Rückstellungen in der Bilanz pp 48-57 | Cite as
Begriff und notwendige Wesensmerkmale der Rückstellung nach herrschender Ansicht der Betriebswirtschaftslehre
Zusammenfassung
Die Auffassung darüber, was eine Rückstellung ist, wann sie zu bilden ist, welchem Zweck sie dient, ist im wesentlichen davon abhängig, von welcher Bilanz auffassung man an dieFrage herangeht. Es gibt bekanntlich drei Bilanzauffassungen, die jede für sich eine teils größere, teils geringere Bedeutung gewonnen haben, die statische, die organische und die dynamische Bilanzauffassung. Von diesen Bilanzauffassungen ist die organische von Fritz Schmidt, obwohl die ihr zugrunde liegende Idee der Ausschaltung von Scheinerfolgen gerade in Zeiten starker Preisschwankungen viel für sich hat, nicht über den Bereich des Theoretischen hinausgekommen, weil ihre Anwendung in der Praxis auf große Schwierigkeiten stieß 1). Die beiden anderen Bilanzauffassungen, dynamische und sta tische, haben beide ihre Bedeutung, jedoch in der Weise, daß die statische als die historisch ältere heute als überholt gilt 2) — wenigstens soweit es sich um die Aufstellung der jährlichen Erfolgsbilanzen handelt — und der dynamischen Bilanzauffassung Platz gemacht hat. Seitdem Schmal enbach die Erfolgsermittlung als den Hauptzweck der Jahresbilanz herausgestellt hat, hinter dem die Aufgabe der Darstellung des richtigen Vermögens- und Schuldenstandes zurücktreten muß, hat diese Idee eine ständig wachsende Anhängerschaft gefunden. Viele spätere Bilanztheoretiker 3) haben an Schmalenbachs Gedanken angeknüpft und zu der heutigen Verbreitung der dynamischen Bilanzauffassung wesentlich beigetragen 4).
Preview
Unable to display preview. Download preview PDF.
Referenzen
- 1).Für steuerliche Zwecke ist die organische Tageswertbilanz schon frühzeitig ohne nähere Begründung als ungeeignet für die steuerliche Gewinnermittlung abgelehnt worden; s. dazu RFH-Urteil v. 22. 10. 31 I A 254/30, StW 1932, 167.Google Scholar
- 2).Vgl. Boettcher, Zur Reform der Ermittlung des steuerpflichtigen Gewinns, in: StW 49. 953.Google Scholar
- 3).Walb. Kosiol, Gnam u. a.Google Scholar
- 4).Ober die heutige Verbreitung der dynamischen Bilanz vgl. S. 26 ff. und neben den dort zitierten Autoren noch Auler, Die Bildung und Auflösung von Rückstellungen, in: WP 52. 169. und Hirnbach, a. a. O., S. 135.Google Scholar
- 5).Vgl. hierzu Aufermann. Einkommensteuer-Bilanz und Periodenabgrenzung, in: Die Aktuelle 48, 163: Idee des Gläubigerschutzes wird „seit einigen Jahrzehnten ... durch die Idee der Kontrolle der Betriebsgebarung ersetzt“.Google Scholar
- 6).Le Coutre, Stille Reserven, betriebswirtschaftlich beurteilt, in: TuW 37. 213 ff.Google Scholar
- 7).Vgl. z. B. Streit, Grundsätze ordnungsmäßiger Bilanzierung für Rückstellungen; Rudolph, Wesen und Bedeutung der Rückstellungen. Eine Untersuchung ihrer Aufgaben in Betriebswirtschaftslehre, Handels. und Steuerrecht; Schwarzmann, Rückstellungen und Wagniskosten. Eine betriebswirtschaftliche, handelsrechtliche und steuerrechtliche Untersuchung; und neuerdings Vontobel, Die Rückstellung und ihre steuerliche Behandluns.Google Scholar
