Einleitung

  • Hermann Radtke
Part of the Forschungsberichte des Landes Nordrhein-Westfalen book series (FOLANW, volume 2152)

Zusammenfassung

Das Schneiden gehört zu den stanzereitechnischen Verfahren und wurde erst vor wenigen Jahren unter dem Sammelbegriff »Zerteilen« in der neuen DIN-Norm 8588 [1] definiert. In diese Gruppe der einzelnen Trennverfahren für die Blechbearbeitung fällt jedoch nicht die Erzeugung völlig glatt geschnittener Scherflächen, wie sie beim sogenannten Feinschneiden entstehen. Dagegen wird in der neuen DIN 8587 [1] unter der Begriffsbestimmung „Schubumformen“ eine Verschiebung der Blechoberflächen gegeneinander ohne Rißbildung mittels Werkzeugelementen als »Umformen« verstanden. Der Vorgang des Fein- bzw. Genauschneidens entspricht daher dieser Definition nach DIN 8587, wobei der Weg des Schubumformens der Blechdicke gleichzusetzen ist. Die Scherfläche wird hierbei bewußt als glatte Fläche »geformt«. In bezug auf eine geringe Rauhtiefe und Ebenheit der Oberfläche sowie auf eine enge Tolerierung der Abmessungen sind die Ansprüche an die aus Blechwerkstoffen hergestellten Teile in jüngster Zeit insbesondere dort gestiegen, wo Loch-Trennflächen oder Ausschneide-Trennflächen Paßflächen sind oder als Kontaktflächen beispielsweise eine Steuerfunktion ausüben. Während beim üblichen Schneiden mit stanzereitechnischen Mitteln das Blech nur teilweise glatt abgeschert wird, ein weiterer Teil der Scherfläche aber eine oft von Rissen durchzogene Bruchfläche aufweist, wird beim Genauschneiden — auch als Feinschneiden oder Feinstanzen bezeichnet — eine saubere, glatte und rißfreie Scherfläche erzeugt. Als wesentliche Einflußgrößen sind dabei zu nennen:
  • die physikalischen Kennwerte des Werkstoffes wie Bruchfestigkeit σ B , Streckgrenze σ S und Dehnung δ5;

  • die Blechdicke s;

  • die geometrische Form der Schnittlinie — so bereitet die Fertigung schmaler Teile mit geringem b/s-Verhältnis (b = Breite, s = Dicke) mehr Schwierigkeiten als breiter Teile — dasselbe gilt von Schnittfiguren mit scharfen Ecken;

  • das Fließverhalten des Blechwerkstoffes als Folge seines metallurgischen Aufbaus, der Wärmevorbehandlung und Art des Walzens;

  • die Möglichkeit einer ausreichenden Einspannung der Scherzonengrenzbereiche, um Schubspannungsrisse zu vermeiden.

Copyright information

© Westdeutscher Verlag, Köln und Opladen 1970

Authors and Affiliations

  • Hermann Radtke
    • 1
  1. 1.Deutschen Forschungsgesellschaft für Blechverarbeitung und Oberflächenbehandlung e. V.DüsseldorfDeutschland

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