Zusammenfassung
Das Verhältnis von Führer und Masse zu ergründen, war ein Problem, das sich Wieser schon bei Beginn seiner soziologischen Forschungen gestellt hatte. In seiner Rektoratsrede von 1901, also ein Vierteljahr. hundert vor der Publikation seines soziologischen Hauptwerkes, macht es sich bereits deutlich geltend. Hat Ibsen recht, fragt er, wenn er im „Volksfeind“ den Verleger Aslaksen sagen läßt, daß die Leser es sind, die die Zeitung regieren oder vermag nicht umgekehrt die Presse über das Publikum zu herrschen ? Oder allgemein gesprochen: sind die Führer nur Exponenten des Massenwillens oder sind es die Führer, welche ihren eigenen Willen den Massen aufnötigen ? 1 Beide Antworten sind, wie WIESER schon damals ausführte, bis zu einem gewissen Grade richtig, indem das Kräfteverhältnis zwischen Führer und Masse im Laufe der geschiehtlichen Entwicklung wechselt, schon wegen der verschiedenen Qualitäten der Führer und der Massen. Von den wirklich großen Führern gilt der Vers Grillparzers: „Lassen wir vom Volk uns wählen, doch gewählt gebieten wir.“ Diese Andeutungen der Rektoratsrede von 1901 sind in dem Hauptwerke von 1926 zu einer systematischen Theorie des Führertums ausgestaltet (S. 47 f., 62 f., 230 f., 306 f., 422 f.), wie sie die bisherige Soziologie noch nicht geboten hat.2 Es sollen nur einige Hauptpunkte hervorgehoben werden.
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