Ansatzpunkte für eine Konkretisierung unternehmensethischer Konzepte

  • Sonja Grabner-Kräuter
Part of the Neue betriebswirtschaftliche Forschung book series (NBF, volume 181)

Zusammenfassung

Zentrales Anliegen ethischer Konzepte, die auf bestimmte Handlungsbereiche angewandt werden sollen, ist die normative Analyse konkreter Handlungsprobleme. Unternehmensethik als eine Form der augewandten Ethik beschäftigt sich nicht nur mit der Analyse und Begründung von (in der Regel abstrakten) ethischen Prinzipien und Normen im Zusammenhang mit unternehmerischem Handeln, sondern auch mit den Möglichkeiten ihrer Konkretisierung und Durchsetzung im praktischen Wirtschaftsleben. Ausgangspunkt für verschiedene Konkretisierungsbemühungen könnte zunächst das Aufsuchen der in der Unternehmerischen Praxis vorfindbaren unternehmensethischen Normen und der Versuch der Rekonstruktion ihrer Bestimmungsgründe sein.

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Literatur

  1. 3.
    Da sich die kritische Diskussion im 2. Abschnitt dieser Arbeit auf theoretisch fundierte Ansätze bezog, wurden derartige Konzeptionen nicht angesprochen (vgl. z.B. Sonnenberg, F.K. (1994)).Google Scholar
  2. 4.
    Ähnliche Überlegungen stellt Thommen an, der kritisiert, daß die Unternehmensethik den Implementierungsaspekt weitgehend vernachlässigt (vgl. Thommen, J.-P. (1996), S. 187 f.). Steinmann und Löhr richten den Vorwurf mangelnder Praxisorientierung ausdrücklich an die Unternehmensethikdiskussion im deutschen Sprachraum (vgl. Steinmann, H.; Löhr, A. (1995), S. 170 f.).Google Scholar
  3. 4.
    vgl. Chonko, L.B.; Hunt, S.D. (1985), und die dort angeführte LiteraturGoogle Scholar
  4. 2.
    vgl. dazu auch Kappler, der - in der Diskussion um die Gewinnung und Erhaltung von Fortschrittsfähigkeit in Unternehmen und Gesellschaft - die Entwicklung von Fähigkeiten zur Gestaltung von Entwicklungsprozessen in Unternehmen und Gesellschaft im komplexen Gefüge aus Individualinteressen und Ansprüchen anderer als originäres Ziel von Bildungsprozessen ansieht und der Vermittlung von “know how” und “tools” eine untergeordnete Bedeutung zuweist (vgl. Kappler, E. (1995b)).Google Scholar
  5. 3.
    vgl. z.B. Kohlberg, L. (1994b); vgl. dazu auch die Ausführungen auf S. 137 ff. dieser ArbeitGoogle Scholar
  6. 5.
    Zwischen Moralpsychologie und Diskursethik bestehen auch “theoretische” Zusammenhänge. So hat Habermas eine Erweiterung des Kohlbergschen Stufenschemas der Moralentwicklung vorgeschlagen, indem er die Orientierung am Prinzip des allgemeinen und freien Diskurses als oberstes Ziel moralischer Entwicklung hervorhob (vgl. Habermas, J. (1983b), S. 127 ff.; vgl. dazu auch Löhr, A. (1991b), S. 349 ff. und Osterloh, M. (1991), S. 157 ff.).Google Scholar
  7. 1.
    zur Kritik am formalen und kognitiven Charakter von Kohlbergs Ansatz vgl. z.B. Rebstock, M. (1992), S. 80 ff. und die dort angeführten LiteraturquellenGoogle Scholar
  8. 4.
    vgl. Steinmann, H.; Löhr, A. (1994a), S. 179 f.; eine überblicksmäßige Darstellung sowie eine kritische Diskussion des GRID-Konzepts als Grundschema für die Kurz-Charakterisierung verschiedener Führungsstilvarianten findet sich z.B. in Neuberger, O. (1985), S. 110 ff.Google Scholar
  9. 5.