- 8).Vgl. die Besprechungen von Streits Buch durch Adler in: WT 35, 182 und Schmaltz in: Die Betriebswirtschaft 1935, 166.Google Scholar
- 1).Nach Amonn, Volkswirtschaftliche Grundbegriffe und Grundprobleme, S. IV.Google Scholar
- 2).Schmalenbach, Dynamische Bilanz, 11. Aufl., S. 56.Google Scholar
- 3).Erstmalig verwendet Schmalenbach in der 11. Auflage seiner Dynamischen Bilanz den Ausdruck „Ertrag“ an Stelle von „Leistung“. Er paßt seine Terminologie damit dem neueren betriebswirtschaftlichen Sprachgebrauch an.Google Scholar
- 4).Daneben haben noch die sogenannten „nachzuverrechnenden Einnahmen“ Rückstellungscharakter; Einzelheiten folgen auf S. 71 ff.Google Scholar
- 5).Helpenstein, Erfolgsbilanz, S. 459.Google Scholar
- 6).Vgl. S. 30.Google Scholar
- 7).Schmalenbach, Dynamische Bilanz, 8. Aufl., S. 41.Google Scholar
- 8).Hinweis auf S. 304 f.Google Scholar
- 9).Vgl. S. 30 ff.Google Scholar
- 10).Auler, Rückstellungen, S 16.Google Scholar
- 11).„Entstehung einer Verbindlichkeit“ ist nur eine Zwischenstufe; von Ausnahmefällen (z. B. Gegenlieferung) abgesehen, führt auch d e Verbindlichkeit später zur Ausgabe.Google Scholar
- 12).Gnam, Zum Begriff der Rückstellung, in: FR 54, 347 ff., insbesondere S. 350.Google Scholar
- 13).Vgl. Gnam, Die Bilanzformel. in: ZfhF 54, 29 ff.; derselbe, Einnahmen und Ausgaben als Bilanzkriterien, in: StW 55, 237 ff. und 305 ff.Google Scholar
- 1).Streit, a. a. O., 2. Aufl., S. 4.Google Scholar
- 2).Götze, Grundzüge der Bilanzierung, S. 120 Fußnote 7.Google Scholar
- 3).Gothe, Die Rechtsprechung des RFH zur Frage der Zulässigkeit reiner Aufwandsrückstellungen, in: DStZ 32, 520 ff.Google Scholar
- 4).Vgl. S. 30 ff.Google Scholar
- 5).So auch Zwanck, Rückstellungen — Zweckgebundene Rücklagen, in: WT 40, 179.Google Scholar
- 1).Auler, Rückstellungen, S. 12.Google Scholar
- 2).Ruth/Schmaltz, Die neue Bilanz der Aktiengesellschaft in rechtlicher und betriebswirtschaftlicher Beleuchtung, S. 84.Google Scholar
- 3).Sperrung vom Verfasser.Google Scholar
- 4).Adler/Düring/Schmaltz, Rechnungslegung und Prüfung der Aktiengesellschaft, 2. Aufl., § 131 Tz. 86.Google Scholar
- 5).Im Original nicht gesperrt.Google Scholar
- 6).Klatt, Rückstellungen in Ertragsteuerbilanzen, Inhaltsverzeichnis VI.Google Scholar
- 7).Rieger, Schmalenbachs dynamische Bilanz, 2. Aufl., S. 119.Google Scholar
- 8).Rieger, Schmalenbachs dynamische Bilanz, 2. Aufl., S. 119.Google Scholar
- 9).Vgl. S. 30 ff.Google Scholar
- 10).Ausdruck von Lion; vgl. S. 117 dieser Arbeit.Google Scholar
- 11).Das Imparitätsprinzip wird seit Jahrhunderten in den Bilanzen der Kaufleute geübt und ist daher ein Bestandteil der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung und bei der Bilanzaufstellung zu beachten. Gleicher Ansicht auch Greiffenhagen, Disproportionen in der Steuerpolitik, S. 92.Google Scholar
- 12).Gnam, Zum Begriff der Rückstellung, in: FR 54, 348; unter Bezugnahme auf das Urteil des FG Münster I a 195/53 v. 14. 9. 53 EFG 53, 27.Google Scholar
- 13).Aufermann, Stille Reserven in Ertragsteuerbilanzen, in: Die Aktuelle 47, 325.Google Scholar
