Kristallisation der Hochpolymeren pp 47-48 | Cite as
Schluß
Zusammenfassung
Ein altes Wort der Alchimisten sagt: „Die Natur macht keine Sprünge“. Wenngleich zahllose Beobachtungen dieser alten Erfahrung entsprechen, so ist doch beispielsweise die Phasenlehre, in der überall sprunghafte Übergänge — z.B. vom Kristall zur Schmelze, von der Schmelze zum Dampf usw.-erfolgen, nur ein einziges Gegenbeispiel für diesen Satz. Kontinuierliche einphasige Umwandlungen sind — wie bereits erwähnt — jedoch beispielsweise bei Kristall-Kristall-Umwandlungen bekannt. Auch der Übergang Flüssigkeit in Gas erfolgt im überkritischen Gebiet einphasig. Der Übergang des Kristalls in die Schmelze ist dagegen bisher nur sprunghaft, also zweiphasig beobachtet worden. Hierfür finden wir jetzt bei den Hochpolymeren das erste Beispiel für einen kontinuierlichen Übergang. Obwohl das Verhalten der Hochmolekularen beim Schmelzen und Kristallisieren für den Chemiker, der seit Jahrzehnten das Schmelzen und Kristallisieren der niedermolekularen Stoffe als das Normale anzusehen gewöhnt ist, außergewöhnlich zu sein scheint, möchten wir doch geneigt sein zu sagen, daß die normale oder natürliche Umwandlung die einphasige ist; demnach sollte gerade das Verhalten der Hochpolymeren als die Norm und das Schmelzen und Kristallisieren der Niedermolekularen als Ausnahme betrachtet werden.