Zusammenfassung

Die gegenwärtige Periode der Kirchengeschichte ist wiederholt als eine Ära der ÖÖkumene beschrieben worden. Innerhalb des amerikanischen Protestantismus findet man diese Behauptung leicht bestätigt, wenn man nur die augenfälligsten Anzeichen ökumenischer Betätigungen betrachtet, z. B. die Entwicklung einer Vielfalt von Formen interdenominationaler Zusammenarbeit und eine auffallende Neigung der Denominationen zum Zusammenschluß. Außerdem kann man beobachten, daß die Idee der Ökumene, die bisher nur unbedeutende theologische Kreise beschäftigte, zum Gegenstand stärksten Interesses und höchster Aktivität von denominationalen Organisationen und deren Funktionären wird. Jedoch gleichzeitig mit dieser Verbreitung eines neuen ökumenischen Geistes ist ein Denominationalismus wiedererwacht, dessen Kennzeichen ein erneutes Betonen des historischen Erbes und der eigentümlichen theologischen Position der jeweiligen Denomination ist. Dieses paradoxe Zusammentreffen des ökumenischen Gedankens und des Denominationalismus wird im allgemeinen erkannt, aber unterschiedlich gedeutet. Einige Interpretationen sehen diese beiden Phänomene als antagonistisch und antithetisch; dabei wird der Denominationalismus gewöhnlich als der Bösewicht hingestellt, der die Einigung der Kirche verhindert 2. Andere, deren Vorstellungen den offiziellen Ansichten des Weltkirchenrates nahekommen, betonen, daß — theologisch ausgedrückt — die ökumenische Aktivität nicht im Widerspruch zur Wiederentdeckung und Bestätigung der jeweiligen denominationalen Identität zu stehen brauche 3.

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Referenzen

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    Dieser Beitrag wurde mit Genehmigung der Herausgeber der Zeitschrift SOCIAL RESEARCH, Vol. 3o, Heft 1, Frühjahr 1963, entnommen. Titel des Originals: A Market Model for the Analysis of Ecumenicity. Die Übersetzung besorgte HelgePeter Peters, Dortmund; sie wurde vom Autor durchgesehen und um einige Bemerkungen ergänzt. Auf eine englischsprachige Zusammenfassung wird hier angesichts des amerikanischen Originals verzichtet.Google Scholar
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Copyright information

© Westdeutscher Verlag Köln und Opladen 1965

Authors and Affiliations

  • Peter L. Berger

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