    Gilligan kritisiert in ihrer vielbeachteten Untersuchung U.A. die männlich orientierte Ausrichtung der traditionellen Entwicklungspsychologie im allgemeinen und des Kohlbergschen Ansatzes im besonderen und hebt “caring” als zentrale Dimension (weiblicher) moralischer Entwicklung hervor. Sie stellt fest, daß Frauen ihre moralischen Urteile und ihr Handeln in Konfliktsituationen vor allem an den Wertmaßstäben Verantwortlichkeit und Fürsorge für andere orientieren, während es Männern um die Einhaltung von Regeln und Erfüllung von Pflichten geht (vgl. Gilligan C. (1984)).Google Scholar
  10. 2.
    Es erweist sich generell als schwierig, die moralische Entwicklung klar vom weiteren Bereich der sozialen Entwicklung und Sozialisation abzugrenzen (vgl. Kohlberg, L. (1994a), S. 7)Google Scholar
  11. 3.
    Diese Aussage steht nicht im Widerspruch zu Untersuchungen, die die grundsätzliche Möglichkeit der Schulung sozial-moralischer Kompetenz bestätigen (vgl. z.B. Oser, F.; Schlaefli, A. (1986)).Google Scholar
  12. 1.
    Organisationsstrukturen stellen das Ergebnis der Tätigkeit des Organisierens dar (zu verschiedenen Kategorien von Organisationsbegriffen vgl. z.B. Hoffmann, F. (1980)). Die ethische Reflexion der Tätigkeit des Organisierens basiert auf einem funktionalen Organisationsbegriff und wird nach der hier vorgeschlagenen Strukturierung der Diskussionsebene der Unternehmensfunktionen zugeordnet. Auch die Analyse von Prozessen im Unternehmen kann von einem organisationalen Fokus ausgehen. Da prozessuale Überlegungen in der Diskussion moralischer Entscheidungsfindung eine zentrale Rolle spielen, werden sie in dieser Arbeit schwerpunktmäßig im Zusammenhang mit Entscheidungsprozessen erörtert. An dieser Stelle wird wiederum deutlich, daß die hier vorgenommene Strukturierung anwendungsorientierter Forschungsbemühungen nicht überschneidungsfrei ist.Google Scholar
  13. 7.
    Zur logischen Begründung vgl. Schneider, D.J.G. (1978b); dennoch wird von einigen Autoren vorgeschlagen, konkrete Normen “… durch Ableitung aus Prinzipien…” zu formulieren (Krupinski, G. (1993), S. 81).Google Scholar
  14. 8.
    Wittmann, S. (1994), S. 93; Wittmann kritisiert exemplarische Formulierungen aus Ethik-Kodices multinationaler Unternehmen auf einer diskursethischen Grundlage (vgl. ebenda, S. 91).Google Scholar
  15. 2.
    Einen fundierten Überblick über die Ausgangslage und die historischen Entwicklungslinien der Organisationskultur-Forschung geben z.B. Scholz, C. (1988), 245 ff.; Dülfer, E. (1991), S. 6 ff.Google Scholar
  16. 1.
    Zahlreiche einzelne Aspekte oder Elemente von Organisationskultur wurden bereits in den Anfangsphasen der Entwicklung der Managementlehre behandelt (vgl. Greipel, P. (1988), S. 2 f. und die dort angeführten Literaturquellen).Google Scholar
  17. 5.
    Allaire und Firsirotu setzen verschiedene in der Management-und organisationstheoretischen Literatur entwickelte Organisationskultur-Konzepte in Beziehung zu unterschiedlichen “schools of thought” der anthropologischen Kulturforschung (vgl. Allaire, Y.; Firsirotu, M.E. (1984), S. 217 ff.). Der enger gefaßte Begriff “Unternehmenskultur” bezieht sich auf die unternehmensspezifische Ausprägung von “Organisationskultur’.Google Scholar
  18. 5.
