Propaganda pp 379-413 | Cite as

Schlussbetrachtung

  • Thymian Bussemer

Zusammenfassung

Die Kommunikationstechnik Propaganda hat im 20. Jahrhundert eine wechselvolle Geschichte durchlaufen. Erst galt sie als neu entdeckte Wunderwaffe, die es bei Krisen und Kriegen intensiv zu nutzen gelte, dann als zentrale Kommunikationstechnik zur Stabilisierung der modernen Gesellschaft. Gegen Ende der ersten Phase des Kalten Krieges verlor sie an Bedeutung und verschwand aus dem Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit. Sie wurde in dem Sinne historisiert, dass Propaganda als etwas vergangenes betrachtet und vornehmlich mit den beiden Weltkriegen, den Nationalsozialisten und anderen Diktaturen assoziiert wurde. Analog zu diesen Haussen und Baissen des Propagandabegriffs hat auch die akademische Propagandaforschung Höhen und Tiefen erlebt. Die intensiven Bemühungen vor allem auf deutscher Seite, nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg die durch die Versailer Verträge limitierte militärische Macht Deutschlands durch wissenschaftliche Expertise im Bereich der Propaganda zu kompensieren bildeten — neben dem Wunsch, die Journalistenausbildung zu professionalisieren — den entscheidenden Impetus für die universitäre Institutionalisierung der damaligen Zeitungskunde bzw. Zeitungswissenschaft. Während der 1920er Jahre bildete die Propagandaforschung das zentrale Thema der deutschen Medienforschung. Allerdings erwies sich diese frühe Propagandaforschung als theoretisch nicht ausreichend produktiv, um auf der als Basistheorie fungierenden Massenpsychologie eine wirkliche Wissenschaft zu errichten. Dies erschwerte die akademische Institutionalisierung der Zeitungskunde und minderte die Wertschätzung ihrer Ergebnisse durch politische Eliten. Die Nationalsozialisten, die Propaganda als ihre ureigene Domäne und als geheim zu haltende Herrschaftswissenschaft begriffen, setzten dem Spuk dann bald nach 1933 ein Ende.

