswertem Zeitdruck getroffen werden müssen, sei es, weil man nicht die beste, sondern nur eine gute Entscheidungsalternative sucht.“ Kruschwitz (1993), S. 123.Google Scholar
- 15.Drobetz/ Pensa/ Wöhle (2006), S. 279.Google Scholar
- 16.Gage (1990), S. 55. Vgl. ähnlich Cooper (2004), S. 366. Zur Notwendigkeit einer verstärkten Unterstützung des Finanzmanagements aufgrund der wachsenden Bedeutung dieses Aufgabenbereiches vgl. darüber hinaus Bischoff (1989), S. 23–34; Lücke (1991), S. 16.Google Scholar
- 17.Vgl. Weber/ Schäffer (2006), S. 17. Vgl. ähnlich Horváth (2003), S. 151; Reichmann (2006), S. 13.Google Scholar
- 18.Vgl. Risak (1998), S. 18; Blazek/Deyhle/Eiselmayer (2002), S. 12. In einem Interview urteilt beispielsweise Myers: „Die Schnittstelle zwischen Controllern und Finanzspezialisten ist wohl für die Praxis bedeutend, uns als Theoretiker hat sie jahrelang viel zu wenig interessiert. Hier wird aber in Zukunft auch theoretische Arbeit zu leisten sein.“ Brealey/Myers (2004), S. 151. In dieser Schnittstelle sieht auch HorváTh einen dringenden Forschungsbedarf: „Gerade in Zeiten, in denen die Schnittstellen-Problematik deutlicher und deutlicher hervortritt, haben Controller Integrationsaufgaben zu meistern. Zu allererst zwischen Controlling und Finanzmanagement. In diesem Bereich gibt es noch zahlreiche ungenutzte Synergiepotentiale.“ Horváth/Stuttgarter Controller-Forum (1999), S. V.Google Scholar
- 19.Vgl. Weber (1993), Sp. 302.Google Scholar
- 20.Vgl. Hoefener (2000), S. 31; Kuhnert (2000), S. 4; Gillenkirch (2002), Sp. 532; Horváth/Reichmann (2003), S. 236. Die uneinheitliche Verwendung ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass das Finanzcontrolling nicht nur funktional, sondern auch institutional verstanden wird. Vgl. Bischoff (1989), S. 29 f.; Hoefener (2000), S. 31; Gillenkirch (2002), Sp. 531–539. Die institutional geprägten Verständnisse leiden jedoch regelmäßig unter der mangelnden Abgrenzung, die bereits zwischen dem Begriff des Treasurers — allgemein verstanden als Mitarbeiter im Finanzbereich — und des Controllers bestehen. Die in der Literatur vorzufindenden Abgrenzungsversuche stützen sich meistens auf den Hinweis, dass der Treasurer eine Realisationsverantwortung und der Controller eine Rechnungsverantwortung trägt. Vgl. beispielsweise Hauschildt/Sachs/Witte (1981), S. 24 f.; Serfling (1992), S. 200; Spremann (1996), S. 201, sowie detailliert Fertakis (1988), S. 74–87. Diese Abgrenzungsversuche weisen allerdings große Überschneidungsbereiche auf und sind häufig abhängig von der Intention des jeweiligen Verfassers. Vgl. Bischoff (1989), S. 29; Hoefener (2000), S. 31. Wentz führt die Abgrenzungprobleme auf das bestehende Forschungsdefizit zum Begriff des Treasurers zurück: „Da in den finanzwissenschaftlichen Lehrbüchern im wesentlichen nur die Instrumente des Treasurers erörtert werden, wurde offensichtlich bislang noch kein großes Bedürfnis verspürt, die Position des Treasurers umfassend zu beschreiben.“ Wentz (1990), S. 367. Darüber hinaus weisen die institutional geprägten Verständnisse einen stark unternehmensspezifischen Charakter auf, der einer Ableitung eines allgemeinen Verständnisses zum Finanzcontrolling entgegensteht. Vgl. Hauschildt (1972), S. 173 f.; Horváth/Reichmann (2003), S. 236. Die folgenden Ausführungen sollen das funktionale Verständnis des Finanzcontrollings fokussieren.Google Scholar
- 21.Vgl. Kuhnert (2000), S. 4; Nüchter (2003), S. 854.Google Scholar