    vgl. Sandner, K. (1988),S. 656; vereinzelt werden in interpretativen Ansätzen traditionell gewachsene Unternehmenskulturen von vornherein als schutzbedürftig angesehen und jede Veränderung wird als potentielle Zerstörung eines Stückes unberührter Lebenswelt kritisiert (vgl. Schreyögg, G. (1991b), S. 202 ff. und die dort zitierten Literaturquellen).Google Scholar
  19. 1.
    Auf Probleme der empirischen Erfassung von Unternehmenskulturen wird hier nicht eingegangen (vgl. dazu z.B. Osterloh, M. (1991)).Google Scholar
  20. 2.
    Victor, B.; Cullen, J.B. (1988), S. 101. Die zur Operationalisierung des “ethischen Klimas” eines Unternehmens verwendeten Kriterien beziehen sich auf die Form der ethischen Entscheidungsfindung und nicht auf deren Inhalt (vgl. ebenda, S. 109 ff.).Google Scholar
  21. 1.
    Habermas verweist auf die hohe strukturelle Differenzierung von Handlungsbereichen in modernen Gesellschaften, die von den Aktoren verlangt, daß sie in verschiedenen Lebensbereichen gegebenenfalls konträre Entscheidungs-und Wertmuster bewußt adoptieren und von einer Präferenzenkombination auf die andere umschalten können (vgl. Habermas, J. (1981b), S. 336).Google Scholar
  22. 4.
    Robin, D.P.; Reidenbach, R.E. (1989), Überschrift von Kapitel 4Google Scholar
  23. 4.
    vgl. z.B. Klimecki, R. (1995), Sp. 1652 f.; zu Problemstellungen, Einsatz-und Leistungsmöglichkeiten sowie Entwicklungstendenzen der Organisationsentwicklung vgl. Rieckmann, H. (1997)Google Scholar
  24. 1.
    zu typischen Inhalten von Unternehmensgrundsätzen vgl. z.B. Bromann, P.; Piwinger, M. (1992), S.Google Scholar
  25. 3.
    Schnyder, A.B. (1991), S. 261; im Corporate Identity-Ansatz werden als kulturelle Ausdrucksformen das Erscheinungsbild des Unternehmens (corporate design), die unternehmensinterne und -externe Kommunikation (corporate communication), das Unternehmensverhalten (corporate behavior) und von einigen Autoren auch Führungsinstrumente untersucht.Google Scholar
  26. 1.
    zur Forderung nach einer Öffnung von Unternehmensgrundsätzen vgl. auch Kappler, E. (1980b), S. 305 f.Google Scholar
  27. 2.
    Beispiele für Leitfragen der Personalentwcklung finden sich in Kappler, E. (1993a), S. 73Google Scholar
  28. 6.
    So haben beispielsweise Osterloh und Tiemann versucht, die unternehmensethischen Ansätze von Steinmann und Löhr, Ulrich und Homann et al. auf den Fall Brent Spar “anzuwenden” (vgl. Osterloh, M.; Tiemann, R. (1995)).Google Scholar
  29. 1.
    Löhr plädiert in ähnlichem Zusammenhang für “… eine Rekonstruktion der faktischen Argumentationsbestände…” (Löhr, A. (1991b), S. 298) als wissenschaftliche Hilfestellung bei der Analyse spezifischer ethischer Konflikte.Google Scholar
  30. 1.
    vgl. Jones, T.M. (1991), S. 372 ff.; vgl. auch die Erläuterung des Konstrukts der moralischen Intensität auf S. 140 f. dieser ArbeitGoogle Scholar
  31. 2.
    Im kontingenztheoretischen Modell von Ferrell und Gresham entsteht ein ethisches Problem oder Dilemma unmittelbar in der sozialen oder kulturellen Umwelt des Unternehmens (vgl. Ferrell, O.C.; Gresham, L. (1985), S. 89). In einer späteren Erweiterung des Modells wird der objektive Charakter von “ethical issues” durch die Einführung eines Konstrukts “awareness of ethical issue” abgeschwächt (vgl. Ferrell, O.C.; Gresham, L.; Fraedrich, J. (1989), S. 60 ff.).Google Scholar
  32. 1.