- 14).Ruth/Schmaltz, Die neue Bilanz der Aktiengesellschaft in rechtlicher und betriebswirtschaftlicher Beleuchtung, S. 40.Google Scholar
- 15).Zur Entscheidung darüber, wann ein Aufwand entstanden ist, will Enno Becker, natürlich für den Bereich des Steuerrechts, die Verkehrsauffassung heranziehen (Becker, Die Grundlagen der Einkommensteuer, S. 268); ein theoretisch einwandfreies Kriterium ergibt sich natürlich dabei nicht; vgl. auch S. 22 f.Google Scholar
- 16).Kosiol, Betriebswirtschaftliche Gesichtspunkte zum Bilanzsteuerrecht, in: ZfB 52, 347.Google Scholar
- 17).Das Wort ,anzusehender’ deutet auf die Übereinstimmung der Ansicht Kosiols mit der unsrigen hin: Kosiol „sieht etwas als einen Aufwand an“, und wir „unterstellen“ die Entstehung eines Aufwands. Gemeint ist in beiden Fällen, daß der Aufwand nur aus Gründen der Vorsicht verrechnet wird; objektiv ist seine Entstehung nicht nachweisbar.Google Scholar
- 18).Dieser Terminologie bedient sich auch Aufermann, Gewinn- und Verlustrealisation bei Berechnung der Einkünfte aus Gewerbebetrieb durch Bilanzvergleich, in: ZfB 51, 235.Google Scholar
- 1).Beachte die Erweiterung in Anm. 4 auf S. 49.Google Scholar
- 2).An Stelle von ,Aufwand’ kann im Einzelfalle auch ,Mindereinnahme. oder ,Schuldentstehung’ stehen.Google Scholar
- 3).Diese Ausführungen lehnen sich an Kajet, Aufwandsrückstellungen, in: Prabewi 41, 69, an.Google Scholar
- 1).Vgl. z. B. Gebhardt, Rücklagen und Rückstellungen nach den neuesten Erkenntnissen des Bilanzsteuerrechts, in: Prabewi 40, 49; Senf, Grundsätzliches zur Frage der Zulässigkeit und Unzulässigkeit der Rückstellungen und steuerfreien Rücklagen, in: DStBl 42, 14; Gercke, Unterschiedsmerkmale zwischen Rückstellungen, Wertberichtigungen und Rechnungsabgrenzungsposten, in: DStZ 53, 374.Google Scholar
- 2).So Kratz, Rücklagen, Rückstellungen und Wertberichtigungsposten, S. 224.Google Scholar
- 3).Z. B. Simon, Die Bilanzen der Aktiengesellschaften und der Kommanditgesellschaften auf Aktien, 2. Aufl., S. 180 ff. und S. 320.Google Scholar
- 4).§ 131 Abs. 1 B IV AktG.Google Scholar
- 5).Gnam, Zum Begriff der Rückstellung, in: FR 54, 347.Google Scholar
- 6).Hoffmann, Der Rückstellungsbegriff der Steuerbilanz in der Rechtsprechung des Obersten Finanzgerichts, in : NBw 51, 1.Google Scholar
- 7).Sperrung vom Verfasser.Google Scholar
- 8).Gutachten Nr. 3/1937 des Instituts der Wirtschaftsprüfer, in: WT 37, 362.Google Scholar
- 9).Berg, Wie bilanziert die Aktiengesellschaft? 6. Aufl., S. 52.Google Scholar
- 10).Van der Velde, Der gegenwärtige Stand der Behandlung der Rückstellungen in der Handels- und in der Steuerbilanz, in: WPg 52, 328.Google Scholar
- 11).Im Ergebnis gleicher Ansicht: Aufermann, Transitorische Posten und Antizipationen, in: Die Aktuelle 47, 377; Auler, Rückstellungen, S. 8; Kosiol, Betriebswirtschaftliche Gesichtspunkte zum Bilanzsteuerrecht, in: ZfB 52, 347; Seifried, Zur Frage der steuerrechtlichen Anerkennung zweckgebundener Rücklagen für unterlassene Reparaturen, in: StW 47, 491; Streit, Grundsätze ordnungsmäßiger Bilanzierung für Rückstellungen, 1. Aufl., S. 11; u. a.Google Scholar