Auszug
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Zum einen ist es die Zahl jener Privilegierten, die sich 5.000-EUR-Handtaschen oder 4.000-Dollar-Schuhe leisten können. Besonders gut fügt es sich, dass der neue Reichtum vor allem in Ländern zu besichtigen ist, die vor gar nicht allzu langer Zeit noch planwirtschaftlich bedingte Konsumtristesse zur Tugend erhoben hatten und in denen der Nachholbedarf an Distinktionsartikeln heute entsprechend hoch ist. Ohne den russischen Markt wäre es beispielsweise der Firma Nokia wohl kaum möglich, eine Produktionsstätte für diamantenbesetzte Vertu-Handys zu betreiben.
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Zum anderen sind fast alle Waren, die gemeinhin als luxuriös bezeichnet werden, genauso globalisierte Produkte wie ein Paar Turnschuhe oder eine Jeans. Was nicht nur bedeutet, dass der Wiedererkennungswert einer Gucci-Bag in Moskau genauso hoch ist wie in New York, Dubai oder München, sondern auch, dass vieles von dem, was in den teuren Einkaufsmeilen in den minimalistisch dekorierten Schaufensterauslagen der „flagship stores“ bestaunt werden kann, eben nicht aus einer mittelalterlich anmutenden Werkstätte eines toskanischen Täschners oder aus der Manufaktur eines französischen Schuhmachers stammt, sondern aus asiatischer Massenproduktion.