- 22.Für erste Ansätze zum Verständnis des Begriffs Finanzcontrolling vgl. Strobel (1978), S. 425; Schneider (1986), S. 53–58; Welge (1988), S. 208; Bischoff (1989), S. 23–34; Bramsemann (1990), S. 206; Lücke (1991), S. 90; Marx (1993), S. 84–89; Selchert (1993), S. 789 f.; Steiner (1993), S. 220; Franke (1995), S. 207 f.; Gebhardt (1995), Sp. 600; Bösl (1997a), S. 117 f.; Gentner (1997), S. 3–6; Jehle et al. (1997), S. 15; Liessmann (1997), S. 211 f.; Napiwotzki (1997), S. 19 f.; Ossadnik (1998), S. 83; Jaspersen (1999), S. 415; Donath (2000), S. 81 f.; Ertl (2000), S. 567; Kuhnert (2000), S. 96–98; Schröder (2000), S. 339; Eschenbach (2001), S. 3 und 7 f.; Krause/Steins (2001), S. 90; Küpper (2001), S. 452; Mensch (2001), S. 18; Pfaff (2001), Sp. 730 f.; Blazek/Deyhle/Eiselmayer (2002), S. 15; Gillenkirch (2002), Sp. 532; Busse (2003), S. 235; Horváth (2003), S. 440; Horváth/Reichmann (2003), S. 235 f.; Nüchter (2003), S. 854 f.; Prätsch/Schikorra/Ludwig (2003), S. 230-232; Walz/Gramlich (2004), S. 5–8; Zantow (2004), S. 373; Bassen/Braun (2005), S. 281 f.; Burger/Ulbrich (2005), S. 467; Lachnit/Müller (2006), S. 156; Reichmann (2006), S. 245 f.; Volkart (2006), S. 108 f.Google Scholar
- 23.Zur wachsenden Bedeutung des Rentabilitäts-und Sicherheitszieles vgl. Molzahn (1989), S. 86; Rudolph (1989), Sp. 651 f.; Richtsfeld (1994), S. 38; Spremann (1996), S. 199; Sperber/Sprink (1999), S. 158; Holst (2001), S. 129; Mensch (2001), S. 1; Wiedemann (2002), S. 507, sowie Kapitel 2.3.1. Speziell die Hinwendung zu einem stärker rentabilitätsorientierten Finanzmanagement findet ihre Entsprechung in der organisatorischen Ausgestaltung der Unternehmen. So sind die Finanzabteilungen großer Unternehmen häufig in Form eines Profit Centers mit eigener Ergebnisverantwortung ausgestaltet. Vgl. Richtsfeld (1994), S. 114–116; Jacob (1996), S. 34; Schewe (1996), S. 786. Zum Profit-Center-Konzept vgl. allgemein Frese (1990), S. 139–154.Google Scholar
- 24.Vgl. Franke (1995), S. 207; Donath (2000), S. 82; Ertl (2000), S. 569 f.; Gillenkirch (2002), Sp. 535.Google Scholar
- 25.Vgl. Lücke (1991), S. 16; Franke (1995), S. 208; Ertl (2000), S. 568; Pfaff (2001), Sp. 735; Gillenkirch (2002), Sp. 537 f., sowie in Bezug auf das internationale Anlagengeschäft Kuhnert (2000), S. 249 f.Google Scholar
- 26.Vgl. Schneider (1986), S. 57; Marx (1993), S. 85; Kuhnert (2000), S. 97.Google Scholar
- 27.Donath (2000), S. 81. Vgl. auch Bösl (1997b), S. 321; Liessmann (1997), S. 659; Olfert (1999), S. 41.Google Scholar
- 28.Küpper (2001), S. 452.Google Scholar
- 29.Nur ein Beitrag von Bassen und Braun folgt dem Verständnis, dass im Rahmen des Finanzcontrollings systematisch auftretende Fehlentscheidungen der Finanzmanager zu vermeiden und zu reduzieren sind. Dieser Beitrag ist jedoch sehr knapp gehalten und behandelt nur vereinzelte Beispiele möglicher Aufgaben des Finanzcontrollings in Bezug auf die Phase der Willensbildung. Zudem gibt dieser Beitrag keine Antwort auf die Frage, welche Fehlentscheidungen im Finanzmanagement überhaupt auftreten. Vgl. Bassen/ Braun (2005), insbesondere S. 281. Pfaff führt in einem Beitrag aus, dass der Grundgedanke des Finanzcontrollings darin bestehe, eine rationale, finanzmarktorientierte Unternehmensführung zu gewährleisten. In den sehr knappen Ausführungen wird die Frage nach bestehenden Fehlentscheidungen im Finanzmanagement jedoch abermals nicht beantwortet. Vgl. Pfaff (2001), insbesondere Sp. 740. Ähnlich allgemein betonen schließlich auch Ertl sowie Prätsch, Schikorra und Ludwig die hohe Bedeutung einer betriebswirtschaftlichen Beratung des Finanzmanagements durch das Finanzcontrolling, konkretisieren den Ursprung dieses Beratungsbedarfs aber nicht näher. Vgl. Ertl (2000), S. 567 f.; Prätsch/Schikorra/Ludwig (2003), S. 231 f. Für detaillierte Ausführungen zu verschiedenen Controllingverständnissen vgl. Kapitel 2.2, insbesondere Fußnote 93.Google Scholar
- 30.Neben weiteren Arbeiten, die in Kapitel 3.2 noch detailliert diskutiert werden, vgl. beispielsweise Graham/ Harvey (2001) als Beispiel eines empirischen Beitrags oder auch Figlewski (1994) als Beispiel eines konzeptionellen Beitrags.Google Scholar
