Die Integration systemtherapeutischer Strategien in die stationäre Psychiatrie am Beispiel psychotischen Verhaltens

  • Christian Moser
  • Reinhold M. Bartl

Zusammenfassung

Die Beobachtung ganz unterschiedlicher Ereignisse, Situationen, Einstellungen und Bewertungen in Zusammenhang mit abweichendem menschlichen Verhalten macht an der Eingangstüre zur Psychiatrie oft einer Sichtweise Platz, die interaktionell-kommunikative Gesichtspunkte psychischer Erkrankung zugunsten eindimensionaler, linear-kausal angelegter ätiologischer Konzepte vernachlässigt. Der oft notwendigen und hilfreichen Komplexitätsreduktion in der stationären Psychiatrie werden systemische Denk- und Handlungsmodelle gegenübergestellt, die funktionale Zusammenhänge zwischen interaktionellen, affektiven und kognitiven Mustern und dem Auftauchen psychotischer Symptome in Beziehungssystemen betonen und therapeutisch zu nützen versuchen. Es wird die schrittweise praktische Umsetzung und Integration der aus den theoretischen Modellen der Systemtheorie abgeleiteten therapeutischen Schritte, Handlungsweisen und Möglichkeiten auf einer sozialpsychiatrischen Station beschrieben, die den Patienten und seine Angehörigen auf dem Weg von der Aufnahme bis zur Entlassung begleitet. Anhand von Beispielen wird gezeigt, welche Entwicklungsmöglichkeiten sich für Patienten, Angehörige und professionelle Helfer eröffnen; die verschiedenartigen Angebote wie Orientierungsgespräche, Familiengespräche, der Umgang mit „alltäglichen“ psychiatrischen Situationen werden am Beispiel psychotischen Verhaltens dargestellt. Das Streben nach gleichrangigem Nebeneinander und wertschätzender Akzeptanz vorhandener unterschiedlicher Krankheits- und Therapiekonzepte wird als eine der Voraussetzungen für die Bewältigung und Weiterentwicklung der therapeutischen Aufgaben unter stationären Bedingungen herausgestrichen.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. Baumann, P. (1987), Biochemie. In: Kisker, K. P. et al. (Hrsg.), Psychiatrie der Gegenwart. 4. Schizophrenien. Berlin — Heidelberg — New York — Tokio: Springer, S. 155–173.Google Scholar
  2. de Shazer, S. (1992), Der Dreh. Überraschende Wendungen und Lösungen in der Kurzzeittherapie. Heidelberg: Carl Auer, S. 106.Google Scholar
  3. Kissling, W. (Hrsg.) (1991), Guidelines for Neuroleptic Relapse Prevention in Schizophrenia. Berlin — Heidelberg — New York — Tokio: Springer.Google Scholar
  4. Matussek, N. (1987), Biologischer Hintergrund. In: Kisker, K. P. et al. (Hrsg.), Psychiatrie der Gegenwart. 5. Affektive Psychosen. Berlin — Heidelberg — New York — Tokio: Springer, S. 203–240.Google Scholar
  5. Meise, U. (1991), Die psychiatrische Versorgung in Tirol. In: Meise, U., Häfner, U., Hinterguber, H. (Hrsg.), Die Versorgung psychisch Kranker in Österreich. Wien — New York: Springer, S. 164.CrossRefGoogle Scholar
  6. Merlo, M. C. G. (1989), Systemtheoretische Überlegungen zur Behandlung des akuten und postakuten Stadiums schizophrener Psychosen. Psychiatrische Praxis 16: 121–125.PubMedGoogle Scholar
  7. Moser, Ch., Bartl, R. (1993), Systemtherapeutische Strategien in der Behandlung schizophrenen Verhaltens unter stationären Bedingungen: Entwicklung des Therapieangebotes auf einer sozialpsychiatrischen Aufnahmestation. Ein Erfahrungsbericht. In: Platz, Th. (Hrsg.), Brennpunkte der Schizophrenie: Gesellschaft, Angehörige, Therapie. Wien — New York: Springer (Aktuelle Probleme der Schizophrenie, Bd. 4).Google Scholar
  8. Müller-Oerllingshausen, B. (Hrsg.) (1986), Die Lithiumtherapie. Nutzen, Risiken, Alternativen. Berlin — Heidelberg — New York — Tokio: Springer.Google Scholar
  9. Olbrich, R. (1987), Die Verletzbarkeit des Schizophrenen: J. Zubins Konzept der Vulnerabilität. Nervenarzt 58: 65–71.PubMedGoogle Scholar
  10. Retzer, A., Simon, F. B., Weber, G., Stierlin, H., Schmidt, G. (1989), Eine Katamnese manisch-depressiver und schizo-affektiver Psychosen nach systemischer Familientherapie. Familiendynamik 14: 214–235.Google Scholar
  11. Retzer, A. (1994), Familie und Psychose. Stuttgart — Jena — New York: Gustav Fischer.Google Scholar
  12. Simon, F. B. (1989a), Das deterministische Chaos schizophrenen Denkens. Familiendynamik 14: 236–258.Google Scholar
  13. Simon, F. B. (1989b), „Schizo-affektive“ Muster: Eine systemische Beschreibung. Familiendynamik 14: 190–213.Google Scholar
  14. Simon, F. B., Stierlin, H. (1987), Schizophrenie und Familie. Spektrum der Wissenschaft 5: 38–48.Google Scholar
  15. Stierlin, H. (1981), Die „Beziehungsrealität“ Schizophrener. Psyche 1: 49–65.Google Scholar
  16. Stierlin, H., Weber, G., Schmidt, G., Simon, F. B. (1986), Zur Familiendynamik bei manisch-depressiven und schizoaffektiven Psychosen. Familiendynamik 4: 267–282.Google Scholar
  17. UBG: 155. Bundesgesetz vom 1. März 1990 über die Unterbringung psychisch Kranker in Krankenanstalten (Unterbringungsgesetz — UBG).Google Scholar
  18. Watzlawick, P. (1985), Kurzbehandlung schizophrener Psychosen. In: Stierlin, H. (Hrsg.), Psychotherapie und Sozialtherapie der Schizophrenie. Berlin — Heidelberg — New York — Tokio: Springer, S. 247–261.CrossRefGoogle Scholar
  19. Weber, G., Retzer, A. (1991), Praxis der systemischen Therapie psychotischen Verhaltens. In: Retzer, A. (Hrsg.), Die Behandlung psychotischen Verhaltens. Heidelberg: Carl Auer, S. 214–257.Google Scholar
  20. Weber, G., Simon, F. B., Stierlin, H., Schmidt, G. (1987), Die Therapie der Familien mit manisch-depressivem Verhalten. Familiendynamik 12: 139–161.Google Scholar
  21. Wittchen, H. U. (dt. Bearb. u. Einf.) (1989), Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen: DSM-III-R, Beltz, Weinheim, Basel.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Wien 1994

Authors and Affiliations

  • Christian Moser
    • 1
  • Reinhold M. Bartl
  1. 1.Psychiatrisches Krankenhaus des Landes TirolTiroler Landeskrankenanstalten Ges. m. b. H.Hall/TirolÖsterreich

Personalised recommendations