Demokratien des 21. Jahrhunderts im Vergleich pp 477-491 | Cite as
Die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts
Zusammenfassung
Der demokratische Raum wurde im 20. Jahrhundert in der Regel mit dem Staat und seinen Untergliederungen gleichgesetzt. Hier wird der Mensch zum Bürger und das Volk zum Souverän. Und hier findet der Diskurs über gesellschaftliche Zukunftsalternativen statt. Der Verfassungsstaat bildete den Rahmen, um auf legalem Wege politische Auseinandersetzungen zu einem legitimen Ende zu führen, womit sowohl der innere als möglichst auch der äußere Frieden gesichert werden sollte. „Der Verfassungsstaat ist darauf eingerichtet“, so Dolf Sternberger, „Einigung zu ermöglichen. Sie geschieht entweder im Wege des materialen Kompromisses oder durch die Einhaltung der Spielregel, dass Mehrheit bestimmen, Minderheit sich fügen soll, oder schließlich durch Rekurs auf die Entscheidung des Gerichts, welches die uneinigen Parteien als unparteiische Instanz respektieren.“1 Die folgenden Überlegungen zielen darauf, mögliche Unterschiede zwischen der Rolle des Staates im 20. und der im 21. Jahrhundert prononciert herauszustellen.
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