- 31.Zur Erklärung von Entscheidungen ist es gemäß Bertrand und Schoar erforderlich, insbesondere der Persönlichkeit des Managers eine große Aufmerksamkeit zu schenken. Sie stellen allerdings fest, dass derlei Aspekte in der betriebswirtschaftlichen Forschung häufig vernachlässigt werden: „Existing empirical studies typically rely on firm-, industry-, or market-level characteristics to explain corporate behavior and performance but largely ignore the possible role that individual managers may play in shaping these outcomes.“ Bertrand/ Schoar (2003), S. 1170. Bertrand und Schoar halten als zentrales Ergebnis fest: „A significant extent of the heterogeneity in investment, financial, and organizational practices of firms can be explained by the presence of manager fixed effects.“ Bertrand/Schoar (2003), S. 1169.Google Scholar
- 32.Vgl. Jensen/ Meckling (1976), S. 305–360; Jensen (1986a), S. 323–329.Google Scholar
- 34.Vgl. Heine et al. (2006), S. 1.Google Scholar
- 35.Vgl. Heine et al. (2006), S. 1. Der Begriff Kognition wird als Bezeichnung für die geistige Aktivität von Menschen verstanden. In der kognitionspsychologischen Forschung bezeichnet dieser Begriff die Gesamtheit der informationsverarbeitenden Prozesse und Strukturen eines intelligenten Systems. Vgl. Kluwe (2001), S. 352.Google Scholar
- 36.Vgl. Fromlet (2001), S. 65; Hilton (2001), S. 37; Rudolph (2002), Sp. 550.Google Scholar
- 37.Shefrin (2007), S. 2.Google Scholar
- 38.Vgl. Baker/ Ruback/ Wurgler (2005), S. 2 f. Vgl. auch Shefrin (2001a), S. 113. In Abgrenzung zum eigeninteressierten Handeln beschreiben Barberis und Thaler den Ansatz der Behavioral Corporate Finance wie folgt: „These [irrational managers, R. M.] think that they are maximizing firm value, even if in reality, they are not.“ [Hervorhebungen im Original], Barberis/Thaler (2003), S. 1109 f. Zur Begründung, warum aus Sicht der Kognitions-und Sozialpsychologie die Berücksichtigung begrenzt rationaler Entscheidungen in der betriebswirtschaftlichen Theorie erforderlich ist, vgl. auch Wottawa/Gluminski (1995), S. 36 f.Google Scholar
- 39.Vgl. Heaton (2002), S. 33; Baker/Ruback/Wurgler (2005), S. 2; Breuer/Perst/Stolz (2005), S. 153 f. Für erste Ansätze im Bereich der Behavioral Corporate Finance vgl. Stein (1989); De Bondt/Thaler (1995); Thaler (1999); Shefrin (2001a); Heaton (2002); Malmendier (2002); Hackbarth (2004a); Hackbarth (2004b); Baker/Ruback/Wurgler (2005); Breuer/Perst/Stolz (2005); Paredes (2005); Malmendier/Tate/Yan (2006); Shefrin (2007).Google Scholar
- 40.Thaler (1999), S. 16. Zum Forschungsdefizit im Bereich der Behavioral Corporate Finance vgl. zudem Baker/Ruback/Wurgler (2005), S. 3 f. Darüber hinaus urteilen Brealey, Myers und Marcus allgemein: „We know quite a bit about asset values, but we do not know very much about the decisions that give rise to these values. What is the process that causes one company to make a major investment and another to reject it? Why does one company decide to issue debt and another to issue equity? If we knew why companies made particular decisions, we would be better able to improve those decisions.“ Brealey/Myers/Marcus (1995), S. 666 f.Google Scholar
- 42.Vgl. Weber/ Schäffer (2006), S. 39–41. Für detailliertere Erläuterungen eines als Rationalitätssicherung der Führung verstandenen Controllings vgl. Kapitel 2.2.Google Scholar
- 44.Die zu erarbeitende Darstellung der Rationalitätsdefizite zielt auf das Handeln von Managern im Finanzbereich ab. Das Handeln kann auch als willensgesteuertes Agieren beschrieben werden. Davon abzugrenzen ist das unbewusste Reagieren. Unbewusstes Reagieren und willensgesteuertes Agieren werden gesamtheitlich als menschliches Verhalten bezeichnet. Vgl. Schanz (1993), Sp. 4522. Wenn in der weiteren Untersuchung der Begriff Verhalten oder auch Verhaltenswissenschaften benutzt wird, so ist hierunter ausschließlich das willensgesteuerte Agieren, also das Handeln, von Interesse.Google Scholar