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Literatur

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  12. 12.
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  13. 13.
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  14. 14.
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  15. 16.
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  18. 19.
    Saxer 1992, S. 50.Google Scholar
  19. 20.
    Saxers Konzeptualisierung der PR-Entwicklung weist Ähnlichkeiten zum Vier-Phasen-Modell von James Grunig auf Dem amerikanischen PR-Forscher zufolge herrschte in den USA von etwa 1850 bis 1900 dass simple „Publicity-Modell“ vor. Das „Informationsmodell” folgte von 1900 bis in die zwanziger Jahre, vor allem gekennzeichnet durch die Entstehung unternehmerischer Pressestellen. Das Modell der „asymmetrischen Kommunikation“, also der Persuasion, sei in den USA in den 20er Jahren aufgekommen. Dies sei die große Stunde von einfallsreichen Kommunikationsspezialisten gewesen, welche das Publikum systematisch verführten. In der vierten Phase schließlich, welche die symmetrische, gleichgerichtete Kommunikation zwischen Partnern, also den Dialog zwischen Organisationen und ihren Offentlichkeiten zum Ziel hat, sieht Grunig allerdings mehr Wunschdenken am Werke, als eine akkurate Beschreibung der Realität. (Vgl. Gruning u. Hunt 1984, S. 26ff; siehe auch Avenarius 2000, S. 68f.)Google Scholar
  20. 21.
    Saxer 1992, S. 59.Google Scholar
  21. 22.
  22. 23.
    Ebd., S. 61.Google Scholar
  23. 24.
  24. 25.
    Ebd., S. 64. Auch wenn Saxer unzweifelhaft damit Recht hat, dass der krasse Antagonismus von partialen PR- und gemeinwohlverpflichteten Gesellschaftsinteressen sich in der dritten Phase abgeschliffen hat, erscheint die pauschale Unterstellung eines symbiotischen Verhältnisses von PR und Massenmedien nicht haltbar. Angemessener wäre hier das Modell von Carsten Brosda und Christian Schicha, demzufolge das Verhältnis zwischen den beiden Handlungsfeldern Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus „auf systemischer Ebene als strukturell gekoppelt, auf organisatorischer Ebene als überwiegend antagonistisch und auf Akteursebene als überwiegend kooperativ umschrieben werden“ kann. Die systemische Ebene meint dabei die Verortung der beiden Felder im Mediensystem, die organisatorische die konkrete Ausgestaltung der Beziehungen zwischen Redaktion und Pressestelle/PR-Stab und die Akteursebene die unmittelbaren Beziehungen zwischen Journalisten und PR-Leuten. (Brosda u. Schicha 2002, S. 57.)Google Scholar
  25. 26.
    Saxer 1992, S. 64.Google Scholar
  26. 27.
    W. Vanderbilt war Sohn des Eisenbahnkönigs Cornelius Vanderbilt. Die Überlieferung des Ausspruchs geht auf Edward L. Bernays zurück.Google Scholar
  27. 29.
    Mtinch 1995, S. 121f.Google Scholar
  28. 30.
    Vgl. zu der Diskussion um die gesellschaftliche Brisanz von Werbung: Lamberty 2000 und Reinhardt 1993.Google Scholar
  29. 31.
    Vgl. Dorer 1997, S. 63.Google Scholar
  30. 32.
    Mit Dezentralität ist in diesem Falle nicht eine weit aufgefächerte Eigentümerstruktur an Medien gemeint (hier zeichnen sich eher Konzentrationsprozesse ab), sondern eine Zunahme an publizistischen Einheiten und ein insgesamt stärker segmentiertes Medienangebot.Google Scholar
  31. 33.
    Glotz 1999 b, S. 161.Google Scholar
  32. 34.
    Enzensberger 1997, S. 101.Google Scholar
  33. 35.
    Zur demokratiepolitischen Bedeutung des Internet siehe etwa Kamps 2000.Google Scholar
  34. 36.
    Vgl. Mönch 1995, S. 77ff.Google Scholar
  35. 37.
    Zu den Veränderungen in der Arbeitswelt vgl. ebd., S. 138ff.: „Vom Fachspezialisten zum Kommunikationsvirtuosen“.Google Scholar
  36. 38.
    Zu den medienwirtschaftlichen Veränderungen vgl. Glotz 2001. Zum Internet als Medium des Politischen siehe Siedschlag, Rogg u. Welzel 2002, bes. S. 9–29.Google Scholar
  37. 39.
    Vgl. Bieber 2002, S. 41–64.Google Scholar
  38. 40.
    Zu einer realistischen Einschätzung der Entwicklung des Internet siehe Leggewie u. Bieber 2002, grundlegend zur Politikvermittlung im Internet siehe Bieber 1999.Google Scholar
  39. 41.
    Vgl. Welzel u. Scheffler 2002.Google Scholar
  40. 42.
    Vgl. Welz 2002, S. 3ff.Google Scholar
  41. 43.
    Diese Entwicklung ist nicht auf das Netz beschränkt, leistungsfähige Empfänger machen es heute auch möglich, Radio-oder Fernsehprogramme zu empfangen, die für einen anderen Teil der Welt ausgestrahlt werden.Google Scholar
  42. 44.
    Plake, Jansen u. Schuhmacher 2001, S. 153.Google Scholar
  43. 45.
    Vgl. Kalathil u. Boas 2003.Google Scholar
  44. 46.
