Probleme der kreisscharfen Abgrenzung von Arbeitsmarktregionen und ein Vergleich von funktionalen Arbeitsmarktabgrenzungen

  • Per Kropp
  • Barbara Schwengler

Zusammenfassung

Die Abgrenzung von funktionalen Raumeinheiten ist sowohl im Bereich der Regionalwissenschaften als auch in der Regionalpolitik von zentraler Bedeutung, wenn räumlich ökonomische Prozesse möglichst gut abgebildet werden sollen. Die vorliegende Arbeit vergleicht zwei unterschiedliche methodische Ansätze zur Abgrenzung von regionalen Arbeitsmärkten auf Basis von Pendlerverflechtungen in Deutschland. Auf der einen Seite steht die Abgrenzung von Arbeitsmarktregionen von Kropp und Schwengler (2008) auf Basis der Graphentheorie und auf der anderen Seite die Abgrenzung von regionalen Arbeitsmärkten von Eckey, Kosfeld und Türck (2006) mit der Faktorenanalyse. Beide Verfahren werden mit Kreis- und Gemeindedaten gerechnet und anschließend die Ergebnisse miteinander verglichen. Die Graphentheorie liefert als bestes Ergebnis 51 sehr größenheterogene Arbeitsmarktregionen im Vergleich zu den eher homogen geschnittenen 150 regionalen Arbeitsmärkten auf der Grundlage der Faktorenanalyse. Die Unterschiede bei den Abgrenzungsergebnissen resultieren dabei weniger aus den regionalen Ausgangseinheiten Kreis oder Gemeinde als vielmehr aus der Wahl des Abgrenzungsverfahrens. Aus analytischer Sicht werden mit dem erstgenannten Verfahren zwar deutlich bessere Güteergebnisse erzielt, jedoch verbinden die großen Regionen auch sehr unterschiedliche Teilarbeitsmärkte. Bei den mit der Faktorenanalyse ermittelten kleineren regionalen Arbeitsmärkten ist hingegen fraglich, ob diese tatsächlich eigenständige wirtschaftliche Einheiten darstellen können oder ob sie nicht an größere Arbeitsmarktregionen angebunden werden sollten.

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Copyright information

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Authors and Affiliations

  • Per Kropp
    • 1
  • Barbara Schwengler
    • 2
  1. 1.IAB RegionalThüringen, Halle
  2. 2.Institut für Arbeitsmarkt- und BerufsforschungNürnberg

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