- 45.Große, multinational agierende Unternehmen sind regelmäßig als Konzern, seltener als Einheitsunternehmen organisiert, da durch Gründung oder Erwerb rechtlich selbstständiger Unternehmen übersichtliche Managementstrukturen geschaffen werden können, wodurch eine größere Flexibilität ermöglicht wird. Vgl. Lutter (1985), S. 826; Scheffler (1992), S. 4, sowie Theisen (2000), S. 15–19; Schumacher (2005), S. 48–79, zu allgemeinen Merkmalen eines Konzerns. Die Konzentration auf diese Unternehmen liegt zum einen darin begründet, dass die genannten Entwicklungen des Finanzmanagements vor allem die großen, an der Börse notierten Kapitalgesellschaften betreffen. Vgl. Marx (1993), S. 49; Wiedmann/Heckemüller (2003), S. 6. Zum anderen ergibt sich dieser Fokus aus dem Umstand, dass die Finanzbereiche großer Konzerne ein sehr viel breiteres Spektrum an Finanzdienstleistungen erbringen als mittelständische und kleine Unternehmen und folglich ein differenziertes Controlling finanzieller Aktivitäten insbesondere in großen Unternehmen erforderlich und lohnenswert erscheint. Vgl. Eschenbach (2001), S. 3, sowie Reichmann/Kleinschnittger (1987), S. 1102–1105, zur Abhängigkeit zwischen der Unternehmensgröße und der Spezialisierung der Controllingfunktion. Die beiden genannten Gründe korrespondieren mit der Beobachtung, dass Großunternehmen bereits damit begonnen haben, eigenständige Finanzcontrolling-Abteilungen einzurichten. Vgl. Kleinebeckel (1994), S. 21; Gillenkirch (2002), Sp. 531.Google Scholar
- 46.Gemäß Harbert besteht eine Konzeption aus „ein(em) System von Aussagen, [...] welches die Grundlinien einer Sachverhaltsgestaltung als Mittel zur Erreichung einer bestimmten Zielsetzung formuliert. Sie basiert auf der Annahme von Mittel-Zweck-Beziehungen im Rahmen bestimmter Kontexte [...und...] beinhaltet keine Beschreibung der Realität, sondern stellt ein mehr oder minder vollständiges Denkmodell dar.“ Harbert (1982), S. 140.Google Scholar
- 47.Zu unterschiedlichen Forschungsmethoden und Wissenschaftszielen vgl. Chmielewicz (1994), S. 8–42. Vgl. ähnlich Schanz (1988), S. 6–8 und 39–55.Google Scholar
- 48.Vgl. Grochla (1976), S. 632.Google Scholar
- 49.Vgl. Grochla (1976), S. 634; Grochla (1978), S. 68 und 72–93.Google Scholar
- 50.Grochla (1978), S. 72.Google Scholar
- 51.Als Theorien werden systematisch geordnete Mengen von singulären und generellen Aussagen (Aussagensystemen) bezeichnet, die über einen bestimmten Bereich der Realität Auskunft geben. Singuläre Aussagen sind deskriptive Aussagen, die durch einen speziellen Raum-Zeit-Bezug gekennzeichnet sind. Sie beantworten Fragen wie „Was ist der Fall?“ oder „Was war der Fall?“. Im Gegensatz dazu bilden generelle Aussagen die Basis für explanatorische Aussagen, die in ihrer strengen Form keinen speziellen Raum-Zeit-Bezug aufweisen („Immer-und-überall-wenn..., dann....“). Generelle Aussagen geben eine Antwort auf die Frage „Warum ist das der Fall?“ Vgl. Stegmüller (1969), S. 450; Opp (2005), S. 32–40. Zum Theoriebegriff vgl. auch Schanz (1988), S. 29–32.Google Scholar
- 52.Im Unterschied zum sachlich-analytischen Vorgehen ist das formal-analytische dadurch geprägt, dass eine Lösung der Problemstellung auf Grundlage mathematischer Modelle erfolgt. Vgl. Grochla (1978), S. 85–93. Das charakteristische Merkmal der empirischen Vorgehensweise besteht schließlich in einer Prüfung von Hypothesen, die zunächst aus einem gedanklichen Bezugsrahmen abgeleitet und im Anschluss daran mit den in der Realität feststellbaren Gegebenheiten abgeglichen werden. Vgl. Grochla (1978), S. 78–85.Google Scholar
- 56.Für erste Ansätze einer Untersuchung potentieller Rationalitätsdefizite im Finanzmanagement mit Bezug auf Gruppeneffekte vgl. Shefrin (2007), S. 145–160.Google Scholar