    Eine Ausnahme stellt das Prozeßmodell moralischen Verhaltens von Rest dar, in dem moralische Sensitivität eine zentrale Determinante für die Interpretation moralischer Probleme und die Wahrnehmung und Beurteilung potentieller Handungsaltemativen und deren Konsequenzen darstellt (vgl. Rest, J. (1986), S. 25 ff.).Google Scholar
  33. 2.
    vgl. Rich, A. (1987), S. 22; hinzu kommt noch, daß sich manche Entscheidungsabläufe zwar kausal-analytisch abbilden, aber dennoch nicht wiederholen lassen (vgl. Kappler, E. (1993c), S. 64).Google Scholar
  34. 1.
    Brady und Dunn weisen darauf hin, daß auf das Modell von Cavanagh et al. in mehr als zwei Dutzend Arbeiten Bezug genommen wurde und von Arthur Anderson & Company für Schulungsmaß nahmen verwendet wird (vgl. Brady, F.N.; Dunn, C.P. (1995), S. 387 f. und die dort zitierten Original quellen).Google Scholar
  35. 1.
    Kosiol spricht vom Bestimmtheits-oder Konkretisierungsgrad von Aufgaben; Gutenberg betont, daß der Entscheidungsspielraum des mit dispositiven Aufgaben Betrauten durch generelle Regelungen eingeschränkt wird; Wittmann verwendet den Begriff der “Dispositionselastizität” (vgl. Osterloh, M. (1985), S. 2291 f. sowie Kappler, E. (1987), Sp. 243 f. und die dort angeführten Originalquellen).Google Scholar
  36. 2.
    zur Kritik an dieser Auffassung vgl. wiederum Schneider, D.J.G. (1978b), S. 72 ff.; Kappler, E. (1987), Sp. 250 ff.; Schreyögg, G. (1991a), S. 261 f.Google Scholar
  37. 5.
    Zwischen Entscheidungs-und Handlungsspielraum besteht insofern ein Unterschied, als sich der Begriff des Handlungsspielraumes nicht auf die Entscheidung als Akt der Willensbestimmung bezieht, sondern auf die aus der Entscheidungsfindung resultierende Handlung, durch die das Entschiedene erreicht werden soll. Diese Unterscheidung wird hier analog zur (philosophischen) Unterscheidung zwischen Willensfreiheit und Handlungsfreiheit gesehen. Pieper bezeichnet moralische Freiheit als handlungsbegründende und Handlungsfreiheit als instrumentelle Freiheit (vgl. Pieper, A. (1981), S. 141). Aufgrund der Schwierigkeiten, die Dimensionen Entscheidungs-und Kontrollspielraum auf der einen und Tätigkeits-bzw. Handlungsspielraum auf der anderen Seite voneinander abzugrenzen (vgl. die Darstellung und kritische Diskussion des Konzepts des Handlungsspielraums von Ulich in Osterloh, M. (1985), S. 295 f.), werden die Begriffe Entscheidungs-und Handlungsspielraum in den folgenden Ausführungen weitgehend synonym verwendet; für die hier behandelte Problemstellung ist es auch nicht notwendig, zwischen Handlungsspielraum und Organisationsspielraum zu differenzieren.Google Scholar
  38. 1.
    vgl. z.B. Hauschildt, J. (1995), Sp. 2100; eine derartige Begrenzung von Verantwortung würde etwa auch bedeuten, daß Hitler die Ermordung von Millionen von Juden und anderen Menschen nicht zu verantworten hätte.Google Scholar
  39. 3.
    Kappler betont den existentiellen Charakter jeder Entscheidung. “… in einer jeden Entscheidungsfrage geht es um das Ganze des Daseins. Vor die Frage, einen bestimmten Schritt zu tun, schiebt sich die andere Frage, ob darin das Dasein als Ganzes getroffen oder verfehlt wird” (Rombach, H. (1973), Sp. 251).Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1998

Authors and Affiliations

  • Sonja Grabner-Kräuter

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