    So etwa Weißrusslands Diktator Alexander Lukaschenko, der im Sommer 2002 die Durchführung von Meinungsumfragen verbot, sofern diese nicht im Vorfeld detailliert mit einer fünfzehnköpfigen Regierungskommission abgesprochen wurden. Auch behält sich die Regierung vor, die Publikation von Ergebnissen zu verhindern und gegebenenfalls „Richtigstellungen“ in der Presse zu platzieren. (Vgl. Der Spiegel 26/2002, S. 114f)Google Scholar
  45. 47.
    Glotz 1999 b, S. 161f.Google Scholar
  46. 48.
    Dovring 1959, S. 6.Google Scholar
  47. 49.
    Doob 1956, S. 244.Google Scholar
  48. 50.
    Thomson 1977, S. 327.Google Scholar
  49. 51.
    Leggewie 2001, S. 148.Google Scholar
  50. 52.
    Glotz 1997, S. 120.Google Scholar
  51. 53.
    BVerfGE 20, 56.Google Scholar
  52. 54.
    BverfGE 44, 125.Google Scholar
  53. 55.
    Vgl. Böckelmann u. Nahr 1979, bes. S. 91–130.Google Scholar
  54. 36.
    Schürmann 1991, S. 171.Google Scholar
  55. 57.
    Hier gibt es also einen direkten Zusammenhang zwischen Eigeninteresse und Medienwirkungskonzeption, denn wenn Medien nur schwach wirken, müssen sie auch nicht politisch reglementiert werden.Google Scholar
  56. 58.
    Vgl.: „In den letzten zwei Jahrzehnten ist eine These der Kommunikationsforschung zu einer quasi unhinterfragbaren Gewißheit geworden: Das Publikum ist aktiv.“ (Hasebrink u. Krotz 1996 a, S. 7.)Google Scholar
  57. 59.
    Davison 1964, S. 87.Google Scholar
  58. 60.
    Glotz 1999 a, S. 3.Google Scholar
  59. 61.
    Glotz 1999 b, S. 210.Google Scholar
  60. 62.
    Vgl.: „Offen bleibt, ob der wissenschaftliche Paradigmenwechsel [hin zum aktiven Rezipienten; T.B.] Ausdruck einer tatsächlich gewandelten Wirkungsdisposition öffentlicher Kommunikation oder nur eines veränderten Forschungsinteresses bzw. eines gewandelten Normengefüges ist.“ (Liebert 1999, S. 8.)Google Scholar
  61. 63.
    Müller 1999, S. 57.Google Scholar
  62. 64.
    Münch 1995, S. 115.Google Scholar
  63. 65.
    Edelstein 1997, S. 23.Google Scholar
  64. 66.
    Avenarius 2000, S. 28.Google Scholar
  65. 67.
    Ronneberger u. Rühl 1992, S. 252.Google Scholar
  66. 68.
    Donsbach 1997, S. 11f.Google Scholar
  67. 69.
    Ebd., S. 13.Google Scholar
  68. 70.
    Vgl. Luhmann 1979.Google Scholar
  69. 71.
    Miinch 1995, S. 116.Google Scholar
  70. 72.
    Avenarius 2000, S. 29.Google Scholar
  71. 73.
    Qualter 1962, S. 151f.Google Scholar
  72. 74.
    Ronneberger 1977 b, S. 21f.Google Scholar
  73. 75.
    Wenzel 2001, S. 227.Google Scholar
  74. 76.
    Vgl. hierzu Glotz und Langenbucher: „Die öffentliche Aufgabe des Journalisten […] besteht nicht in der öffentlichen Kundgabe seiner privaten,Gesinnung’, sondern sie liegt in der Betreuung, Förderung und Beförderung gesellschaftlicher Zeit-Kommunikation. In der demokratischen Gesellschaft werden Regierung und Verwaltung nicht von einer zufällig zusammengesetzten Gruppe von Privatleuten — den Journalisten —,kontrolliert’, vielmehr kontrolliert die gesamte organisierte und nichtorganisierte Gesellschaft in einem offenen Meinungsbildungsprozeß. Diesen Prozeß hat der Journalist anwaltschaftlich zu betreuen. Es soll diese Diskussion fordern, kann selbst als gleichberechtigt Gesprächspartner mitsprechen, verfehlt aber seine ‚öffentliche Aufgabe’, wenn er gemäß seiner Gesinnung das Gespräch zu reglementieren beginnt.“ (Glotz u. Langenbucher 1993, S. 54.)Google Scholar
  75. 77.
    Munch 1995, S. 130f.Google Scholar
  76. 7S.
    Wichtig erscheint in diesem Zusammenhang der Hinweis, dass „Einflüsse von PR auf journalistisches Handeln […] nicht als determinierte Prozesse zu begreifen [sind], sondern als Produkt konkreter Interaktionsbedingungen, die auch auf Seiten des Journalismus durch eine Selbstkorrektur (z.B. durch ein stärkeres Gewicht auf eigener Recherche) geändert werden können.“ (Brosda u. Schicha 2002, S. 52.)Google Scholar
  77. 79.
    Vgl. Simon 2002, S. 52.Google Scholar
  78. 80.
    Zum Verhältnis von PR und Journalismus vgl. Bentele, Liebert u. Seeling 1997 sowie Brosda u. Schicha 2002.Google Scholar
  79. 81.
    Wenzel 2001, S. 196.Google Scholar
  80. 82.
    Saxer 1992, S. 69.Google Scholar
  81. 83.
    Vgl. Jagiela 2002, S. 12–16.Google Scholar
  82. 84.
    Vgl. Der Spiegel 5/2003, S. 156–158. 8’ Vgl. Bussemer 1999 a.Google Scholar
  83. 86.
    Vgl. Bussemer 2003.Google Scholar
  84. 87.
    Qualter 1962, S. XIV.Google Scholar
  85. 88.
    Qualter 1985, S. 237.Google Scholar
  86. 89.
    Cunningham 2002, S. 181.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2005

Authors and Affiliations

  • Thymian Bussemer

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