Systemtransformation als Wandel von Ordnungen
Zusammenfassung
Wie die Betrachtung von Funktionsweise und ökonomischen Resultaten der Zentralverwaltungswirtschaft verdeutlichte, ist eine Transformation des Wirtschaftssystems angezeigt, um die herrschenden Funktionszusammenhänge aufzubrechen und eine langfristige positive wirtschaftliche Entwicklung zu ermöglichen. Unter einer Systemtransformation ist dabei eine umfassende Änderung der Regeln bzw. der Ordnung, innerhalb derer sich jedwede ökonomische Betätigung vollzieht, zu verstehen.31 Da es sich bei der Gegenüberstellung einer Zentralverwaltungswirtschaft sowjetischer und einer Marktwirtschaft liberaler Prägung nahezu um Extrempunkte eines theoretisch denkbaren Kontinuums verschiedener Wirtschaftsordnungen handelt, wird das Ausmaß der notwendigen ordnungspolitischen Reformen unmittelbar deutlich. Weniger evident sind die im einzelnen zu treffenden Maßnahmen und die Beantwortung der Frage, inwiefern eine Konzeption der Transformation eines Wirtschaftssystems überhaupt in ihrer Gesamtheit möglich ist. Der Annäherung an diese Grundsatzfragen dient ein Verständnis der Funktionsweise der marktwirtschaftlichen Ordnung, welches in einem Vergleich zu den existenten osteuropäischen Zentralverwaltungswirtschaften Handlungsnotwendigkeiten der Systemtransformation auf ökonomischer Ebene aufweist. Schließlich ist aber auch die Frage nach dem gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang zu stellen, um zu verdeutlichen, welche Erklärungskraft einer ökonomischen Analyse der umfassenden Reformen des sozialistischen Systems zukommt.
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Literatur
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