Zusammenfassung

Anhand von drei Archiven von Kaufmanns- und Unternehmerautobiographien (italienische Schriften aus dem 14.–16. Jahrhundert, französische aus dem 19. Jahrhundert, US-amerikanische aus dem 20. Jahrhundert) soll die These entwickelt und geprüft werden, daß die Erwerbsethik (versinnbildlicht in Benjamin Franklins Ausspruch “Zeit ist Geld”) weniger als ein Produkt einer bestimmten religiösen Lehre (Weber) oder einer bestimmten psychologischen Attitüde (Sombart), sondern besser als ein Produkt schriftlicher Selbstvergewisserung verstanden werden kann. Das Medium dieser Selbstvergewisserung ist die autobiographische Schrift, derer sich auch einige Kaufleute und Unternehmer im ausgehenden Mittelalter und in der frühen Neuzeit bedient haben. In diesem Medium wird — in Analogie zum gebräuchlichen Ordnungsverfahren der Geschäftsangelegenheiten — die Metapher von der Lebensbilanz ausgearbeitet und der Ordnung der Lebensdinge dienstbar gemacht. Die Aussage “Zeit ist Geld” ist nicht mehr als eine Kurzformel für dieses metaphorische Projekt.

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1995

Authors and Affiliations

  • Wolfram Fischer-Rosenthal

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